Lebenshaltung Steigende Preise für Strom, Heizung und Essen machen Probleme

Heizöl, Benzin, Strom, Lebensmittel – in vielen Bereichen müssen die Menschen in Deutschland im Moment deutlich mehr bezahlen als noch vor einem Jahr. Die Verbraucherpreise sind in einem Jahr um mehr als vier Prozent gestiegen, die Inflation ist so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Das macht gerade Menschen mit wenig Geld zu schaffen. Sozialverbände warnen vor großen Problemen in den kommenden Monaten.

Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung.
Strom, Heizen, Sprit und Lebensmittel werden teuer – das merken auch die Verbraucher. Bildrechte: dpa

Die letzten Klientinnen kommen gerade raus, da bittet Petra Geicke in ihr Büro im Leipziger Westen. Hier beraten sie und ihre Kollegen für das Rote Kreuz Menschen mit finanziellen Problemen, mit Schulden – um die 50 in der Woche, schätzt Geicke. Merklich mehr geworden seien es aber zuletzt nicht. "Also das ist kontinuierlich seit Jahren gestiegen, dass Menschen Probleme haben mit den höheren Preisen, die ja auch seit Jahren steigen. Das merken wir schon. Und es bleibt den meisten eigentlich immer weniger Spielraum."

Sparen bei gesunder Ernährung

Gerade die Zahl der Menschen, die arbeiten, aber trotzdem zu wenig zum Leben haben, sei in den letzten Jahren immer mehr gestiegen. An einem runden Tisch in der Ecke ihres Büros macht Geicke Haushaltspläne mit ihnen und gibt Tipps, wo noch eingespart werden kann. Viele klagten über hohe Spritkosen und Lebensmittelpreise: "Aber viele verzichten dann halt auch auf gesunde Ernährung. Es gibt Billiglebensmittel, aber davon wird man nicht unbedingt gesund. Man wird eventuell satt."

Hohe Nachzahlungen bei Nebenkosten-Abrechnung

Gerade was das Thema Heizen und Strom angeht, werden die Preissteigerungen sich aber erst in einigen Monaten bemerkbar machen, teilen mehrere Sozialverbände wie AWO, Diakonie und Caritas auf Nachfrage von MDR AKTUELL mit. Nämlich dann, wenn die Rechnungen im Briefkasten landen, sagt auch Ralph Beckert, der Landesgeschäftsführer des Sozialverbands VdK in Sachsen: "Also im Moment können wir feststellen, dass in den Beratungsnachfragen zunehmend Unsicherheit herrscht, wie sich das auswirkt, die hohen Kosten. Die Heiz- und Stromkosten schlagen ja in der Regel erst etwas verspätet mit den Nebenkostenabrechnungen zu Buche."

Der VdK will deshalb zunächst eine Einmalzahlung, um akute finanzielle Nöte zu überbrücken. Die neue Bundesregierung müsse aber auch dauerhaft die Sozialleistungen erhöhen, fordert VdK-Präsidentin Verena Bentele: "Es braucht jetzt eine Erhöhung der Hartz-VI-Regelsätze, damit die hohen Energiekosten und Lebensmittelpreise, die steigend sind, gedeckt sind."

VdK: Hartz-IV-Erhöhung zu gering

Bislang ist eine Erhöhung um drei Euro zum Jahreswechsel geplant. Das sei weniger als ein Prozent und reiche bei weitem nicht aus, kritisiert auch der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer: "Allein dieser Vergleich – weniger als ein Prozent Anstieg bei den Versorgungsleistungen, aber Preissteigerungsraten von um vier Prozent – zeigt die Schieflage. Für alle, die niedrige Einkommen beziehen, Hartz IV, Rentner, Kinder aus Single-Haushalten oder Familien mit niedrigen Einkommen, für die ist das, was wir im Moment erleben, schon dramatisch. Das Geld ist alle bevor, der Monat zu Ende ist."

Bauer fordert mindestens 100 Euro mehr Grundsicherung im Monat, um den steigenden Preisen zu begegnen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Oktober 2021 | 06:05 Uhr

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