Preissteigerung Inflation erstmals seit 1993 über vier Prozent

Die Inflation in Deutschland hat im September erstmals seit knapp 28 Jahren wieder die Vier-Prozent-Marke überschritten. Die Verbraucherpreise lagen im September um 4,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Einkaufswagen mit verschiedenen Artikeln in einem Supermarkt
Lebensmittel sind im Vergleich zu September 2020 um 4,9 Prozent teurer geworden. Bildrechte: dpa

Die Inflation in Deutschland ist erstmals seit knapp 28 Jahren über die Vier-Prozent-Marke geklettert. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Berechnungen mitteilte, lagen die Verbraucherpreise im September um knapp 4,1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Zuletzt hatte es im Dezember 1993 eine Teuerung von 4,3 Prozent gegeben. Im direkten Vergleich zum Vormonat blieben die Verbraucherpreise jedoch unverändert.

Energie als größter Preistreiber

Größter aktueller Preistreiber ist dem Bundesamt zufolge die Energie. Sie kostete im September 14,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Da im Zuge der Konjunkturerholung nach der Corona-Krise die Nachfrage nach Rohöl deutlich gestiegen sei, treibe das nun die Preise nach oben. Hinzu kommt, dass seit Januar in Deutschland 25 Euro je Tonne CO2 fällig werden, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Beides lässt die Energiepreise steigen.

Nahrungsmittel wurden 4,9 Prozent teurer. Das könne die Rücknahme der temporären Mehrwertsteuersenkung als Ursache haben, die inzwischen voll auf die Inflationsentwicklung durchschlage, erklärte das Statistische Bundesamt. Um den Konsum in der Corona-Krise anzukurbeln, hatte der Bund die Mehrwertsteuer befristet bis Dezember 2020 gesenkt. Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Mehrwertsteuersätze. Das bedeutet, dass Waren und Dienstleistungen tendenziell wieder teurer werden.

Inflation schwächt Kaufkraft

Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor. Auch für Sparer, die Geld beispielsweise auf niedrig verzinsten Tagesgeldkonten parken, sind steigende Inflationsraten bitter. Ihre Guthaben verlieren unter dem Strich an Wert.

Inflationsraten werden weiter steigen

Das Münchner Ifo-Institut geht davon aus, dass die Inflationsraten in den nächsten Monaten weiter steigen. Der Banken-Verband sieht als Ursache unter anderem die extrem niedrigen Ausgangspreise bei den Rohstoffen, Pandemie-bedingte Nachhol-Effekte sowie die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung.

Inflationsraten von an die fünf Prozent gelten in diesem Jahr in Deutschland als möglich. Ökonomen werten den Anstieg der Teuerung aber nur als vorübergehendes Phänomen. Sie sehen derzeit nicht die erhöhte Gefahr einer langanhaltenden oder gar außer Kontrolle geratenen Preisspirale. Im kommenden Jahr dürfte sich die Teuerung nach ihrer Einschätzung wieder abschwächen. Die Angaben des Statistischen Bundesamts für September 2021 sind eine erste Schätzung, endgültige Ergebnisse werden Mitte Oktober veröffentlicht.

Quelle: dpa/AFP(sra)

Reporter interviewt Mann 34 min
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 30. September 2021 | 15:00 Uhr

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