Benzin und Diesel Wer verdient an den hohen Spritpreisen?

Die Preise von Benzin und Diesel sind derzeit auf einem Rekordhoch. Da kann bei Autofahrerinnen und Autofahrern auch Wut aufkommen. Genauso wie die Frage: Wo fließt das ganze Geld eigentlich hin? Wer verdient an den hohen Spritpreisen?

Eine Tafel zeigt Spritpreise an einer Tankstelle
Eine Folge des Russland-Ukraine-Krieges: die hohen Spritpreise. Bildrechte: IMAGO/Viennareport

Wo das Geld, das für Benzin und Diesel über den Tresen wandert, am Ende ankommt, erklärt der Sprecher vom Deutschen Tankstellenverband, Herbert Rabl: "Wenn jemand eine Tankrechnung von über 100 Euro bezahlt, irgendwo an einer Tankstelle in Deutschland, dann zahlt er damit zwei große Blöcke. Das eine ist: Alles, was der Sprit kostet. Also: Gestehung, Raffinierung, Transport, die Leute an der Tankstelle. Und der zweite große Bereich ist die Steuerlast."

Schauen wir uns diesen zweiten Bereich einmal an: Energiesteuer, CO2-Abgabe und Erdölabgabe sind feste Preise pro Liter. Darüber fließt aktuell also nicht mehr Geld an den Staat. Anders ist es bei der Mehrwertsteuer. Die beträgt 19 Prozent. Je höher der Spritpreis, desto mehr Geld verdient also der Staat.

Vorwürfe gegenüber Mineralölkonzernen

Aber: Auch die Mineralölkonzerne verdienen am Sprit. Sie betreiben die Raffinerien, die das Erdöl zu Benzin und Diesel verarbeiten. Tankstellenverbands-Sprecher Rabl erklärt: "Sehr böse ausgedrückt, sind die Mineralölgesellschaften die Krisengewinnler des Ukraine-Krieges, weil die Nachfrage hoch ist, die Preise steigen und das am Ende des Tages durch die Produktion nicht mehr abgebildet wird. Und deshalb ist sozusagen derjenige, der hauptsächlich gewinnt bei dieser hohen Preisspirale, einerseits der Staat durch mehr Steuereinnahmen über die Mehrwertsteuer und andererseits eben die Mineralölgesellschaften, weil sie für das, was sie produzieren, mehr bekommen als sie normalerweise bekommen würden."

Stimmen aus der Politik und den Medien bezeichnen die Mineralölkonzerne als Kriegsgewinnler. Auch Vorwürfe von Preisabsprachen stehen im Raum.

ADAC optimistisch: Preise werden wieder sinken

Dagegen begründet der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, der die Mineralölkonzerne vertritt, die hohen Preise mit dem Importstopp russischer Rohstoffe durch den Ukraine-Krieg. Sprecher Alexander von Gersdorff sagt: "In der Folge verzichten die Mineralölgesellschaften freiwillig, also ohne Sanktionen, massiv auf Importe von Öl und auch Produkten wie Diesel aus Russland. Dadurch ist der Markt knapper geworden in Deutschland. Es gibt weniger Benzin und Diesel als vor dem Ukraine-Krieg und dadurch sind die Preise so gestiegen."

Einige Raffinerien würden zurzeit zwar mehr Geld verdienen als vor dem Krieg. Andere hätten aber auch mit höheren Transport- und Logistikkosten zu kämpfen, sagt der Verbandssprecher.

Der ADAC ist zuversichtlich, dass sich die Lage für die Autofahrerinnen und Autofahrer bald wieder verbessert. Sprecher Andreas Hölzel: "Das ist ärgerlich und die Preise sind unangemessen hoch. Das muss man so sagen. Aber der Wettbewerb wird letztlich dafür sorgen, dass die Preise wieder sinken werden." Derweil diskutiert die Bundesregierung noch, wie Autofahrerinnen und Autofahrer entlastet werden können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2022 | 06:00 Uhr

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