Hörer machen Programm Wie kann der Güterverkehr klimafreundlicher werden?

Der Güterverkehr auf den Straßen ist in Deutschland für einen großen Anteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. MDR AKTUELL-Hörer Reinhard Riek fragt sich, wie der Güterverkehr klimafreundlicher werden kann. Möglichkeiten wären beispielsweise Lkw, die elektrisch betrieben werden – mit einer Batterie oder über Oberleitungen.

LKW und PKW stehen auf der Autobahn 4 in Richtung Dreieck Nossen im Stau
Ein Großteil der Güter wird in Deutschland durch LKWs transportier. Bildrechte: imago/Robert Michael

70 Prozent des Güterverkehrs werden momentan in Deutschland auf der Straße abgewickelt. Damit ist der Lkw-Verkehr für den übergroßen Anteil der Treibhausgasemissionen im Gütertransport hierzulande verantwortlich. Kurzfristig alles oder nur einen großen Teil auf die Schiene zu verlagern: utopisch.

Verkehrswissenschaftler Professor Arnd Stephan von der TU Dresden ordnet die möglichen klimafreundlicheren Optionen ein: Zum einen könnte der Gütertransport elektrisch mit Batterien laufen, allerdings würde man damit nicht weit kommen. Eine andere Option wären Oberleitungen, die aber wiederum einen sehr großen Infrastrukturaufbau bedeuten würden. "Oder wir können es mit alternativen Kraftstoffen machen, die wir wieder über den Umweg der Elektrotechnik erst erzeugen. Bei allen Themen sind wir aber ganz am Anfang im Moment und nicht so, dass wir das in zehn Jahren in der Fläche sehen", erklärt Stephan.

Versuchsstrecken mit Oberleitungen

Siemens setzt seit 2010 auf den Oberleitungs-Lkw. Pilotprojekte liefen in den USA und in Schweden. Momentan gibt es Versuchsstrecken auf deutschen Autobahnen. Hasso Grünjes, Leiter der Abteilung eHighway bei Siemens Mobility erzählt: "Wie auch bei der Eisenbahn gibt es auf der Straße elektrifizierungswürdige Streckenabschnitte, also Streckenabschnitte, auf denen sich das Transportvolumen und das Transportaufkommen konzentriert. In Deutschland sind es circa 4.000 Kilometer."

Damit könnten rund 60 Prozent des Güterverkehrs auf der Straße elektrisch versorgt werden und die Batterien der Fahrzeuge müssten nicht mehr für lange Strecke ausgelegt sein. Studien hätten gezeigt, dass 89 Prozent der Lkw nur 50 Kilometer außerhalb der Autobahnen fahren.

Multifunktionale Oberleitungsinfrastruktur

Siemens möchte den Blick allerdings nicht auf den Oberleitungs-Lkw verengen. Was es laut Stephan am Ende gibt, ist eine Infrastruktur, die es ermöglicht, Fahrzeuge während der Fahrt mit Strom für das Laden der Batterie, aber auch für den Antrieb zu versorgen. Außerdem: "Es ist nicht ein Wettstreit zwischen einem Oberleitungs-Lkw und anderen Technologien wie Batterien oder Brennstoffzellenfahrzeugen, sondern es gibt diese Oberleitungsinfrastruktur und diese Oberleitungsinfrastruktur eignet sich eben all diese Fahrzeuge mit Strom zu versorgen", erklärt Stephan.

Hybridlösung aus Verbrennern und Batteriebetrieb

Die Schweizer Designwerk Technologies AG setzt dagegen auf reinen Batteriebetrieb. 80 Fahrzeuge in allen möglichen Größen sind bereits auf der Straße unterwegs. Volvos Nutzfahrzeugsparte hat in diesem Jahr 60 Prozent Anteil an der Firma erworben. Deren Schnellladesystem sei dreimal schneller als das von Tesla. CEO Adrian Melliger erzählt: "Unser Konzept ist, dass wir damit die vom Gesetz vorgeschriebenen Pausen der Fahrer nutzen: Dass wir das Fahrzeug dann in dieser Dreiviertelstunde Pause, die gesetzlich vorgeschrieben ist, gleichzeitig als Ladepause nutzen und damit auch wieder genügend Reichweite schaffen."

Das bedeutet, dass auf den in Deutschland ohnehin schon chronisch überbelegten Autobahnrastplätzen für Fernfahrer eine Ladeinfrastruktur aufgebaut werden müsste. Das gilt auch für den innerstädtischen Güterverkehr. Technisch zeichne sich hier eine Hybridlösung aus Verbrennungs- und Elektromotor ab, so Verkehrswissenschaftler Arnd Stephan.

Ein viel größeres Problem sei die Infrastruktur zum Laden der Batterien: "Die große Herausforderung ist, die elektrischen Netze in den Städten so zu verstärken, dass dieser zusätzliche Verkehr auch tatsächlich liefern kann", sagt Stephan. Noch ist die Frage offen, welche Technik sich wann durchsetzen wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. November 2021 | 08:25 Uhr

10 Kommentare

part vor 47 Wochen

Und schon wieder sind wir beim Energieerhaltungssatz, der durch noch mehr LKW auf der Straße nicht positiver ausfällt, auch wenn hier durch Externalisierung bei uns Umweltschutz vorgegaukelt wird, der in anderen Ländern zu Kinderarbeit und Umweltgaus und Regime Change sorgt. Die Mobilität auf der Schiene sollte in den Focus rücken, verbunden mit der Rückführung des Eisenbahnnetzes in die Hand des Staates und einer Beendigung der Kleinstaaterei bei den Bahnanbietern. Alle staatlichen Aufgaben, die die Koalitionen der letzten Jahrzehnte privatisiert haben fallen heute schlechter aus als damals, denn Konzerne können keine Daseinsfürsorge übernehmen. Viele Unternehmen besitzen heute noch einen Gleisanschluss, der reaktiviert werden kann und ich bin mir sicher, dass ein Kilometer Schiene weniger kostet als ein Kilometer Autobahn in der Herstellung und im Erhalt.

AlexLeipzig vor 47 Wochen

Wikreuz, Ihr Beispiel aus Leipzig stimmt nicht: erstens wurde die Tram nach Markkleeberg noch vor der Beteiligung der Grünen stillgelegt, und zweitens nicht aus dem Grund, einen Bus fahren zu lassen, sondern weil die neue S-Bahn nun nach Markkleeberg fährt!

Leachim-21 vor 47 Wochen

zu den Thema gibt es doch eigentlich schon Vorschläge Sie müssen nur umgesetzt werden. Güterverkehr sofort auf die Schinde und Binnenschifffahrt so wie es auch die Politik einmal gefordert hat. warum wird es nicht umgesetzt.

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