Wegen ausbleibender Gaslieferungen Uniper zieht gegen Gazprom vor Schiedsgericht

Der vor der Verstaatlichung stehende Düsseldorfer Versorger Uniper will vom russischen Gazprom-Konzern wegen ausbleibender Gaslieferungen Schadenersatz in Milliardenhöhe einklagen. Die Gasersatzkosten belaufen sich nach Angaben von Uniper auf bislang 11,6 Milliarden Euro. Diese Summe werde bis Ende 2024 weiter ansteigen. Ob das Verfahren zustande komme, hänge auch von der Bereitschaft Gazproms ab, erklärte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach.

Der Schriftzug Uniper ist hinter einer Glasfassade zu lesen.
Uniper beantragt ein Schiedsgerichtsverfahren gegen Gazprom wegen der ausbleibenden Gaslieferungen. Bildrechte: dpa

Der strauchelnde Energiekonzern Uniper versucht den russischen Gazprom-Konzern wegen der fehlenden Gaslieferungen in die Verantwortung zu nehmen. Uniper hat ein Schiedsgerichtsverfahren gegen Gazprom Export vor einem internationalen Schiedsgericht beantragt, wie der Konzern am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte.

Ferner kündigte Uniper an, sich von seiner russischen Einheit Unipro zu trennen. Deren Veräußerung war bereits seit anderthalb Jahren geplant. Nach Angaben von Uniper wurde auch ein Käufer gefunden, allerdings steht die Genehmigung der russischen Aufsichtsbehörden noch aus – und deren Ausgang ist ungewiss. Deshalb will Uniper sich rechtlich und personell nun "so weit wie möglich" von der Tochtergesellschaft trennen.

Uniper: 11,6 Milliarden für Ersatzbeschaffung von Gas

Uniper werde die Erstattung des "erheblichen finanziellen Schadens einfordern", sagte Konzernchef Klaus-Dieter Maubach am Mittwoch. Bislang beliefen sich Unipers Kosten für Gasersatzbeschaffung auf 11,6 Milliarden Euro. Diese Summe werde bis Ende 2024 weiter ansteigen. Im Jahr 2025 strebe Uniper wieder schwarze Zahlen an. Das Verfahren solle vor einem internationalen Schiedsgericht in Stockholm stattfinden, sagte Maubach.

Ob es zustande komme, hänge auch von der Bereitschaft Gazproms ab. Beide Seiten müssten sich auf einen Schiedsrichter einigen. Notfalls werde Uniper auch vor Gerichte in Deutschland ziehen. "Wir verfolgen diese Verfahren mit aller gebotenen Härte. Das sind wir unseren Aktionären, unseren Mitarbeitern und den Steuerzahlern schuldig", sagte Maubach.

Der Düsseldorfer Konzern ist wegen des russischen Gas-Lieferstopps in Schieflage geraten, da sich die Gaspreise vervielfacht haben. Das aus Russland fehlende Gas muss das Unternehmen teuer auf dem Gasmarkt kaufen, um eigene Lieferverträge zu noch günstigeren Konditionen zu erfüllen, was zu Liquiditätsproblemen führt. Deswegen hatten sich der Konzern, die deutsche Regierung und Unipers bisheriger Mehrheitsaktionär Fortum aus Finnland im September auf eine Verstaatlichung von Uniper verständigt. Anschließend soll der Bund etwa 98,5 Prozent der Anteile an Uniper besitzen.

dpa, AFP (kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. November 2022 | 15:00 Uhr

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