Deutsche Bahn Lokführer der GDL wollen bereits ab Dienstagabend streiken

Die Lokführer der Gewerkschaft GDL haben sich mit großer Mehrheit der Mitgliederstimmen für einen Streik ausgesprochen. Die Züge sollen bereits ab Dienstagabend stillstehen. Gewerkschaft und Bahn streiten über den Zeitraum der Tariferhöhung. Reisende müssen sich auf massive Einschränkungen im Regional- und Fernverkehr einstellen.

Lokführerstreik Personenzüge und S-Bahnen stehen am 23. April 2015 vor dem Hauptbahnhof in Leipzig (Sachsen).
Die GDL will bereits am Dienstagabend im Güterverkehr und ab der Nacht zu Mittwoch im Personenverkehr streiken. Bildrechte: imago/Sebastian Willnow

Die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wollen streiken. Bei einer Urabstimmung sprachen sich 95 Prozent für einen Streik aus. Der Streik soll bereits am Dienstagabend beginnen, erklärte GDL-Chef Claus Weselsky. Der Streik soll im Güterverkehr am Abend um 19.00 Uhr beginnen. Es folgt ein bundesweiter 48-Stunden-Streik im Personenverkehr und in der Bahn-Infrastruktur vom Mittwoch, 2.00 Uhr, bis Freitag, 2.00 Uhr.

Die Bahn nannte den angekündigten Streik "völlig überzogen". In einer Mitteilung kritisierte sie, dass die GDL entgegen der Ankündigung, den Kunden ausreichend Vorlauf zu lassen, nun sehr kurzfristig zu Streiks aufgerufen habe.

Die Forderungen der GDL und das Angebot der Bahn

In dem Tarifkonflikt hatte die Bahn der Gewerkschaft zuletzt eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent in zwei Schritten sowie weitere Leistungen etwa bei Altersvorsorge und einen Kündigungsschutz angeboten. Die Konfliktparteien liegen derzeit vor allem bei den Punkten Laufzeit und Zeitpunkt auseinander. Die Bahn will 1,5 Prozent mehr ab Januar 2022 zahlen, weitere 1,7 Prozent mehr ab März 2023. Laufen soll dieser Tarifvertrag bis Ende Juni 2024.

Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivfuehrer, GDL.
GDL-Chef Claus Weselsky will keine Nullrunde in 2021 hinnehmen. Bildrechte: imago images / Reiner Zensen

Die GDL fordert hingegen bereits für 2021 1,4 Prozent Lohnerhöhung und eine Corona-Prämie von 600 Euro. GDL-Chef Weselsky hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass seine Gewerkschaft eine Nullrunde im laufenden Jahr nicht akzeptieren wolle. Die GDL fordert eine Einkommenssteigerung von 3,2 Prozent bei 28 Monaten Laufzeit.

Bahn-Streik: Was Reisende jetzt wissen müssen

Die Bahn teilte mit, dass das Unternehmen versuchen werde, die Auswirkungen auf die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten. Dennoch müsse mit Einschränkungen gerechnet werden. Zu einem Notfallplan äußerte sich das Unternehmen noch nicht. Vor sechs Jahren, beim letzten GDL-Lokführer-Streik, war ein solcher Plan erstellt worden, um wenigstens Teile des Betriebs aufrecht zu erhalten. Damit konnte im Fernverkehr etwa ein Drittel der Züge fahren, vor allem auf den Hauptstrecken von West nach Ost sowie von Hamburg nach Süden.

Im Falle eines Streiks können Fahrgäste von geplanten Zugfahrten zurücktreten. Sie bekommen den Fahrpreis erstattet, wenn eine Verspätung von mehr als 60 Minuten zu erwarten ist. Wer eine Fahrt trotzdem antritt, für den gelten die üblichen Entschädigungsregeln: bei 60 Minuten Verspätung gibt es 25 Prozent des Fahrpreises zurück, ab 120 Minuten 50 Prozent.

Im Regionalverkehr und bei S-Bahnen dürfte ein Großteil der Züge ausfallen. Der gestörte Betriebsablauf könnte dann auch bei Konkurrenten der Deutschen Bahn zu Einschränkungen führen.

Die Bahn kündigte an: "Die DB wird sich gegenüber den Fahrgästen maximal kulant zeigen." Weitere Informationen würden folgen, hieß es vom Konzern.

Streit tobt auch zwischen den Gewerkschaften GDL und EVG

Neben dem Streit über Einkommenszuwächse tobt im Konzern ein Machtkampf zwischen der GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die GDL braucht hohe Tarifabschlüsse für möglichst viele Berufsgruppen und Beschäftigte, um künftig zu überleben. Denn die Bahn muss das Tarifeinheitsgesetz umsetzen. In den rund 300 Betrieben des Unternehmens soll danach nur noch der Tarifvertrag der jeweils größeren Gewerkschaft zur Anwendung kommen. Meist ist das die EVG. Die GDL hat angekündigt, der Konkurrenz Mitglieder streitig machen zu wollen.

Claus Weselsky 1 min
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Die EVG hatte bereits im vergangenen Herbst einen Tarifabschluss mit der Bahn unterschrieben. Dieses Jahr gab es eine Nullrunde. Anfang 2022 erhalten die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen.

Der angekündigte Streik der GDL wäre der erste bei der Bahn seit Dezember 2018, als die EVG ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufrief. Weitaus härter verlief der GDL-Streik 2014 und 2015. In acht sich steigernden Wellen legten die Lokführer unter Weselskys Führung die Arbeit nieder und weite Teile des Streckennetzes lahm.

Quelle: MDR, dpa, afp/pad

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. August 2021 | 11:30 Uhr

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