Hörer machen Programm Welchen Anteil hat die dpa am deutschen Nachrichtenagentur-Markt?

Wenn Sie unsere Nachrichten hören, kommen sie aus unterschiedlichen Quellen: Es können eigene Berichte und Interviews sein. Mal ist der Ursprung ein Zeitungsinterview oder auch Äußerungen in sozialen Netzwerken. Besonders wichtig für unsere Arbeit sind aber die Nachrichtenagenturen – und eine davon interessiert unseren Hörer Christian Barthel aus Halberstadt. Er wollte wissen: Welchen Anteil hat die dpa auf dem Nachrichtenagentur-Markt in Deutschland? Jan Kröger ist dieser Frage nachgegangen.

Sendezentrum des Nachrichtenradios MDR AKTUELL
Sendezentrum des Nachrichtenradios MDR AKTUELL Bildrechte: MDR / Stephan Flad

Aktuelle Zahlen dazu gibt es nicht, die letzten stammen von 2011. Ein Beratungsunternehmen ermittelte nach dem Umsatz einen Marktanteilanteil von 52 Prozent für die Deutsche Presse-Agentur – die dpa. Es ist aber davon auszugehen, dass dieser Anteil zugenommen hat – vor allem in regionalen Tageszeitungen und Radiosendern. Denn die dpa hat eigene Büros in jedem Bundesland und damit mittlerweile ein Alleinstellungsmerkmal, erklärt Mike Heerdegen, Nachrichtenchef von MDR AKTUELL.

Große Marktmacht der dpa

Mike Heerdegen-Simonsen - Redaktionsleiter Nachrichten und Podcast
Mike Heerdegen-Simonsen, MDR AKTUELL Bildrechte: MDR/Isabel Theis

Er sagt, früher habe es noch die Nachrichtenagentur ddp gegeben, später aufgegangen im DAPD: "Die haben auch regionale Informationen angeboten. Dadurch hatten wir erstens mehr Informationen, zweitens konnten wir das auch abgleichen". Leider sei DAPD dann 2013 in Insolvenz gegangen.

Und noch etwas verdeutlicht die Marktmacht der dpa: Ihre Gesellschafter sind Zeitungsverlage und Rundfunkanstalten – also größtenteils Unternehmen, die auch ihre Kunden sind.

Antje Homburger, Vize-Chefredakteurin der dpa, sieht darin vor allem eine große Verantwortung. Ein Beispiel aus dem Redaktionsalltag ist das sogenannte Agenturprivileg:

Das bedeutet, Agenturmeldungen übernehmen zu können, ohne jede einzelne Information auf ihre Richtigkeit überprüfen zu müssen.

Antje Homburger Vize-Chefredakteurin dpa

Das sei eine "enorme Verpflichtung", sagt Homburger dazu, "dass wir total klar sind in unserer Quellenlage: Woher kommt die Information? Und eben auch entsprechend transparent sind, falls wir einen Fehler machen."

Aufgabe: Kontakte nutzen und klären

Am Ende jeder Meldung nennt die dpa deshalb die Kontaktdaten ihrer Gesprächspartner oder Internet-Links zu den Originalzitaten – eine bittere Lehre aus der "Bluewater-Affäre" von 2009, als die dpa auf einen fingierten Bombenanschlag hereinfiel. Für Homburger lautet der Grundsatz daher: Die dpa muss sehr schnell, vor allem aber korrekt berichten, erst recht, seit sich Eilmeldungen binnen Sekunden über die ganze Welt verbreiten können.

So werde immer wieder über den Tod von Britney Spears berichtet, sagt Homburger. Das habe es vor ein paar Jahren auch vom verifizierten Sony-Twitter-Account gegeben: "Unsere Aufgabe ist es – auch wenn alle sozialen Medien schon volllaufen mit der Info 'Britney Spears ist tot' –, unsere Kontakte zu nutzen und zu klären: Ist da was dran – Ja oder Nein?"

Wichtig sind auch Reuters und AFP

Homburger spricht hier über einen US-Popstar. Dabei gehört die Auslandsberichterstattung für MDR AKTUELL-Nachrichtenchef Heerdegen nicht zu den Stärken der dpa. Diesen Markt prägen die deutschsprachigen Redaktionen der französischen AFP und der britisch-kanadischen Nachrichtenagentur Reuters.

Die AFP ist sehr stark, was die Afrika-Berichterstattung betrifft, ist sehr stark, was den Nahen Osten betrifft, ist natürlich stark, was Frankreich betrifft. Reuters ist sehr stark, was den ganzen anglo-amerikanischen Raum, vor allem Großbritannien, betrifft – und in der Wirtschaftsberichterstattung.

Mike Heerdegen MDR AKTUELL-Nachrichtenchef

Außerdem gibt es noch drei andere deutsche Agenturen – den Evangelischen Pressedienst (epd), die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) und den Sport-Informations-Dienst (sid) – drei Agenturen mit Spezialgebiet also. Doch eine ernsthafte Konkurrenz zur dpa sind sie nicht.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2022 | 06:00 Uhr

6 Kommentare

Fakt vor 5 Wochen

@hilflos:

Und sie meinen, dass jede Zeitung, jeder Sender über den gesamten Globus verstreut eigene Korrespondenten vorhalten kann? Was meinen Sie, weshalb Zeitungsverlage und Sendeanstalten einst die dpa ins Leben gerufen haben? Das sind nämlich die Gesellschafter der Agentur.

Fakt vor 5 Wochen

@wgeh:

Nun schreiben Sie nicht derartigen Blödsinn. Madsack finden Sie bei statista nicht einmal unter den tehn größten deutschen Medienungernehmen. Da finden Sie Springer, Holtzbrinck, Funke, Bertelsmann und andere, aber nicht Madsack. Die der SPD gehörende Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft ist zwar ein UNternehmen der SPD, hält an Madasck aber gerade mal 23,08 Prozent, am gesamten deutschen Tageszeitungsmarkt sind es 1,9 Prozent. Abgesehen davon ist der Einfluss auf die redaktionelle Arbeit auch nicht gegeben. Auch unter den Zeitungen an denen die DDVG beteiligt ist gibt es Titel, die eher der CDU nahestehen.
Und bezüglich der dpa kenne ich es so, dass Redaktionen durchaus nachrecherchieren und auch andere Agenturen mit einbeziehen.

OOOO vor 5 Wochen

Kleiner Nachtrag, das sieht man auch an der Bissigkeit der Nettiquette des MDR, beim Focus gibts da oft mehr Freiheit, bei der Gesetzgebung der Regierung, Schlagwort: Delegitimierungsgesetz

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland