Preistreiber Energiepreise IWH-Präsident Gropp: Preisentwicklung auch durch Klimapolitik beeinflusst

Ende vergangener Woche hatte das Statistische Bundesamt mit 3,8 Prozent die höchste Teuerungsrate seit den 1990er-Jahren festgestellt. Weil sinkende Reallöhne den Konsum dämpfen, erklärten Gewerkschaften, die steigenden Preise in den nächsten Tarifverhandlungen berücksichtigen zu wollen. Prof. Dr. Reint Gropp, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), erklärt im Interview, warum das die Inflation noch anfeuern könnte.

Die Entwicklung der Inflation sei derzeit auch durch die Klimavorgaben beeinflusst, sagte der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Prof. Dr. Reint Gropp, im Interview mit MDR Aktuell. Es sei aber eine hausgemachte Sache, dass die Energiepreise durch die CO2-Abgaben stiegen. Das sei ja auch der Sinn der Übung, "dass wir die CO2-Preise erhöhen und damit aber eben auch die Energiepreise. Aber es schlägt sich eben deutlich nieder im Portmonee der Haushalte", sagte Gropp.

Preistreiber Energiepreise

Die Energiepreise seien ein besonderes Thema, das die Konsumenten in speziellem Maße beträfe – an der Tanksäule oder beim Heizen. Der Klimawandel, oder die Maßnahmen, die wir ergreifen, um den Klimawandel zu bekämpfen, kämen nicht umsonst. Das sei eine Übergangsphase, die durchaus länger dauern könne.

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler führt die 3,8 Prozent Inflationsrate, die das Statistische Bundesamt in der vergangenen Woche für den Monat Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat erhoben hatte, derzeit auf temporäre Faktoren zurück. Gropp wies auf die europäische Zentralbank hin, die der Ansicht sei, dass man auf temporäre Faktoren nicht besonders reagieren müsse. Die Zentralbank gehe davon aus, dass die Inflationsraten wieder von allein wieder auf das Ziel von zwei Prozent zurückfielen.

Warnung vor Spirale aus höheren Löhnen und höheren Preisen

Aktuelle Lohnforderungen von Gewerkschaften wiedersprach Gropp gegenüber MDR Aktuell. Es müsse vermieden werden, in eine Spirale zu kommen, "wo wir aus Angst vor höheren Preisen höhere Löhne fordern, und dann tatsächlich auch höhere Preise bekommen", sagte Gropp.

Mit Blick auf die Inflationsraten der letzten Jahre seien diese nicht nur in der Eurozone so niedrig gewesen, sondern auch in den USA, in Japan, und in vielen anderen Industrieländern. Die Probleme seien überall ähnlich gewesen.

Sorgenvoller Blick in die USA

Generell seien die USA immer ein wenig der Vorreiter. Man könne dorthin schauen und sehen, wie die Entwicklungen bei uns in ein paar Jahren sein könnten. Daher könne man die derzeitige fünfprozentige Inflationsrate in den USA durchaus als besorgniserregend betrachten. Das sei auch das größte Warnsignal, das die Europäische Zentralbank im Moment habe. Diese solle sich nicht zu sicher sein, dass tatsächlich die Inflation von alleine in Richtung zwei Prozent wandere.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 31. Juli 2021 | 20:30 Uhr

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