Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle IWH-Präsident Gropp gegen zwölf Euro Mindestlohn

Die geplante Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro wird nach Ansicht des Präsidenten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp, nicht die erwünschten Effekte bringen. Auch eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes zum Ausgleich hoher Energiekosten lehnt Gropp ab.

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Zwölf Euro Mindestlohn, Bürokratieabbau, sichere Renten - das sind die Eckpunkte der möglichen Koalition. Was hieße das für die Wirtschaft? Und warum sich ausgerechnet Wladimir Putin über das Papier freuen kann.

MDR AKTUELL Mo 18.10.2021 08:00Uhr 32:50 min

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Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht die geplante Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland auf zwölf Euro kritisch. IWH-Chef Reint Gropp sagte MDR AKTUELL, eine Anhebung um 25 Prozent werde eher Jobs kosten, statt welche zu schaffen. Unternehmen könnten Arbeitsstunden von Mitarbeitern reduzieren oder Pausenregelungen ändern, um am Ende nicht mehr zahlen zu müssen.

Nach Einschätzung von Gropp wäre eine moderatere Erhöhung der bessere Weg, um zu sehen, wie sich der Arbeitsmarkt entwickle. Aktuell liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 9,60 Euro pro Stunde. Im nächsten Jahr soll er schrittweise auf 9,82 und dann 10,45 Euro steigen.

Schuldenbremse aussetzen

Der Präsident stellt zudem in Frage, wie die Projekte von SPD, Grünen und FDP finanziert werden sollen. Darüber sei bisher nichts gesagt worden. Gropp schlug vor, die Schuldenbremse aufzuheben. Das dürfe aber nur für Investitionen gelten, von denen künftige Generationen profitieren würden.

Einmalzahlung statt höherer Hartz-IV-Satz

Gropp widersprach auch dem Sozialverband Deutschland, der wegen steigender Energiepreise höhere Hartz-IV-Sätze fordert. Der IWH-Präsident sprach sich bei MDR AKTUELL stattdessen für Einmalzahlungen an Bedürftige aus.

Gropp sagte: "Die Kompensation sollte nicht vollständig sein, sondern die höheren Kosten sollten nur zum Teil abgedeckt werden." Die Leute sollen heizen können, ohne ihren Konsum drastisch einschränken zu müssen.

Senkung der Spritsteuer riskant

Angesichts von Rekord-Spritpreisen warnt Gropp davor, Steuern auf fossile Brennstoffe zu senken. Der Staat habe da einen Interessenkonflikt: Fossile Brennstoffe sollen teurer werden, um den Übergang zu nicht-fossilen Brennstoffen zu erleichtern. Und andererseits sollen die Energiekosten nicht zu schnell stark steigen. Insofern könne es temporär sinnvoll sein, die Steuern auf Gas zu senken, um die Leute zu entlasten.

Gropp mahnt zugleich, Steuersenkungen hätten die Tendenz, permanent zu werden. Da sollte man vorsichtig sein. Außerdem würde eine Steuersenkung alle Menschen entlasten, auch jene, die es sich leisten können. Das Instrument sei nicht besonders zielgerichtet, direkte Zahlungen an Bedürftige wären besser.

(ans)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Oktober 2021 | 08:00 Uhr

118 Kommentare

Wessi vor 6 Wochen

ja @ Maria A....unter Kohl stiegen die Kosten an.Das ist Kapitalismus.Auf der anderen Seite haben junge Leute aber auch Angst vor der Zerstörung der Umwelt.Man darf nicht immer nur ans Geld denken...!Wie Sie, als Einzelperson(? Sie posteten "ich")bei € 110 liegen ist mir rätselhaft, bei mir sinds unter € 30!

Wessi vor 6 Wochen

@ Ilse...ich habe nicht geschrieben, was Sie mir versuchen unterzujubeln.Wenn alle Leute so geizig oder feige gewesen wären, sich nicht zu wehren, dann hätten wir heute noch Manchester-Kapitalismus.Was für ein Unsinn, wenn Sie sagen "der AG sitzt am längeren Hebel".Mag sein, daß Konservative uns anständigen Leuten so was einreden wollen.Es ist schlichtweg nicht wahr.Wahr ist allerdings, daß es in unserem Land sehr viele eklige Feiglinge gibt, Leute die's Maul halten.Besonders von 1933-, tw. 1989.Und diese sind+waren daran schuld, daß es anderen schlecht geht.Ich halte es immer noch für besser, sich, wir leben mittlerweile in ganz Deutschland,in einer Demokratie,zu wehren+das Maul auf zu machen. Mögen auch solche wie Sie Angst-Luft machen+ jammern etc.. Man muß wollen+es gibt dankenswerter Weise viele Menschen, die Betriebsräte gründen+sich wehren.Leider profitieren Nichtmitglieder der Gewerkschaft von Tariferhöhungen.Das muß man ändern,da reicht Mindestlohn!

Maria A. vor 6 Wochen

Ich weiß, dass ich 1993 knapp 80 DM monatlich für Strom bezahlt habe. In den Folgejahren stieg dieser Betrag an, obwohl ich weniger Verbrauch hate. Ähnlich ist es mit der Gasrechnung, da ist trotz weniger Abnahme der Abbuchungsbetrag kontinuierlich nach oben gegangen. Beim Strom bin ich momentan bei 110 Euro, doch die Kurve geht bekanntlich demnächst stark nach oben. Über die Gasrechnung will ich lieber nicht nachdenken, denn der neue Lieferer will im jetzt vorliegenden Vertrag mtl. 46,00 Euro mehr abbuchen, als in seinem Angebot die Rede war... Unsereiner ist in die Jahre gekommen, hat keine großen Anschaffungen mehr zu leisten und auch keine hochtrabenden Urlaubspläne. Man kann sich einschränken. Aber wenn man da an jüngere Menschen denkt, die keine 1000 Euro netto haben, oder an Familien um 2000 Euro Budget und mehreren Kindern - dann wird einem um deren Zukunft Angst und Bange.

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