Geldmarkt Sparkassen: Keine größeren Ausfälle durch Corona-Pandemie

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Die sächsischen Sparkassen blicken trotz Corona-Krise recht positiv in die Zukunft. Der Chef der Sparkasse Mittelsachsen, Schramm, sagte MDR AKTUELL, im Moment könne man keine größeren Ausfälle in Folge der Corona-Pandemie erkennen. Die Hilfen für Unternehmen würden greifen. Man fürchte aber Spätfolgen.

ImmobilienCenter der Sparkasse
Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die mitteldeutschen Sparkassen? Bildrechte: imago images / Future Image

Die Sparkassen schreiben sich selbst das Image zu, klein und sympathisch zu sein, mit Filialen vor Ort und deshalb nah beim Kunden. Doch wer klein ist, den kann ein Sturm wie die Corona-Krise auch leichter umhauen. Hans Ferdinand Schramm, Chef der Sparkasse Mittelsachsen, sieht die Zukunft trotzdem nicht allzu düster.

"Keine größeren Ausfälle in Folge der Corona-Pandemie"

Seine Firmenkunden würden Kredite weiterhin begleichen, so Schramm: "Wir können im Moment keine größeren Ausfälle in Folge der Corona-Pandemie erkennen. Die Hilfen greifen, die Wirtschaft zeigt sich in unserer Region relativ stabil. Wir fürchten aber, dass Spätfolgen eintreten können im Zuge der Ketten und Verknüpfungen der Wirtschaft, die wir heute noch gar nicht überschauen."

Tatsächlich retten Staatshilfen derzeit tausende Firmen vor der Pleite, vor allem viele kleine Firmen aus Gastronomie, Tourismus und Handel. Doch irgendwann laufen diese Hilfen aus. Und dann könnte es doch noch zu Pleiten kommen, sagt der Präsident des Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp.

Kleine Unternehmen, kleine Banken

In der Folge bekämen auch die Sparkassen ein Problem. Reint Gropp erklärt weiter: "Überwiegend kleine Unternehmen bekommen ihre Kredite überwiegend von kleinen Banken oder Sparkassen oder Volksbanken und nicht von großen Banken. Das heißt, Banken, die besonders viele Kredite vergeben an diese kleinen Unternehmen, sind dann am Ende auch besonders betroffen und das sind in Deutschland eben überwiegend Volksbanken und Sparkassen."

Hält die Krise an, sagt Gropp, könnten für die Sparkassen tatsächlich Staatshilfen oder Fusionen nötig werden. Von allen Kreditinstituten seien sie besonders bedroht.

Präsident Ostdeutscher Sparkassen sieht das anders

Beim Ostdeutschen Sparkassenverband weist Präsident Michael Ermrich das allerdings zurück. "Also das, was dort gesagt wird vom Institut, können wir in keinster Weise feststellen und sind auch davon überzeugt, dass es nicht so ist. Natürlich rechnen alle damit, dass sich möglicherweise im zweiten Halbjahr nächsten Jahres bestimmte Insolvenzen zeigen werden. Aber nicht so, dass wir in Gefahr kommen. Dafür haben wir Vorsorge gesichert."

Ermrich verweist auf die gesunde Kapitalausstattung der Sparkassen. Außerdem hätten sie ihre Risiken breit gestreut. Ermrich sieht auch nicht die Notwendigkeit von Filialschließungen durch die Krise. Und auch Hans Ferdinand Schramm von der Sparkasse Mittelsachsen sagt, man habe vor einem Jahr viele Filialen schließen müssen. Der Prozess sei abgeschlossen.

Keine Fusion von Sparkassen

Eine Fusion mit der im selben Landkreis liegenden Sparkasse Döbeln, hält Schramm für unnötig: "Der Weg sollte eigentlich nicht darin liegen, dass wir Sparkassen zusammen fusionieren und Leistungen immer weiter einschränken, sondern der Königsweg müsste doch sein, dass wir politische Wege suchen, um aus der Notenbankpolitik rauszugelangen, die diese Kuriosität des Minuszinses und der Bestrafung von Sparern abschaffen."

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, sagt Schramm, mache den Sparkassen mehr Probleme als die Corona-Krise. Wirtschaftsforscher Gropp rät den Sparkassen dennoch, mehr Rücklagen zu bilden, anstatt die Gewinne an die Kommunen auszuschütten. Falls die Pleitewelle doch kommt. Noch sei Zeit, sich darauf vorzubereiten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Dezember 2020 | 07:21 Uhr

1 Kommentar

ElBuffo vor 40 Wochen

Das laute Pfeifen im Walde. Noch ballert der Staat Milliarden raus, damit Vermieter nur ja keinen Cent ihrer Rendite einbüßen. Das Ende deutet sich trotz des Märchenhaushalts vom Finanzminister ab. Und dann sind nicht nur die Firmen pleite, sondern auch die Gewerbeimmobilien plötzlich weniger wert. Und die hat die Sparkasse vielleicht auch gleich noch finanziert. Na der Steuerzahler wird es schon richten.

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