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Viele Wohnungen in Deutschland werden mit Erdgas beheizt. Das wird jetzt teuer. Bildrechte: dpa

EnergieversorgungPolitiker sorgen sich um Folgen der Gasumlage

von Sophia Spyropoulos, MDR AKTUELL

Stand: 15. August 2022, 05:00 Uhr

Seit Russland weniger Gas nach Deutschland liefert, müssen Gaskonzerne ihre Ware wesentlich teurer aus anderen Quellen einkaufen. Damit sie nicht Pleite gehen, hat die Bundesregierung die Gasumlage beschlossen: Für einen bestimmten Zeitraum sollen die Mehrkosten auf die Endkundinnen und -kunden abgewälzt werden können. Diese Woche soll die genaue Höhe der Umlage bekannt gemacht werden. Seit dem Wochenende gibt es auch schon Gerüchte. Welche Erwartungen und Befürchtungen gibt es dabei?

Um 1,5 bis fünf Cent könnte die Gasumlage die Kilowattstunde verteuern, soweit der Ausblick von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Dass es sogar noch mehr werden könnte, befürchtet etwa Melanie Weber-Moritz, Bundesdirektorin beim Deutschen Mieterbund. Ehrlicherweise müsse man aber sagen, "dass man es nicht genau weiß", sagt Weber-Moritz, "ob das tatsächlich bei dieser Höhe bleibt, oder ob es nicht doch mehr wird".

Zusätzlich zu dieser Umlage kommen ja noch die Kosten, die die Versorger direkt an ihre Kunden weiterleiten.

Melanie Weber-Moritz | Deutscher Mieterbund

Das sei jetzt eine Schätzung, man habe eine weite Spanne von 1,5 bis fünf Cent. Und was man ja auch nicht vergessen dürfe, seien zusätzlich zu dieser Umlage noch die Kosten, die die Versorger direkt an ihre Kunden weiterleiten würden.

Hohe Preissteigerungen für Kundinnen und Kunden

Zahlen genau dazu lieferte Ende vergangener Woche der größte Energieversorger für Dresden und Ostsachsen, Sachsen-Energie: Um sechs bis acht Cent pro Kilowattstunde steigt der Preis für Erdgas im Herbst.

Auch Stadtwerke in Sachsen hatten schon Erhöhungen um rund zehn Cent angekündigt. Und obendrauf soll ab Oktober die Umlage kommen.

Die [kommunalen Unternehmen] werden die ersten sein, die damit konfrontiert werden, dass Rechnungen nicht bezahlt werden.

Ulrich Thomas | CDU-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt

Als große Belastung sieht das der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU im Landtag von Sachsen-Anhalt, Ulrich Thomas. Er hat aber eine andere Gruppe als die Endkunden im Blick: Es gehe auch darum, dass die Rechnungen oft von den Stadtwerken kämen, teilweise von den Wohnungswirtschaften: "Das sind kommunale Gesellschaften. Die werden die ersten sein, die damit konfrontiert werden, dass Rechnungen nicht bezahlt werden."

Denn bei ihnen, also den Versorgern, holen sich die Importfirmen die Gasumlage. Die Versorger wiederum holen sich das Geld zwar bei den Kundinnen und Kunden, müssen es aber erstmal vorstrecken. Das könnten große Versorger vielleicht besser schultern, sagt Thomas. Kommunale Gesellschaften drohten aber, in Schwierigkeiten zu kommen. "Und dann wird sich das natürlich weiter fortziehen", erklärt der CDU-Politiker, "die kommunalen Haushalte werden auseinanderfliegen, weil Krankenhäuser, Kitas, Turnhallen – all das muss ja irgendwo beheizt werden, oft mit Gas."

Viele Menschen haben Existenzängste

Die sozialpolitische Sprecherin der Linken im Thüringer Landtag, Karola Stange, berichtet von Existenzängsten, die viele Menschen in Thüringen hätten – "dass die Wohnung abhandenkommt, dass der Insolvenzverwalter vor der Tür steht, dass es Kündigungen gibt, gerade im Winter."

Sie befürchte noch weitere Effekte, sagt Stande, etwa, "dass es Einbußen gibt auch bei Unternehmen, dass keiner mehr in Gaststätten geht, dass Kleinstunternehmen nicht mehr produzieren, Geschäfte, Einzelunternehmen vielleicht schließen müssen."

Die Höhe der Umlage errechnet sich aus dem Bedarf bei den Importeuren. Einer davon ist RWE – und der gab Ende der Woche an, freiwillig auf das Geld verzichten zu wollen. Denn der Konzern sei gut aufgestellt.

In Ostdeutschland ist VNG der große Gasimporteur. Die Frage, wie groß hier der Bedarf ist und ob es ähnliche Überlegungen gibt, konnte bis Freitag noch nicht beantwortet werden. Auch beim Branchenverband Zukunft Gas hieß es, man wolle sich nicht äußern. Zu viele Fragen seien noch offen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2022 | 06:00 Uhr

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