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Auch Handwerksberufe die sich mit Klimatechnik befassen, beklagen Personalmangel und zu wenig Azubis. Bildrechte: dpa

Keine AzubisDie Kluft zwischen Klimaschutz und Handwerk

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Stand: 12. September 2022, 15:06 Uhr

Zum Klimaschutz gehört auch nachhaltiges Handwerk. In jeder Branche werden Auszubildende gesucht – doch die würden lieber protestieren, als einen klimatechnischen Beruf zu ergreifen, kritisieren Handwerkskammern. Wieso junge Klimaschützende und das Handwerk schwer zusammenkommen.

Bei Peter Klick kann man Klimaschutz ganz praktisch erlernen. Klick ist Ausbildungsleiter bei der Elektro-, Bau- und Anlagentechnik GmbH in Leipzig. Die Firma installiert Solaranlagen, errichtet Ladesäulen und vernetzt Häuser.

Man könnte annehmen, dass die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bei jungen Klimaschützern gefragt ist. Doch das Gegenteil stimme, sagt Ausbildungsleiter Klick: "Es ist unheimlich schwierig, Lehrlinge zu finden, die tatsächlich den Beruf auch weiter ausüben wollen und zu Ende erlernen wollen. Wir sind gesegnet derzeit mit acht Lehrlingen, das ist wahrscheinlich überdurchschnittlich. Aber es ist nicht so, dass wir die Hälfte der Lehrlinge auswählen oder ablehnen können. Wir geben eigentlich jedem eine Chance."

Zwölf freie Handwerkslehrstellen auf einen Azubi

MDR AKTUELL hat von der Arbeitsagentur Sachsen heraussuchen lassen, wie die Lehrstellensituation generell in Berufen ist, die für die Energiewende wichtig sind.

Demnach waren Ende August, vor Beginn des neuen Lehrjahrs, in der Energietechnik noch 340 Lehrstellen unbesetzt. Denen standen aber nur noch 46 unversorgte Bewerber gegenüber. In anderen Berufen sei die Lage ähnlich, sagt Agentur-Sprecher Frank Vollgold: "Auch im Bereich der Klempnerei, der Heiz- und Klimatechnik haben wir 200 mehr freie Lehrstellen als noch suchende junge Menschen. Und jedem jungen Menschen stehen in diesen Ausbildungsberufen noch zwölf freie Lehrstellen gegenüber."

Nun ist Lehrlingssuche immer schwierig. Doch das Missverhältnis zwischen Bewerbern und offenen Stellen ist in Handwerksberufen mit Energiewende-Bezug besonders deutlich.

Klimaschützende und Handwerk kommen nicht zusammen

Warum wollen nicht mehr junge Menschen ganz praktisch etwas für den Klimaschutz tun? Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig Volker Lux kann darüber nur spekulieren: "Vielleicht liegt es auch daran, dass protestieren manchmal leichter ist als installieren. Zum Installieren muss man nämlich eine Ausbildung machen. Und die ist tatsächlich anspruchsvoll. Wenn ich mir gerade die Berufe angucke, die sich mit Elektronik, mit Geothermie und Heizung und Lüftung beschäftigen, da sind wir schon darauf angewiesen, wirklich starke Absolventen der Schulen zu bekommen."

Im Spätsommer versuchte das Handwerk mit einer Kampagne zu locken. "Fürs Klima auf die Straße, aber nicht ins Handwerk?", fragten große Plakate. Bei Twitter gab es Spott. Die Klimaschützer und das konservativ geprägte Handwerk finden einfach nicht zusammen.

Handwerksberufe nicht attraktiv genug

Wenn man sich Aussagen mancher Kammer zur Klimapolitik anschaut, ist das vielleicht auch nicht überraschend. Ole Horn aus Halle ist Sprecher von Fridays for Future. Er sagt, viele Klimaschützer machten Abitur. Anschließend werde ihnen empfohlen, zu studieren. Viele hätten Handwerk gar nicht auf dem Schirm.

Horn sagt außerdem:"Der zweite Aspekt ist, dass auch durch die gesellschaftliche Kommunikation die Berufe als sehr unattraktiv wahrgenommen werden. Zum einen durch Arbeitsbedingungen, aber auch durch die finanziellen Aspekte und die enorme Belastung, die damit einhergeht. Und da greife ich natürlich eher zu einem Beruf, der gesellschaftlich akzeptiert ist, der in der Kommunikation erstrebenswert ist." Ole Horn findet, die Klimaberufe müssten attraktiver werden.

Handelskammerchef: Gymnasien lehnen Handwerk ab

Kammerchef Lux betont, bei der Entlohnung habe sich in den vergangenen Jahren viel getan. Seine Berufsberater versuchten, das auch an Abiturienten heranzutragen. Doch bei vielen Gymnasien scheiterten sie schon am Schultor. Die Direktoren würden sie nicht hereinlassen mit der Begründung: Das Gymnasium bilde fürs Studium aus und nicht fürs Handwerk.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 12. September 2022 | 06:00 Uhr