Heizungswechsel Heizungsbauer verzeichnen Rekordnachfrage: Kunden wollen weg von Öl und Gas

Aufgrund der steigenden Energiepreise wollen viele Hausbesitzerinnen und -besitzer ihre Heizung wechseln und auf energiesparendere Varianten setzen. Die Nachfrage nach einem Heizungswechsel ist so stark gestiegen wie noch nie, doch die Heizungsbauer stoßen aufgrund von Lieferproblemen und Fachkräftemangel an ihre Grenzen.

Heizungsbaumeister tauscht defekten Sensor aus
Da die Energiepreise steigen, wollen viele Deutsche auf günstigere Alternativen umsteigen. Bildrechte: IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Viele Kundinnen und Kunden muss Hendrik Haase zurzeit vertrösten. Unter anderem, weil die Auftragsbücher einfach zu voll seien, sagt der Projektleiter der Firma Sanitär Haase in Chemnitz. Wer heute bei ihm einen Heizungstausch in Auftrag gibt, muss bis Herbst warten. "Seit dem Beginn der Ukraine- und Energiekrise hat nochmal ein deutliches Umdenken bei den Verbrauchern stattgefunden, was dem Ganzen einen zusätzlichen Schub gegeben hat. Wobei auch trotzdem deutlich erkennbar ist, dass der Austausch von Heizungen gegen alternative Energieträger eine immer höhere Präferenz einnimmt", sagt Haase.

Ähnlich ist es bei Wolfgang Borz, der eine Heiztechnikfirma im thüringischen Klosterlausnitz führt: "Unsere Kollegen haben zurzeit mit sehr vielen Anfragen von Kunden zu tun, die ihre Heizungsanlage erneuern wollen. Dort soll das modernste und energiesparendste zum Einsatz kommen. Damit haben wir eine immense Beratungsarbeit zu leisten."

Steigende Nachfrage nach Wärmepumpen

Bundesweit verzeichnen die Heizungsbauer zurzeit eine Rekordauslastung. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), die MDR AKTUELL exklusiv vorliegt. Im Schnitt sind die Firmen der Branche für die nächsten knapp 18 Wochen ausgelastet. So stark wie noch nie. Der Verband teilt schriftlich mit: "Danach hat sich über Jahresfrist die Auftragsreichweite im deutschen Sanitär Heizung Klima Handwerk von 14,5 Wochen im Frühjahr 2021 auf 17,9 Wochen im Frühjahr 2022 um 23,4 Prozent erhöht. Die Ursachen liegen natürlich in den Bereichen Ukraine-Krieg, Energiepreisentwicklung oder Inflation."

Schon in den vergangenen beiden Corona-Jahren zeigte sich diese Entwicklung. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz der deutschen Heizungsbauer nach Verbandsangaben um 5,4 Prozent. Doch seit Russland in die Ukraine einmarschiert ist, gehe die Nachfrage durch die Decke, berichten viele Heizungsbauer. Heizungen mit fossilen Brennstoffen will niemand mehr, gefragt seien vor allem Wärmepumpen. Diese nutzen Energie aus der Umwelt und wandeln sie in Wärme um.

Lieferprobleme und Fachkräftemangel

Doch bei der hohen Nachfrage kommen auch die Hersteller an ihre Grenzen. Auch das zeigt die Konjunkturumfrage des Verbands: 94 Prozent der Heizungsbauerfirmen berichten demnach über Lieferprobleme. Das Liefern einer Heizungsanlage könne bis zu neun Monate dauern, sagt Heizungsbauer Hendrik Haase.

Wolfgang Borz, der auch Innungsmeister des Thüringer Dachverbandes Sanitär Heizung Klima ist, bestätigt das: "Auch hier sind bestimmte Sachen, die man nicht ad hoc zur Verfügung hat. Da gibt es bestimmte Hersteller, die uns Lieferungen nicht komplett zur Verfügung stellen können, damit man am Ende so eine Umstellung hinbekommt."

Hinzukommt der Fachkräftemangel. Laut Konjunkturumfrage berichten zurzeit 68 Prozent der Heizungsbauer über offene Stellen. Acht Prozentpunkte mehr als im letzten Frühjahr. In keiner früheren Umfrage, so heißt es vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima, seien mehr offene Stellen gemeldet worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. April 2022 | 06:00 Uhr

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