Ukraine-Krieg Habeck: Deutschland braucht noch zwei Jahre russisches Gas

Deutschland sperrt sich weiter gegen ein schnelles Energie-Embargo gegen Russland. Nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist Deutschland noch zwei Jahre auf russisches Gas angewiesen. Besser sieht es bei Kohle und Öl aus. Für mehr Sicherheit in der Gasversorgung soll ein Gesetz zu Mindestfüllmengen der Gasspeicher sorgen.

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck Bildrechte: dpa

Deutschland braucht noch über zwei Jahre russisches Gas. Das teilte Wirtschaftsminister Robert Habeck mit und lehnte Forderungen mehrerer EU-Länder nach einem schnellen Embargo ab. "Noch wären die ökonomischen und sozialen Folgen zu gravierend", sagte der Grünen-Politiker. Man rechne damit, dass man sich bis Sommer 2024 bis auf wenige Anteile unabhängig von russischem Gas machen könne.

Bis Jahresende unabhängig bei Kohle und Öl

Habeck betonte, Deutschland reduziere seine Abhängigkeit von russischen Energieimporten dennoch "mit hohem Tempo". Mitte des Jahres "werden die russischen Ölimporte nach Deutschland voraussichtlich halbiert sein". Zum Jahresende werde angestrebt, "nahezu unabhängig" von russischem Öl zu sein. "Unternehmen lassen Verträge mit russischen Lieferanten auslaufen, verlängern sie nicht und stellen auf andere Lieferanten um. Und das in einem Wahnsinns-Tempo".

Bei Kohlelieferungen sinke die Abhängigkeit von Russland in den nächsten Wochen von 50 auf rund 25 Prozent. Bis zum Frühsommer werde ein Großteil der Betreiber gänzlich auf russische Steinkohle verzichtet haben: "Bis zum Herbst können wir insgesamt unabhängig von russischer Steinkohle werden."

Habeck: Abschied von russischem Gas nur mit gemeinsamem Kraftakt

Auch beim Gas gebe es Fortschritte. Der Anteil russischer Importe sei von 55 auf 40 Prozent gesunken. Der gesamte Prozess sei aber "anspruchsvoll". Den werde Deutschland "nur mit einem gemeinsamen Kraftakt schaffen – Bund, Länder, Kommunen, Unternehmen und private Haushalte zusammen."

Voraussetzungen seien ein starker Ausbau der erneuerbaren Energien, eine konsequente Senkung des Verbrauchs, eine Diversifizierung der Lieferanten und mehr Wasserstoff: "Jede Anstrengung, jede eingesparte Kilowattstunde hilft ebenfalls und schadet Putin."

Jede Anstrengung, jede eingesparte Kilowattstunde hilft ebenfalls und schadet Putin.

Robert Habeck

Bundestag beschließt Gesetz zu Gasspeichern

Der Bundestag beschloss zudem am Freitag ein Gesetz zur Sicherstellung der Gasversorgung. Demnach müssen Gasspeicher in Deutschland jeweils zum 1. Oktober zu 80 Prozent und zum 1. November zu 90 Prozent befüllt sein. Zum 1. Februar des darauf folgenden Jahres gilt eine Mindestfüllmenge von 40 Prozent. Für das Gesetz stimmten neben den Regierungsfraktionen auch Union und Linkspartei. Die AfD enthielt sich.

Das Gesetz ist befristet bis April 2025. Deutschland verfügt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums mit 24 Milliarden Kubikmetern über das mit Abstand größte Speichervolumen für Erdgas in Mittel- und Westeuropa. In diesem Winter erreichten die Füllstände jedoch Tiefstwerte. Vor allem die vom russischen Gazprom-Konzern belieferten Speicher waren vor Wintereinbruch nicht ausreichend befüllt.

Dem Staatskonzern wurde damals vorgeworfen, dadurch eine vorzeitige Freigabe der Ostseepipeline Nord Stream 2 erreichen zu wollen. Der Branchenverband INES verwies jedoch auch darauf, dass im Sommer 2021 wegen schon damals hoher Preise allgemein weniger Gas gekauft worden sei.

USA liefern mehr Flüssiggas nach Europa

Die USA wollen deutlich mehr Flüssiggas nach Europa liefern als bisher geplant. Wie aus einem gemeinsamen Dokument der US-Regierung und der EU-Kommission hervorgeht, soll Europa schon in diesem Jahr mehr als 15 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas zusätzlich erhalten. Im Jahr 2020 hatte die EU 22,5 Milliarden Kubikmeter aus den USA erhalten. Größter Lieferant war Katar mit 27 Milliarden Kubikmeter.

dpa/afp/reuters/epd/(dko)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. März 2022 | 10:30 Uhr

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