Heizen mit Holz Brennholz-Boom durch Energiekrise

Die Heizkosten steigen und viele Verbraucher sorgen sich, dass Gas und Öl knapp werden. Eine Alternative: Heizen mit Holz. Die Nachfrage nach Brennholz ist sprunghaft gestiegen. Welche Folgen hat das für den Preis und wo bekommt man noch Holz?

Ein wohlsortierter Holzstapel
Brennholz ist das neue Klopapier: Mancher Kaminbesitzer hamstert für die Heizsaison. Bildrechte: dpa

Experte: Markt für Kamine überhitzt

Kamine und Holzöfen erfreuen sich großer Beliebtheit. Als "Cocooning“ wurde der Trend während der Corona-Lockdowns bekannt. Wer konnte, nutzte die Zeit, es sich zuhause gemütlich zu machen und ließ mit einem Kamin romantisch-gemütliche Wärme einziehen. Nun mit der Energiekrise sind Einzelraumfeuerstätten, so der Fachjargon, begehrt, weil viele im Heizen mit Holz eine günstige Alternative sehen.

Allein bei den Kaminöfen verzeichnete die Branche 2021 ein Plus von über 14 Prozent, heißt es beim Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik e.V. (HKI). Der Markt sei überhitzt. Viele Betriebe kämen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Doch die höhere Nachfrage spiegelt nicht nur die steigenden Energiepreise. Vielen Käufern geht es schlicht darum, ihre Energieversorgung zu sichern – unabhängig von Gas, Öl und Strom. “Brennholz zählt zu den regenerativen Energien, ist regional verfügbar und macht unabhängig von importierten Energien wie Erdgas und Öl sowie geopolitischen Ereignissen“, erläutert Thomas Schnabel vom Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik e.V. (HKI). "Gerade heute sind sie für viele Bürger der Rettungsanker und das Back-Up in der Wärmeversorgung.“

Lieferengpässe bei Brennholz

Im Handel mit Brennholz herrscht Hochkonjunktur. Auch Christian Laub aus Glauchau hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Als zertifizierter Brennholz-Händler beliefert er den Raum Sachsen und Thüringen: "Die Nachfrage ist dreimal so hoch wie sonst."

Besonders gefragt sei trockene Buche, so Laub: "Die ist bei uns aber jetzt ausverkauft und erst wieder verfügbar, wenn die neue Holzeinschlagssaison im November, Dezember losgeht.“

Eigentlich bestellen Stammkunden bei Christian Laub erst im August. Ausgeliefert wird dann im September. In diesem Jahr ist einiges anders: "Es ist so viel Neukundschaft dazu gekommen, dass wir zu tun haben, unsere Bestandskunden zu bedienen, die uns seit Jahrzehnten die Treue halten.“ So wie ihm gehe es den meisten Kamin- und Brennholzhändlern. "Wir haben unseren Online-Shop jetzt erst einmal geschlossen, weil wir für die nächsten drei Monate ausgebucht sind.“  Was er an Stammholz noch auf Lager hat und verarbeitet, ist alles schon bestellt. "Ich würde sagen noch zwei Monate. Dann ist erst einmal Schluss.“

Kurzfristig ist nicht mit Nachschub zu rechnen. Zwar beginnt ab August die neue Holzeinschlagsaison. Das neue Laubholz wird aber erst im Herbst zur so genannten Saftruhe geschlagen. Auch die neuen Holzabnahmeverträge sind noch nicht geschlossen, erklärt Christian Laub: "Erst dann sehe ich, was ich noch an Holz bekomme. Das ist für die Holzeinschlagsaison und dann für nächstes Jahr.“

Preise für Brennholz steigen

Für Brennholz-Händler hat die hohe Nachfrage einen positiven Effekt. Sie können endlich wieder kostendeckend verkaufen. Darüber freut sich auch Christian Laub aus Glauchau: "In den letzten Jahren wurde viel gefeilscht. Es ging es nur die Frage: Können Sie nicht noch was am Preis machen? Das fragt jetzt keiner mehr. Die Kunden wollen nur noch wissen, ob wir liefern können. Es ist so, dass wir ordentlich davon leben können. Aber es können auch wieder andere Zeiten kommen.“

Laut statistischem Bundesamt sind die Erzeugerpreise bei Produkten des Holzeinschlags deutlich gestiegen. Im Mai stieg der Index um über 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Grundlage sind Daten aus den Staatsforsten.

Händler berichten, dass die Preise weiter steigen könnten, wenn das neue Holz für die nächste Saison kommt, denn die Förster hätten schon angekündigt, dass Brennholz im Einkauf teurer werden wird. Dann müsse auch er die Preise weiter anziehen, prognostiziert der sächsische Kamin- und Brennholzhändler Christian Laub: "Wir haben unsere Preise um 20 Euro pro Schüttraummeter angehoben. Das sind circa 20 Prozent. Ich habe aber auch schon gehört, dass Händler in Berlin oder Hamburg bis auf 190 Euro pro Schüttraummeter hoch gegangen sind – also fast das Doppelte.“

Holzpreis regional verschieden

Die Preise beim Brennholz variieren regional, bestätigt Klaus Egly, Vorsitzender des Bundesverbands Brennholzhandel und Brennholzproduktion e.V. (BuVBB). Denn Holz werde in der Region produziert, verarbeitet und gekauft. Das ist ein großes Plus in der Umweltbilanz von Holz. In Thüringen werden zum Beispiel über 70 Prozent des eingeschlagenen Holzes im Umkreis von 100 Kilometern verarbeitet, heißt es beim Landesbetriebt Thüringenforst. Das spare lange CO2-intensive Transportwege.

Im Speckgürtel großer Städte sei Holz teurer als im ländlichen Raum. Das bestätigen auch Forstämter auf Nachfrage. Laut Thüringenforst sind zum Beispiel die Preise rund um die Landeshauptstadt Erfurt wegen der starken Nachfrage hoch. Der Brennholzkauf im dortigen Umland könne spürbar günstiger sein.

Vorsicht vor betrügerischen Online-Shops!

Der Verband BuVBB warnt davor, Holz aus dubiosen Quellen oder zu Dumpingpreisen zu kaufen. Die hohe Nachfrage hätte Betrüger auf den Plan gerufen. Sie kopierten dreist Websites etablierter Händler und lockten mit vermeintlichen Schnäppchen. Verbandschef Klaus Egly rät, nur bei seriösen Händlern zu bestellen. Der Verband führt online eine Liste geprüfter Mitgliedsbetriebe. Diese böten eine Gewähr für korrekte Abwicklung.

Liste der Mitgliedsbetriebe des des Bundesverbands Brennholzhandel und Brennholzproduktion e.V. (BuVBB): hier

Buchenbaum steht auf einer Sommerwiese
Buchenholz ist wegen seines hohen Heizwertes besonders gegehrt, aber auch vergleichsweise teuer und knapp. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Forstämter als günstige Alternative

Auch die Forstämter berichten über eine zunehmende Nachfrage und höhere Preise. So heißt es beim Landesbetrieb Thüringenforst, die Nachfrage nach Brennholz sei im letzten Jahr sprunghaft angestiegen und reiße nicht ab. Durch den deutlich spürbaren Boom seien auch die Preise im Vergleich zum Vorjahr bereits angestiegen und werden in Richtung Herbst/Winter saisonbedingt noch weiter klettern.

Ähnlich ist die Lage in Sachsen. Laut Sachsenforst kostet ein Raummeter Laubholz derzeit etwa 35 Euro, ein Raummeter Nadelholz ungefähr 25 Euro.

Beim Landesbetrieb Thüringenforst kostet der Raummeter Brennholz derzeit 25 Euro für Laubholz und 15 Euro für Nadelholz als Selbstwerbesortiment.

Raummeter bezeichnet einen Kubikmeter Holz einschließlich der durch das Stapeln enthaltenen Leerräume.

Tipps für den Kauf von Brenn- und Kaminholz direkt beim Forstamt

Wer selbst Holz selbst werben, also sägen, möchte, sollte sich direkt an die Forstreviere in der Nähe wenden. Das raten die Landesbetriebe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dies sei die günstigste Variante, um Brennholz zu kaufen.

Dabei liegen Stämme und Äste noch im Wald und müssen vom Käufer selbst klein geschnitten werden. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende technische Ausstattung, z.B. PKW-Anhänger und gegebenenfalls ein Allrad-PKW. Zudem muss passende Schutzkleidung getragen werden und Kenntnisse im Umgang mit einer Motorkettensäge müssen nachgewiesen werden. Einen gültigen Motorkettensägeschein (MKS-Schein) erhält man durch die Teilnahme an einem Kurs. Diesen bieten viele Forstämter in Mitteldeutschland an.

Motorkettensägenschein machen? Hier geht es:

In einem Waldstück liegt ein Forsthelm, Helm mit Gehörschutz und Visier neben Handschuhen auf dem Waldboden, im Hintergrund ist eine Kettensäge zu sehen.
Wer selbst im Wald vergleichsweise günstig Holz werben, also sägen, will, braucht die nötige Schutzausrüstung. Bildrechte: IMAGO / Fotostand

Wer nicht selbst die Kettensäge anwerfen möchte, kann sich das Holz auch fertig gerückt an gut befahrbaren Waldwegen bereitstellen lassen.

Für welche der beiden Varianten man sich auch entscheidet, die sogenannte “Brennholzselbstwerbung“ oder "Brennholz frei Waldstraße“, in jedem Fall sollte man nicht allein im Wald Holz schlagen, sondern sich vorher im Revier melden. “Denn die Kolleginnen und Kollegen in den Forstbezirken können direkt Auskunft geben, ob, wie viel und wo im sächsischen Staatswald in ihrem Zuständigkeitsbereich Brennholz erworben werden kann. Ebenso legen die Forstbezirke auch die Brennholzpreise, in Abhängigkeit von der aktuellen lokalen Situation, eigenständig fest“, so der Rat des Landesbetriebes Sachsenforst.

Links zu Ansprechpartnern in Revieren hier:

Sachsen-Anhalt

Baumstämme liegen gestapelt in einem Wald
Fichtenholz ist wegen der höheren Anfälligkeit für Borkenkäfer derzeit leichter zu bekommen als andere Holzsorten. Bildrechte: Colourbox.de

Abschließend raten die Landesbetriebe, dass Kunden aktuell nicht nur eine Baumart als Brennholz in Betracht ziehen sollten. "Derzeit ist die Fichte als Borkenkäferholz günstig als Brennholz zu kaufen“, heißt es bei Thüringenforst. “Gemischte Brennholzsortimente (Laub/Nadelholz) sind für den kostenbewussten Kunden ein finanzieller Kompromiss. Mengenseitig ist jedoch eindeutig die Fichte besser verfügbar und daher eher in Betracht zu ziehen."

MDR-Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 26. Juli 2022 | 20:15 Uhr

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