Arbeitskampf GDL kündigt "bisher längsten" Streik an

Reisende müssen erneut mit tagelangen Zugausfällen und Verspätungen rechnen: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat angekündigt, ab Donnerstag 2 Uhr erneut den Personenverkehr bestreiken zu wollen. Der in den aktuellen Tarifverhandlungen dritte Ausstand werde bis Dienstag kommende Woche andauern. Im Güterverkehr sollen die Streiks bereits Mittwoch um 17 Uhr beginnen. Die Bahn kritisierte die Streiks als "überzogen" und fordert eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Eine Reisende sitzt auf ihren Koffern am Bahnhof, auf dem Gleis steht ein ICE mit verschlossenen Türen.
Von den erneuten Streiks der Lokführer werden wieder Hunderttausende Reisende betroffen sein. Bildrechte: dpa

Die Lokführergewerkschaft GDL will den Zugverkehr in den laufenden Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn zum dritten Mal lahmlegen. GDL-Chef Claus Weselky kündigte in Frankfurt/Main an, der Ausstand werde Mittwoch um 17 Uhr im Güterverkehr beginnen. Ab Donnerstag 2 Uhr folge der Personenverkehr. Der Streik solle bis kommenden Dienstag 2 Uhr dauern.

Der Arbeitskampf wird neben Hunderttausenden Pendlern wieder auch zahlreiche Reisende treffen. Die Urlaubssaison läuft noch, in Sachsen und Thüringen enden am Wochenende die Schulferien.

"Bisher längster" Streik im August

"Es ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich", sagte Weselsky. "Wir sehen uns angesichts der Blockadehaltung der DB-Manager nicht bereit und nicht gewillt, hier kürzere Arbeitskampfmaßnahmen durchzuführen." Niemand solle glauben, dass die GDL nicht auch längere Streiks könne, betonte er. Einen unbefristeten Arbeitskampf schloss Weselsky zunächst allerdings aus.

"Unsere Botschaft an die Bahnreisenden ist, dass es uns leid tut, dass wir in einen dritten Arbeitskampf gehen." Empören sollten sich die Reisenden aber nicht über die Gewerkschaft, sondern über das Management der Bahn. Es habe kein neues Tarifangebot vorgelegt.

Bahn nennt Streik "überzogen"

Unterdessen kritisierte die Bahn, der Arbeitskampf sei durch nichts gerechtfertigt. "Der GDL-Spitze geht es ausschließlich darum, ihre Macht auszuweiten – und das zulasten der Reisenden und der Wirtschaft", sagte Personalchef Martin Seiler. Er nannte die angekündigten Streiks überzogen und betonte, dass ein Tarifvertrag in Verhandlungen erzielt werde und sich nicht diktieren lasse.

In Interviews der vergangenen Tage hatte Bahnchef Richard Lutz die Gewerkschaft aufgerufen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dem GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky warf er zugleich vor, mit Falschbehauptungen die Belegschaft zu spalten. Die Worte des Konzernchefs gingen ihm "gelinde gesagt am Steiß vorbei", erwiderte Weselsky am Montag.

Claus Weselsky
GDL-Chef Weselsky lässt zum dritten Mal in diesem Sommer streiken – diesmal fünf Tage und über ein Wochenende. Bildrechte: dpa

Der Fahrgastverband Pro Bahn sagte, die Gewerkschaft schade dem Ruf der Eisenbahn und der angestrebten Verkehrswende. "Es gibt gewisse Rechte im Grundgesetz, aber ich muss damit auch sehr behutsam umgehen", sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins, Karl-Peter Naumann.

Grundangebot an Zügen soll fahren

Die Deutsche Bahn kündigte am Montag an, auch im dritten Streik ein verlässliches Mobilitätsangebot von rund einem Viertel der üblicherweise geplanten Züge im Fernverkehr zu machen. Im Regional- und S-Bahnverkehr soll es demnach erneut ein Grundangebot von 40 Prozent der Züge geben.

Der Konzern teilte mit, wer könne, sollte seine Reise auf die Zeit vor oder nach dem Streik verschieben. Reisende könnten Fahrkarten für den Streikzeitraum flexibel nutzen und ihre Reisen vorziehen oder bis zum 17. September verschieben. Auch eine Erstattung sei möglich.

Tarifstreit mit der Bahn verhärtet

Im Tarifkonflikt gab es seit dem zweiten Streik, der erst Mittwoch vergangene Woche zu Ende gegangen war, keine Annäherung zwischen Bahn-Management und GDL. Der Arbeitskampf des Zugpersonals hatte schon im August zwei Mal für einige Tage große Teile des Fern- und Nahverkehrs lahmgelegt und die Reisepläne von Millionen Fahrgästen durchkreuzt. Auch der Güterverkehr war betroffen.

Die GDL fordert eine Tariferhöhung um 3,2 Prozent und eine Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn ist zu einer Lohnerhöhung in diesem Volumen bereit, aber erst später als von der Gewerkschaft gefordert. Gesprächsbereit ist der Arbeitgeber auch zu einer Corona-Prämie, wenn auch bislang ohne beziffertes Angebot. Streit gibt es außerdem über die anstehende Reform des Betriebsrentensystems.

Quelle: dpa, AFP, Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. August 2021 | 17:30 Uhr

64 Kommentare

Horus vor 13 Wochen

@suedharzer ,jeder Beruf hat sein positives und negatives aus Ihren Beitrag lesen ich nur Verachtung andere Berufsgruppe " Jeder sollte mal den Beruf des anderen " machen keiner würde da klatschen ,und ja selbst die Reinigungskraft im Krankenhaus hat Verantwortung oder würden Sie klatschen in einen verdreckten Krankenzimmer.!

Thommi Tulpe vor 13 Wochen

Es ist sicher schön, dass es Leute gibt, die sich noch Urlaub leisten können, Flieger und Deutsche Bummelbahn nutzen können.
Verständlich auch der Wunsch eines jeden Einzelnen, mehr Geld haben zu wollen.
Mitunter sind diese Forderungen auch mehr als berechtigt - bei Pflegepersonal in Kliniken, der Kassiererin im Supermarkt oder in der Zugbegleitung wäre das gerade in Pandemiezeiten sicher eher einzusehen als bei "am Hungertuch nagenden" Lockführern!?
Jene, die aber keine Arbeit haben, sich in aller Regelmäßigkeit beim Jobcenter "nackig" machen müssen: Diese Menschen können nicht streiken. Und auch diese hätten sicher gern etwas mehr Geld, um besser über die Runden zu kommen.
Vielleicht reiht sich aber auch mal der eine oder andere Lokführer in das Heer der Arbeitslosen ein!? Piloten traf das bereits durch die Pandemie.

Thomas_vergeben vor 13 Wochen

Es gibt keinen "Kampf" EVG vs. GDL, auch wenn das in den Medien gerne so plakativ dargestellt wird.

Aber es gibt neben dem Streikrecht an sich auch eine Tarifpluralität, welche trotz TEG, dessen Verfassungskonformität übrigens noch nicht endverhandelt ist, mehrere Tarifverträge in einem Betrieb zulässt. Im Fall der Fälle gilt dann bei mehreren parallel existierenden TV die Günstigerstellung, nach der dann das jeweils bessere Modell für alle angewendet wird. Insofern haben sogar EVG-Mitglieder und Nichtorganisierte von den letzten Abschlüssen der GDL profitiert.
Das die DB AG ein damit verbundenes Nachverhandeln der EVG nicht so toll findet, ist logisch.

Wenn man auf "Ein Betrieb - ein Tarifvertrag" steht, dann wenden wir diesen in Zukunft auch zwischen Ost und West sowie für das Unwesen "überlassener Arbeitnehmer" an?

Was den Anwurf gegen die Grünen (und andere Parteien) betrifft, hat Politik in Arbeitskämpfen nichts verloren. Die dürfen ihren Senf dazu abgeben, mehr auch nicht.

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