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Holzpreise steigen - trotz hohem Angebot

Trotz hohem Angebot

Die Holzpreise steigen

von Pierre Gehmlich

Stand: 11. November 2020, 08:09 Uhr

Waldbesitzer profitieren trotz erhöhter Nachfrage nicht von den stark gestiegenen Preisen für Bauholz. Denn werden Bäume wegen Borkenkäfern oder Trockenheit gefällt, eignen sie sich oft nicht mehr als Bauholz.

Sägen, schleifen, hämmern: Das sind die Begleitgeräusche des Corona-Jahres. Viele Tischler, Zimmermänner und Baufirmen hatten randvolle Auftragsbücher. Die Deutschen renovierten im Frühling und Sommer Gärten und Häuser, bauten Terrassen und Carports. Die enorme Nachfrage nach Bauholz trieb die Preise nach oben. Händler berichten von Lieferengpässen.

Dabei gibt es aufgrund der Schäden durch Borkenkäfer und Trockenheit eigentlich viel zu viel Holz auf dem Markt. Waldbesitzer bekommen inzwischen für ihre Baumstämme oft nicht einmal genug, um ihre Kosten zu decken. Sie ärgert, dass die Preise für ihr Holz trotz des Heimwerkerbooms das ganze Jahr über nach unten gegangen sind.

Waldbesitzer: "Das sind nur Entsorgungspreise"

Für den Festmeter Fichte bekommen Waldbesitzer in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aktuell 25 Euro. Die gibt es aber nur, wenn das Holz noch gut genug ist und von den Sägewerken zu Balken und Brettern verarbeitet werden kann. Für so genanntes Industrieholz für Spanplatten werden höchstens zwölf Euro pro Festmeter gezahlt. Das decke nicht einmal die Kosten für den Holzeinschlag und Transport, kritisiert der Waldbesitzerverband Sachsen.

Holz, das zu Spanplatten verarbeitet wird, bringt Waldbesitzern für den Festmeter mit zwölf Euro besonders wenig ein. Bildrechte: Colourbox.de

Auch für Buchenholz gibt es aktuell vergleichsweise wenig: Je nach Qualität bringt der Festmeter zwischen 30 und 60 Euro. "Die Sägewerke suchen nicht. Stattdessen bitten Forstunternehmen und Forstbetriebsgemeinschaften die Sägewerke, Holz abzunehmen. Aus Sicht der Waldbesitzer sind die aktuellen Preise wirklich nur Entsorgungspreise", sagt Michael Sachse, Vorsitzender des Sächsischen Forstunternehmer-Verbandes. "Dazu kommt: Die Holzpreise sind das ganze Jahr über immer weiter nach unten gegangen. Damit fehlen uns Gelder, um Wege zu bauen und Flächen wieder aufzuforsten", sagt Olaf Sturm, der beim Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt den Holzhandel leitet.

"Zuletzt haben unsere Lieferanten die Preise im Zwei- oder Drei-Tages-Takt erhöht"

Welche Preise können Sägewerke für gutes Holz von Händlern, von Baufirmen oder Baumärkten verlangen? Bei der Antwort auf diese Frage hält sich der zuständige Verband etwas bedeckt. "Wir hatten im letzten Jahr Preise über 100 Euro für den Kubikmeter Fichten-Sägeholz", sagt Julia Möbus, Geschäftsführerin des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes (DESH). Inzwischen dürften die Erlöse für Fichtenholz deutlich höher liegen. Das zeigen Anfragen des MDR bei großen Holzhändlern zu den Preisen für Balken und Bretter in diesem Jahr. "Vom Frühjahr bis jetzt gab es da Preissprünge von knapp 15 Prozent", sagt Andreas Rütsch, Leiter Holzeinkauf bei Holz-Richter. Der beliefert unter anderem über den Online-Shop Casando Endkunden deutschlandweit.

Der Preis für Fichten-Sägeholz stieg seit dem Frühjahr um 15 Prozent. Bildrechte: Colourbox.de

Von ähnlichen Anstiegen der Bauholzpreise berichtet auch der Holzgroßhändler Fries, der unter anderem in Stendal und Torgau Standorte hat. Dieses Jahr sei ungewöhnlich, sagt Florian Feick. Er leitet den Zentraleinkauf für den Bereich Holz und sagt: "Üblicherweise steigen die Preise für Rohholz im Frühjahr um den Faktor X und bleiben dann relativ stabil. In diesem Jahr ist das etwas anders.

Aktuell steigen die Preise immer noch. Zuletzt gab es von den Vorlieferanten Preiserhöhungen im Wochentakt oder sogar im Zwei-Drei-Tages-Takt." Holzgroßhändler Fries kündigte seinen Kunden im September eine Preiserhöhung für Bauholz von 30 Euro pro Kubikmeter an. Auch die Sägeindustrie bestätigt den Anstieg. "Da wird das ganze Jahr über angepasst. Die Nachfrage am Markt ist hoch und die wird nicht von deutschen Sägern bestimmt. Die ziehen im internationalen Markt nach", sagtJulia Möbus vom DESH.

Maße und Holznutzung im schnellen ÜberblickRundholz aus dem Wald wird in Festmetern gemessen, das geschnittene Holz dann in Kubikmetern. Die Größenangabe ist aber quasi identisch: Ein Festmeter Holz entspricht einem Kubikmeter an massivem Holz. Für Balken und Bretter für den Bau werden in der Regel Fichte, Tanne und Kiefer genutzt. Buchenholz nutzen Heimwerker und Handwerker für Treppen, Parkett oder Terrassen.

Hohe Holz-Nachfrage durch Bauboom in USA

Die Preise für Holzprodukte werden durch die Nachfrage bestimmt und die ist während der Corona-Pandemie eher noch höher als sonst. Viele Holzbauunternehmen haben in diesem Jahr gut zu tun, ihre Auftragsbücher sind voll. "Vor allem im Fertighausbau gibt es ein starkes Wachstum gegen den Trend", sagt Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe (HDH). Die Zahl der Baugenehmigungen ist gestiegen. Die Deutschen haben zudem ihr Geld offenbar lieber in Baumaterial als in Urlaubsreisen investiert.

Das hat unter anderem die Baumarktkette Hagebau beobachtet, die im Osten rund einhundert Märkte bertreibt. "Viele Kunden haben den Sommer zu Hause genutzt, um Terrassen und Zäune zu erneuern, Gartenhäuser aufzustellen und vieles mehr", sagt Sprecher Ullrich Cochanski. Die große Nachfrage nach Holzprodukten habe vereinzelt zu Lieferengpässen geführt, die aber durch die Hilfe anderer Hagebau-Baumärkte schnell behoben werden konnten.

"Zudem gibt es eine riesige Nachfrage nach Bauholz aus den USA. Da gibt es einen Bauboom und da werden horrend hohe Preise bezahlt. Die liegen zum Teil um ein Drittel über den deutschen Preisen und dann sind die Säger interessiert, dorthin zu liefern", sagt Andreas Rütsch von Holz-Richter. Anders als zum Beginn der Corona-Einschränkungen sei auch die Nachfrage nach deutschen Holzprodukten aus China, Indien und Ländern rund um das Mittelmehr wieder stabil.

"Die Sägewerke schneiden aktuell wirklich, was nur geht"

Der Preisanstieg wurde offensichtlich noch befeuert, weil in diesem Jahr nicht so viel Bauholz geliefert werden konnte, wie nachgefragt wurde. Für den Produktionsrückstand gab es gleich mehrere Gründe: Wegen des Corona-Lockdowns mussten beispielsweise Sägewerke in Sachsen länger auf Arbeitskräfte aus Polen und Tschechien verzichten. Es fehlten ausländische Transportunternehmen, die sonst Holz aus dem Wald zu den Sägewerken schafften. Einige Firmen, die Hölzer wie die Sibirische Lärche nach Deutschland liefern, machten wegen Corona für Wochen dicht.

Inzwischen arbeiten viele Sägewerke in Deutschland im Mehrschichtsystem und sägen auch am Wochenende, so der zuständige Verband. Trotzdem können die Säger nicht so viel liefern, wie gebraucht wird: Holzgroßhändler erzählen, dass sie Bauholz bei ihren Lieferanten zum Teil nur in beschränkten Mengen ordern dürfen. "Holzarten wie Fichte oder Tanne waren im Juli teilweise gar nicht lieferbar oder hatten lange Lieferzeiten", sagt Holzeinkäufer Andreas Rütsch.

In den Sägewerken wird im Akkord gearbeitet. Bildrechte: Colourbox.de

Mangel an Frischholz wegen Aufräumarbeiten

Eine große Rolle im Gefüge aus Nachfrage und Preis spielen offenbar auch die riesigen Holz-Mengen, die nach Stürmen wegen des Borkenkäfers oder wegen Trockenheit aus den Wäldern raus müssen. "Seit 2018 sind insgesamt 180 Millionen Festmeter Holz auf dem Markt. Der normale Jahreseinschlag an Holz liegt aber bei 58 und 64 Millionen Festmetern", sagt DESH-Geschäftsführerin Julia Möbus. Ein Teil des Schadholzes kann zwar noch genutzt werden, wenn die Bäume schnell aus dem Wald geholt werden. Das Holz kann dann aber oft nicht mehr für Sichtbereiche genutzt werden.

Die Produktion von Balken oder Brettern ist aufwendiger als bei Frischholz. Doch Frischholz schlagen Waldbesitzer in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen derzeit offenbar gar nicht oder nur in geringen Mengen ein. Alle Kräfte werden darauf konzentriert, die Waldschäden zu beseitigen. "Ich kenne keinen Privatwaldbesitzer, der Frischholz einschlägt", sagt Michael Sachse vom Forstunternehmer-Verband Sachsen.

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THW unterstützt beim Kampf gegen den Borkenkäfer

"Da verdient sich jemand eine goldene Nase"

Private Waldbesitzer und staatliche Forstverwaltungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind in diesem Jahr in einer misslichen Lage. Sie müssen geschädigte Bäume fällen und abtransportieren, für deren Holz sie immer weniger Geld bekommen. Von der guten Nachfrage nach Holz und den hohen Preisen für Bauholz haben sie kaum etwas. Dabei bräuchten sie das Geld dringend, um den nötigen Waldumbau voranzutreiben. Das sorgt bei vielen für Ärger. "Grundsätzlich ist für Waldeigentümer und auch für den Landesforst nicht nachvollziehbar, wenn auf der einen Seite die Preise so steigen und für uns im Rundholzverkauf so niedrig bleiben. Da verdienen sich einige in der Zwischenkette eine goldene Nase", schimpft Olaf Sturm, Leiter Holzhandel beim Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt.

Zu wenige Sägewerke für einen fairen Preiswettbewerb?

Doch Baumarkt-Ketten wie Hagebau weisen auf MDR-Nachfrage darauf hin, sie hätten in diesem Jahr die Preise für Holzprodukte nicht erhöht. Die Holzgroßhändler wiederum sagen, sie würden nur die Preise ihrer Vorlieferanten weitergeben. Möglicherweise gibt es da zumindest in Mitteldeutschland zu wenig Wettbewerb, sagt Michael Sachse vom Forstunternehmerverband. "Es gibt vorrangig ganz große Sägewerke in Deutschland: In Sachsen und Thüringen reden wir über Mega-Sägewerke mit einer Million Festmeter".

Hier fehlten kleinere Unternehmen, die dann eventuell auch für bessere Konditionen für die Waldbesitzer sorgen. Diese Kritik kann Julia Möbus vom Sägewerks-Verband nicht nachvollziehen: "Ich sehe nicht, dass es da zu wenig Wettbewerb gibt. Die Sägewerke sind in ihren Produkten unterschiedlich aufgestellt und stehen ja auch im internationalen Wettbewerb." Aus ihrer Sicht ist es in der aktuellen Situation wichtiger, die großen Mengen Schadholz nicht auf einmal sondern über einen längeren Zeitraum zu verwerten. Dafür seien aber auch mehr geeignete Holzlager wichtig.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Umschau | 10. November 2020 | 20:15 Uhr

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