Lebensmittelteuerung Lebensmittelindustrie hält sieben Prozent Teuerung für wenig wahrscheinlich

Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Inflation zuletzt extrem angezogen – und laut Prognosen des ifo Instituts könnte sich das auch bald auf die Lebensmittelpreise niederschlagen. Um sieben Prozent könnten sich Nahrungsmittel in Deutschland verteuern. Sogar von einem möglichen Preisschock in den Supermärkten ist die Rede. Landwirte und Lebensmittelindustrie glauben nicht daran.

Die Experten des ifo Instituts sehen den größten Treiber der Lebensmittelpreise in Deutschland in den Weltmarktpreisen für Nahrungs- und Genussmittel. Pflanzliche Produkte beispielsweise sind zuletzt deutlich teurer geworden, weil auch die Preise für Getreide oder Raps erheblich gestiegen sind. Geringe Erntemengen und hohe Nachfrage aus dem In- und Ausland machen es möglich.

Landwirte und Hersteller profitieren nicht von Inflation

Rosige Zeiten für die Landwirte also? Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, widerspricht. "Naja, das, was wir auf der Einnahmenseite verbuchen können, wird natürlich auf der Ausgabenseite mehr als aufgefressen. Das ist definitiv keine Bereicherungsveranstaltung für die Landwirtschaft, sondern das ist ein Stück weit Existenzsicherung." So seien die Produktionskosten für die Landwirte zuletzt in die Höhe geschnellt, unter anderem weil Sprit und Düngemittel deutlich teurer geworden sind.

Das ist definitiv keine Bereicherungsveranstaltung für die Landwirtschaft

Bernhard Krüsken Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes

Krüsken spricht von 20 bis 30 Prozent. Die dadurch notwendigen höheren Preise für ihre Produkte könnten sie häufig nicht an die Ladentheke bringen. Ähnlich argumentieren die Nahrungsmittelhersteller, die wiederum ihre Rohstoffe von den Landwirten beziehen. Nach Angaben des ifo Instituts planen zwei Drittel von ihnen, den Kostenschub an den Handel weiterzugeben.

Ob und in welchem Umfang das passiert, ist aber alles andere als ausgemacht. Denn fast schon traditionell versuchen die vier Einzelhandelsriesen Rewe, Edeka, Lidl und Aldi in den alljährlichen Preisverhandlungen die Forderungen der Hersteller zu drücken.

Sieben Prozent Preissteigerung schwer durchsetzbar

Vor diesem Hintergrund sagt die Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie, Stefanie Sabet: "Es ist ein Blick in die Glaskugel. Aber wir haben sieben Prozent Verbraucherpreissteigerung, zumindest seit ich es nachverfolge, noch nicht erlebt. Und ich halte es für schwer durchsetzbar." Im vergangenen Jahr hätten 90 Prozent der Hersteller angegeben, dass sie gar nicht oder nur bedingt Preiserhöhungen an den Einzelhandel weitergeben konnten, sagt Sabet.

Sieben Prozent seien hier eher die Obergrenze der möglichen Preisentwicklung, sagt auch der Wirtschaftswissenschaftler und Handelsexperte Thomas Roeb. Ausschließen will er das aber nicht. "Wir haben ja vergleichsweise immer stabile Lebensmittelpreise gehabt. Und bei der aktuellen Marktsituation – was die Rohstoff- Energiepreise betrifft – ist es schon so, dass wir mit einer Inflation im Lebensmittelbereich rechnen müssen."

Aber wohl nicht in nächster Zeit. Aus Lieferantenkreisen habe er erfahren, erzählt Roeb, dass sich die Einzelhändler aktuell konsequent weigern, bestehende Verträge zu öffnen, um entgegen der ursprünglichen Vereinbarungen höhere Preise zuzulassen. Deswegen, sagt Roeb, hofften jetzt alle auf die nächsten Preisverhandlungsrunden, die im Herbst starten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Februar 2022 | 06:58 Uhr

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