Der Kampf ums Holz Hohe Preise für Holz: "Der Markt wurde leergekauft"

Franziska und Denny Weißgerber aus Roßleben im Kyffhäuserkreis wollten unbedingt ein Haus aus Holz bauen. Das wirkt gemütlich und sie lieben das besonders natürliche Raumklima. Aber bereits beim Planen kam der Schock: Ihr Baustoff hat sich innerhalb weniger Wochen enorm verteuert. Denn Holz ist knapp – obwohl Sägewerke auf Volllast laufen und auf ein Überangebot an Schadholz zugreifen können.

Glatte Fichtenstämme ergeben besonders gutes Bauholz: Fichte gilt als „Brotbaum“ der Holzindustrie, weil das Holz sehr gut zu verarbeiten ist.
Blick ins Sägewerk: Glatte Fichtenstämme ergeben besonders gutes Bauholz. Bildrechte: MDR/Frank Menzel

Das junge Paar hat eine clevere Lösung dafür gefunden. Als sie den Preisanstieg bemerkten, kauften sie 2020 alles benötigte Holz auf einen Rutsch. Sie konnten es in einer gemieteten Halle einlagern. Ein Glück, dass Bauherr Denny als Zimmermeister den Markt einschätzen konnte: "Wir haben alles auf einmal gekauft und konnten die Preise so verhandeln. Trotzdem waren wir bei gut einem Drittel mehr Kosten fürs Holz als bei der Planung des Hauses." Bauherrin Franziska Weißgerber ergänzt: "Dadurch, dass mein Mann mit seinem Vater das Haus in Eigenleistung bauen kann, können wir uns das auch mit den heutigen Holzpreisen leisten."

Bauunternehmer leiden unter Lieferproblemen bei Holz

Der Holzmarkt bereitet auch Bauunternehmern wie Sebastian Donner Bauchschmerzen. Er lenkt seinen Gabelstapler über den kleinen Hof des Zimmereibetriebs in Claußnitz in Sachsen. Schnappt sich einen Stapel Spanplatten aus einem Unterstand und fährt damit zurück in die Werkhalle. Hier baut er Wände und Decken für ein Haus aus Holz zusammen. Einfach ist das derzeit nicht: "Eigentlich sollten die Holzelemente bereits jetzt auf die Baustelle." Aber das verzögere sich um vier bis acht Wochen, weil noch Material fehle. Holzbalken, Bretter und Platten sind zur teuren Mangelware geworden. "Deshalb haben wir ein wildes Lager einrichten müssen. Wir halten jetzt Platten für ein Einfamilienhaus vorrätig. Ohne zu wissen, ob wir die wirklich brauchen." Dafür muss das Unternehmen in Vorleistung gehen.

Frank Donner fertigt Treppen aus Massivholz: einen solchen Holzmangel wie derzeit hat der Zimmermeister nach der DDR-Zeit nicht mehr für möglich gehalten.
Frank Donner fertigt Treppen aus Massivholz: einen solchen Holzmangel wie derzeit hat der Zimmermeister nach der DDR-Zeit nicht mehr für möglich gehalten. Bildrechte: MDR/Frank Menzel

Holz ist in der Globalisierung angekommen … wer mehr bezahlt, der kriegt‘s.

Frank Donner Zimmermeister aus Claußnitz

Der Holzmarkt spielt seit vergangenem Jahr verrückt. Ständig muss Holzhaus-Bauer Sebastian Donner bei seinen Lieferanten abfragen, ob Bauholz verfügbar ist, und wie teuer es ist. Er macht sich Sorgen, wie sein traditionsreicher Familienbetrieb so überleben kann. Sein Onkel Frank Donner, ein gestandener Zimmermeister, fasst das Problem zusammen: "Holz ist in der Globalisierung angekommen … wer mehr bezahlt, der kriegt‘s." Wie sich das auswirkt, wird auf ihren Baustellen sichtbar. Mancher Hausbau verzögert sich um Wochen. Oder die Bauherren entscheiden sich für ein Massivhaus, statt aus Holz zu bauen.

Sägewerke sind voll ausgelastet

Wieso sind die Preise so stark angestiegen? Die Suche nach den Gründen führt in eines der größten Sägewerke Deutschlands, zu Ante-Holz nach Rottleberode in Sachsen-Anhalt. Geschäftsführer Jörn Kimmich zeigt den riesigen Hof, auf dem sich ein Meer aus Fichtenstämmen auftürmt. Überall riecht es nach Nadelholz. Monströse Bagger greifen nach den Stämmen und verfrachten sie in die Sägestrecke. Unzählige Stapel von Brettern verlassen das Werk. Hier ist von Holzmangel nichts zu spüren. "Wir haben aus den umliegenden Wäldern des Harzes tatsächlich ein Überangebot von Rundholz", erzählt Jörn Kimmich, "das ist eine Sondersituation durch Windwürfe und Borkenkäferbefall." Das Sägewerk habe sich darauf eingestellt und arbeite im Vierschichtbetrieb.

Steigende Nachfrage nach Holz im In- und Ausland

Dennoch kommt das Holz bei Häuslebauern und Handwerkern nicht an. Wie ist das Paradoxon zu erklären? Im Jahr 2020 hat sich die Nachfrage nach Holz enorm gesteigert, erklärt Jörn Kimmich: "Die Privathaushalte haben sich im letzten Jahr deutlich mehr mit Holz beschäftigt, weil sie nicht reisen konnten. Das Konsum- und das Investitionsverhalten hat sich geändert."

Der Markt wurde leergekauft.

Jörn Kimmich Geschäftsführer Ante-Holz

Dazu kommt eine nie vorher dagewesene internationale Entwicklung: Chinesische und US-amerikanische Unternehmen haben en masse deutsches Holz gekauft. Die Exporte nach Übersee sind 2021 um etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das hat deutsche Holzlieferanten und Bauunternehmer aufgeschreckt. "Wir hätten es nicht für möglich gehalten, ähnliche Effekte wie den sogenannten Klopapier-Effekt von 2020 auch bei Holz zu erleben", sagt Jörn Kimmich dazu. "Aber rückblickend betrachtet, ist bei unseren Kunden tatsächlich eine Hysterie entstanden. Der Markt wurde leergekauft."

Das Sägewerk von Ante-Holz in Rottleberode: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche wird hier derzeit gearbeitet, 150 LKW-Ladungen mit Stämmen werden pro Tag angeliefert.
Das Sägewerk von Ante-Holz in Rottleberode: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche wird hier derzeit gearbeitet, 150 LKW-Ladungen mit Stämmen werden pro Tag angeliefert. Bildrechte: MDR/Frank Menzel

Waldbesitzer leiden unter Dürren, Stürmen und Schädlingen

Wer davon nicht profitiert hat, sind die Waldbesitzer. Jörg von Beyme pflegt seit knapp 20 Jahren den Wald der Familie im Südharz. Die letzten Jahre gingen an die Existenz. Denn sein Fichtenbestand wurde durch Stürme und nachfolgende Dürre geschwächt. Der Borkenkäfer hat inzwischen zwei Drittel des Fichtenbestands vernichtet. "Wir haben Holzmengen von 25 Jahren innerhalb von drei Jahren einschlagen müssen. Entsprechend sind uns Einnahmen auf Jahre eingebrochen", berichtet Jörg von Beyme.

Die überall aufgestapelten Stämme konnten nur unter Wert verkauft werden: "Wir haben draufgezahlt, weil die Sägewerke nicht hinterherkamen." Dabei sind die Harzer Wälder besonders von der Waldkatastrophe betroffen. In anderen Regionen steht es um den Wald noch besser. Weshalb Expertinnen und Experten des Waldbeirats der Bundesregierung schätzen, dass auch in Zukunft ausreichend nachhaltig angebautes Holz aus deutschen Wäldern vorhanden sein wird.

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Unternehmer Sebastian Donner hofft darauf, dass sich die Preise wieder beruhigen und zumindest konstant bleiben. So dass er seine Bauten wieder besser planen kann. Zum Glück interessieren sich nach wie vor viele für den Bau von Häusern aus Holz, auch weil der umweltfreundliche Baustoff hilft, die Klimakrise zu bekämpfen. Deshalb will Sebastian Donner weiter in die Zukunft investieren und seinen Familienbetrieb am Laufen halten. Derzeit sucht er sogar Zimmerleute, um sein Team zu vergrößern.

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