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Derzeit hat Gazprom in Rehden Speicherkapazität gebucht. Mit Gas befüllt ist die Anlage jedoch nicht. Bildrechte: dpa

GasspeicherGesetz soll Gasversorgung sichern – Experten zweifeln

von Sophia Spyropoulos, MDR AKTUELL

Stand: 01. März 2022, 14:09 Uhr

Aktuell sind lediglich 30 Prozent der deutschen Gasspeicher befüllt. Ein Gesetz soll Gasunternehmen künftig zu einer Mindestfüllmenge zwingen. Experten äußern jedoch Bedenken zu dem Vorhaben der Ampel-Regierung.

Was in einen Gasspeicher rein- und wieder rausläuft, reguliert in Deutschland bisher allein die freie Wirtschaft. Wer auch immer Platz im Speicher mietet – er allein entscheidet, ob er ihn auch befüllt, erklärt Sebastian Bleschke, Geschäftsführer bei der Initiative Energien Speichern, kurz INES: "Das heißt, es wird im Voraus Speicherkapazität gebucht, und die Marktakteure schauen eben, ob sie über diese Flexibilität, die sie sich damit letztendlich erkaufen, dann auch tatsächlich Speicherungen abbilden möchten, oder ob sie das nicht tun möchten."

Speicher kaufen und dann leer stehen lassen, das soll in Zukunft aber nicht mehr gehen "und das ist etwas, was sich im Grunde genau gegen den zumindest vermuteten Speichernutzer Gazprom in Rehden richtet. Die haben Kapazität gebucht, aber eben in diesem Winter die Kapazität nicht befüllt, und deswegen ist dieser Speicher leer", erklärt Heiko Lohmann das Vorhaben. Er ist Fachjournalist und war selbst als Berater im Gasmarkt tätig.

Ampel will Mindestfüllstand einführen

Wenn Kunden nicht bis zu einem Mindestfüllstand Gas einspeisen, sollen sie das Recht zur Nutzung verlieren, so steht es in einem Eckpunktepapier der Bundesregierung zum Gesetz. Nachvollziehbar in der aktuellen Situation, sagt Sebastian Bleschke von der INES. Trotzdem sieht er das Gesetzesvorhaben kritisch. Er glaubt, dass das dazu führe, dass die Kunden von vornherein weniger Kapazität kaufen: "Das sehen wir jetzt auch ganz konkret an Gesprächen mit den Speicherkunden, wenn sie den Marktakteuren Vorgaben machen, die nicht wasserdicht sind. Wenn sie Speicherkunden verpflichten, einen Mindestfüllstand vorzugeben, dann produzieren sie in dem Fall ein Verhalten, das kontraproduktiv ist."

Experten befürchten Attraktivitätsproblem

Verliert ein Kunde Speicherkapazität, soll diese laut Eckpunktepapier neu ausgeschrieben werden. Bleschke bezweifelt allerdings, dass sich dafür überhaupt neue Kunden finden: "Man muss natürlich erstmal die Frage stellen: Wenn die Kapazitätsinhaber nicht den Anreiz haben, um einzuspeichern, welcher andere Marktakteur sollte dann in dem Fall einspringen? Denn andere Marktakteure würden ja den gleichen Marktpreissignalen folgen."

Dieselben Bedenken äußert Gasmarktexperte Lohmann: "Es ist ganz eindeutig so, wenn Gazprom ähnlich wenig liefert wie im vergangenen Jahr oder wenn sogar russische Lieferungen ganz ausfallen werden, dann wird es sehr schwierig werden, die Speicher entsprechend zu befüllen. Und auch eine solche gesetzliche Grundlage wird dann auch nur begrenzt helfen, weil dadurch kommt noch kein Gas in die Speicher."

Gas wird teurer

Seine Einschätzung für den kommenden Herbst lautet deshalb: Ob mit oder ohne das Gesetz – Gas werde auf jeden Fall teuer und knapp. Sebastian Bleschke von der INES will dazu keine Prognose wagen und weist nur darauf hin, dass die Gasspeicher in Deutschland derzeit zu knapp 30 Prozent gefüllt seien – für diese Heizperiode sei die Versorgung damit gesichert.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 01. März 2022 | 06:09 Uhr