Preise Inflationsrate steigt auf 3,8 Prozent

Die Menschen in Deutschland müssen für Waren und Dienstleistungen stark gestiegene Preise bezahlen. Ursachen sind die Rückkehr zum regulären Mehrwertsteuersatz zu Jahresbeginn, teurere Energiepreise und Lieferengpässe. Fachleute rechnen mit einer weiter hohen Inflationsrate.

Einkaufswagen mit verschiedenen Artikeln in einem Supermarkt
Für Lebensmittel mussten Verbraucher im Juli des laufenden Jahres 4,3 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Bildrechte: dpa

Die Preise für Produkte und Dienstleistungen sind in diesem Monat in Deutschland so kräftig gestiegen wie lange nicht. Die Inflationsrate übersprang erstmals seit knapp 13 Jahren wieder die Drei-Prozent-Marke. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreis im Juli um 3,8 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt nach einer vorläufigen Berechnung mit.

Ein gewichtiger Grund für den Anstieg ist, dass seit Januar wieder die alten Mehrwertsteuer-Sätze gelten. Die Bundesregierung hatte sie im vergangenen Jahr wegen der Corona-Krise vorübergehend gesenkt. Außerdem steigen die Energiepreise seit Monaten überdurchschnittlich.

Weiterer Anstieg erwartet

Ökonomen rechnen mit weiteren Preisanstiegen in den kommenden Wochen und Monaten. Michael Heise vom Vermögensverwalter HQ Trust erklärte: "Hinter dem Preisauftrieb stehen starke Verteuerungen verschiedenster Rohstoffe sowie Lieferengpässe bei wichtigen Vorleistungen, die zu langen Lieferzeiten und geringen Lagerbeständen geführt haben." Dies werde sich nicht so schnell ändern.

Auch die Mehrwertsteuersenkung schlage jetzt zu Buche, sagte Thomas Ginzel von der VP Bank: "Man sollte sich vorläufig an die höheren Teuerungsraten gewöhnen. Der Ausflug über die drei Prozent-Marke dauert länger."

Gewerkschaft fordert Lohnerhöhungen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert angesichts der stark steigenden Inflation in Deutschland umgehend spürbare Lohnerhöhungen. "Wir brauchen gerade auch wegen der anziehenden Preise kräftige Lohnsteigerungen für die Beschäftigten", sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Verdi wird deshalb ihre offensive Lohnpolitik in den Branchen fortsetzen."

Kaufkraft schwindet

Ein hohe Inflationsrate sorgt dafür, dass Kaufkraft schwindet. Berechnungen des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zufolge werden die Löhne von Millionen Beschäftigten mit einem Tarifvertrag 2021 erstmals seit einem Jahrzehnt langsamer steigen als die Verbraucherpreise. Real bedeutet das für viele Beschäftigte eine Lohnkürzung.

Zuletzt hatte die Teuerung im August 2008 während der Finanz- und Wirtschaftskrise über drei Prozent gelegen. Einen höheren Wert als 3,8 Prozent hatten die Wiesbadener Statistiker für Deutschland zuletzt im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent ermittelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine jährliche Inflationsrate um die zwei Prozent an.

Quelle: Reuters/dpa/MDR/ala

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 29. Juli 2021 | 15:00 Uhr

7 Kommentare

ralf meier vor 7 Wochen

Negativzinsen auf der einen Seite, 3,8 % Inflation auf der anderen Seite. Die Enteignung derjenigen Bürger, die dem guten Rat der Regierung gefolgt sind und fürs Alter ansparten, schreitet zügig voran.
Es ist übrigens die gleiche Regierung, die Mitverantwortung dafür trägt, das die EZB mit Ihrer andauernden Billionen schweren Gelddruckerei diese Inflation gezielt fördert. Es ist auch die gleiche Regierung, die gerade erst hunderte Milliarden Schulden machte und sich nun auf diese Weise auf Kosten der Bürger indirekt entschuldet.

Nelke vor 7 Wochen

Höhere Inflation- und dies, obwohl die Preise für einen großen Teil der Waren sowohl im privaten als auch teils im gewerblichen Bereich durch Import aus Billigstlohnländern noch niedriger gehalten werden, als es der
erbrachten Arbeitsleistung und dem Naturverbrauch entspricht. Kehrseite ist das Verschwinden ganzer Produktionszweige, im Westen schon ab Ende der 60er Jahre mit Grundstoff-, Textil-und Lederwarenindustrie und heute längst auch elektronischen und elektrotechnischen Erzeugnissen. Der Wegfall (halbwegs) gut bezahlter Arbeit wird teilweise durch die billige Importware gemildert. Ein Teufelskreis. Das eigentliche Problem sind jedoch Konfrontationspolitik, Aufrüstung, Kriegführung, Verelendung im Verbund mit Überbevölkerung und dies in einem hochspekulativ ausgerichteten Weltfinanzsystem, in dem die Staaten zunehmend nur Statisten und Erfüllungsgehilfen sind. Es droht Inflation mit Produktions-rückgang, also Stagflation. Immo-Blase, Negativzins haben den Boden vorbereitet...

kleinerfrontkaempfer vor 7 Wochen

Was war da alles zu hören und zu lesen:
EZB, BuBank, Brüssel, Berlin..... wir halten die Inflation im Zaum!
Mit"geeigneten" Maßnahmen werden wir einem Anstieg begegnen.
Wer sich bis jetzt auf diese "Experten" verlassen hat und auf ihr Wunderwirken vertraut, der ist verlassen.

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