Corona-Pandemie Hotel ohne Gäste: The Westin im Corona-Modus

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Ein großes Hotel ist wie eine eigene Welt: mit Gästen aus allen möglichen Ländern, Restaurants, kleinen Geschäften und oft auch einer eigenen Wäscherei. Doch nun herrschen Reisebeschränkungen. Buchen dürfen nur noch Geschäftsreisende. Und auch deren Anliegen sollte dringend sein. Wie geht eines der größten Hotels Mitteldeutschlands damit um? Was macht ein Hoteldirektor ohne Gäste? Wir haben das Leipziger Hotel "The Westin" besucht.

Blick auf das höchste Hotel von Leipzig von der Ecke Gerberstraße/Goerdelerring, links im Vordergrund wirbt ein großer Wegweiser für den Zoo in der Nähe, neben dem Hotel entstand ein neues Bank-Hochhaus, Aufnahme Juni 2014
Das "The Westin" in Leipzig gibt es seit über 30 Jahren. Bildrechte: MDR/Petra Klein

Leipzigs größtes Hotel ist auf den Hund gekommen. Das geschah schon vor Corona. Da hat sich Direktor Andreas Hachmeister einen Parson Russel Terrier zugelegt. Ein Hundemädchen, das sich manchmal versteckt. "Haben Sie die Tinka gesehen?" fragt er. "Ah, sie ist wahrscheinlich schon ins Büro gelaufen. Dann wollen wir sie mal holen."

Hoteldirektor Andreas Hachmeister
Der Hoteldirektor und sein Hund. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Hachmeister läuft im feinen Anzug durch die leere Lobby. Am Büro kommt ihm die Hündin entgegen. Sie bellt nicht, sie springt ihn nicht an. Wie sich das in einem feinen Hotel gehört. Tinka darf sich in der Lobby deshalb frei bewegen. Vor allem soll sie Gäste niedlich angucken. Doch Gäste sind rar geworden.

Das Westin hat 436 Zimmer, nur 20 sind gerade belegt. "Es ist alles zurückgefahren", erzählt Hachmeister. "Es ist ruhig, es ist still. Und wenn ich alleine durchs Hotel gehe, was ich mehrfach tue am Tag, dann ist das schon eine bedrückende Stimmung, weil nirgendwo ein Gast ist. Das Licht ist aus und das Leben. Warum wir in der Hotelerie sind, Gäste glücklich zu machen, das ist im Moment überhaupt nicht da."

Arbeit trotz Leerstand

Trotzdem gibt es etwas Arbeit. 20 von 150 Angestellten sind noch im Haus – fürs Frühstück, für kleine Reparaturen. Hachmeister steht jetzt in der 16. Etage, wo gerade der Zimmerservice hantiert. Alle drei Tage muss der in jedes leere Bad. "Es darf dann immer einmal aufgedreht werden, dass das Wasser läuft. Und dann darf es auch ruhig mal eine Minute laufen. Weil das Wasser sonst in den Leitungen steht. Und wenn Wasser zu sehr steht, können sich Bakterien, Keime und sogenannte Legionellen bilden, die wiederum bei älteren Gästen zu Krankheiten führen können."

Es ist eine notwendige Maßnahme für leere Zimmer. Und doch wirkt sie irgendwie sinnlos, denn die meisten Räume dürften vorerst leer bleiben. Immerhin: Vor zwei Wochen war die Fußball-Nationalmannschaft da. "Die hatten einen ganz eigenen Bereich hier im Hotel. Die haben eigene Aufzüge gehabt. Haben im Vorfeld natürlich alle Räume, alle Gästezimmer kalt vernebelt, nochmal alle Viren und Bakterien, die theoretisch in der Luft sein könnten, damit abgetötet", erzählt Hachmeister.

Verluste in Millionenhöhe

In Sachen Hygiene, sagt Hachmeister, sei sein Personal exzellent. Deswegen hadert er mit den Corona-Beschränkungen. Seine Restaurants hätte er gern offen gehalten, ein paar Tagungen doch gemacht. Die Konferenzräume ließ er anpassen mit Plexiglasscheiben zwischen den Tischen.

Ausgezahlt hat sich das nun kaum: "Wir verlieren im Jahr 2020 jetzt mehr als 70 Prozent unseres Umsatzes. Bei der Größe unseres Hauses sind das mehr als 15 bis 17 Millionen Euro, die uns an Umsatz fehlen." Wenn das Hotel nicht zu einem starken Eigentümer und einer starken Managementgesellschaft gehören würde, "dann wäre das extrem schwer, jeden Monat allein die Pacht für dieses große Hotel zu verdienen", gibt Hachmeister einen Einblick.

Der Eigentümer prüft, ob auch er Staatshilfe bekommen kann. Das Hotel hält er vorerst offen. Dafür ist nicht nur Direktor Hachmeister dankbar, sondern auch Hündin Tinka. Denn welcher Vierbeiner lebt schon in so einer edlen Hütte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. November 2020 | 05:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland