Teure Bohne Kaffeepreise auf Rekordniveau

Die Preise am Kaffeemarkt steigen weiter an. Gründe: Schlechte Ernten und erhöhter Konsum. Tchibo erhöht jetzt zum zweiten Mal in weniger als einem Jahr die Preise. Erwartet wird, dass auch andere Anbieter nachziehen.

Kaffeebohnen
Deutschland ist Kaffeetrinker-Land: 168 Liter Kaffee pro Kopf tranken die Deutschen 2020. Bildrechte: Colourbox.de

Kaffee wird zum Luxusgut

Bis vor zwei Jahren war Kaffee noch historisch günstig. Laut ICO, der "International Coffee Organization", kostete das durchschnittliche Pfund (ca. 450 Gramm) im Oktober nur 105,85 Dollar-Cent. Dieser Preis hat sich inzwischen fast verdoppelt. Ca. 205 Dollar-Cent zahlt man nun pro Pfund. Die Kaffeeröstereien müssen jetzt dem anhaltenden Trend begegnen.

Für Tchibo, den marktführenden Kaffeeröster in Deutschland, bedeutet das: Nach der letzten Preiserhöhung im Juni 2021 wird der Kaffee nun nochmals teurer. "Seit Sommer letzten Jahres sind die Preise für Rohkaffee erneut um 50% gestiegen. Wir haben lange gezögert, unsere Verkaufspreise anzupassen. Nun müssen auch wir reagieren", begründet Tchibos Vorsitzender Geschäftsfüher Werner Weber den Preisanstieg. Um die erhöhten Produktionskosten auszugleichen, wird das Pfund voraussichtlich zwischen 50 und 130 Euro-Cent teurer. Für ein Paket "Feine Milde" müssen Kunden ab Montag 6,99 Euro berappen. Nach der letzten Erhöhung lag der Preis noch bei 5,69 Euro.

Tchibo-Signal ist wie ein Frühwarnsystem

Dass Tchibo seine Preise erhöht, ist eine Art Warnsignal der gesamten Branche. Allgemein gilt: Wenn Tchibo teurer wird, lassen die anderen Anbieter nicht lange auf sich warten. Da das Unternehmen direkter in die Preisgestaltung involviert ist, kommuniziert es in der Regel seine Preispolitik transparent und direkt. Möglich ist das aber nur, weil der Konzern den finalen Preis seiner Produkte selbst festlegen kann. Denn der Konzern betreibt eigene Filialen, in denen der selbst geröstete Kaffee an den Endkunden verkauft wird.

Andere Röstereien haben verschiedene Abnehmer: zum Beispiel Supermärkte. Diese treffen dann die  Entscheidung darüber, wie teuer sie den Kaffee letztendlich anbieten. Auch wenn sich diese bisher nicht konkret zu dem Thema geäußert haben, ist davon auszugehen, dass sie dem Beispiel Tchibos folgen werden. Auch im letzten Jahr zogen andere Anbieter ihre Preise anschließend an. Der Preis stieg damals durchschnittlich auf rund einen Euro mehr pro Pfund.

Schlechte Ernten sorgen für Kaffeemangel

Die Gründe für den Preisanstieg beim Kaffee sind vielseitig. Die Hauptursachen sind aber die schlechte Ernten im größten Erzeugerland Brasilien. Seit dem letzten Jahr sorgten Dürren und danach starker Frost für Einbrüche im Ertrag. Auch andere Erzeuger wie Kolumbien waren betroffen. Nur knapp 48 Millionen Säcke Kaffee wurden letztes Jahr in Brasilien geerntet. Bei 60 Kilogramm Kaffee je Sack sind das fast 2,9 Millionen Tonne Kaffee. Doch damit blieb man weit hinter der Rekordernte von 2020 zurück. Damals waren es 63 Millionen Säcke. 

Durch den starken Frost mussten zudem viele Kaffeepflanzen gerodet werden. Das ist ein herber Rückschlag für die Erzeuger, da die Pflanzen nicht unmittelbar ersetzt werden können. Fünf Jahre braucht eine Kaffeepflanze, um bewirtschaftet werden zu können. Obwohl die Prognose für die Kaffee-Ernte 2022 positiver ausfiel, könnte das Wetter erneut Probleme bereiten. Statt Dürren könnten nun erhebliche Niederschlagsmengen dem Kaffee zu schaffen machen. Allgemein gilt Kaffee als äußerst sensible Pflanze und ist daher eher von Klimaschwankungen betroffen.

Verarbeitung durch Lieferengpässe teurer

Verarbeitet wird der Kaffee nicht im Kaffeegürtel um den Äquator. Dafür legt er zahlreiche Kilometer zurück, um in einer Rösterei in Nordamerika oder Europa zu dem Produkt zu werden, das wir aus dem Regal kennen. Genauso wie der Rest der Wirtschaft, war so auch Kaffee von den Lieferengpässen und Logistikschwierigkeiten der Corona-Pandemie betroffen. Auch das hat zu den höheren Produktionskosten beigetragen.

Preisrekord: Arabica

Besonders betroffen von den höheren Preisen ist die Lieblings-Bohne der Deutschen: Arabica. Ein Pfund des milden Kaffees kostet aktuell 230 Dollar-Cent – wenn er aus Brasilien kommt. Aus Kolumbien kostet die selbe Menge fast drei Dollar! Anfang 2021 belief sich der Preis noch auf 120 Dollar-Cent das Pfund. Damit hat der Preis für die Arabica-Bohne ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht.

Deutschland ist Kaffeetrinker-Land

168 Liter Kaffee pro Kopf tranken die Deutschen 2020. Das Getränk ist laut ICO sogar beliebter als Bier und Mineralwasser. Auch weltweit steigt der Bedarf am schwarzen Muntermacher weiter an. Doch wie wahrscheinlich ist es da, dass der Preis für Kaffee wieder sinkt? Laut Finn Ole Semrau vom Kieler Institut für Weltwirtschaft, IFW, gibt es Hoffnung: "Supermärkte und Händler haben in der Vergangenheit sowohl Preisreduktionen als auch Steigerungen weitergegeben."

Sollte sich die Lage am Markt also wieder entspannen, können Verbraucher ihren Kaffee also vielleicht auch wieder zu günstigeren Preisen genießen. Sollten jedoch weiterhin Missernten und und erhöhte Nachfrage zusammen wirken, könnte es mit der Preisspirale allerdings weiter aufwärts gehen. 



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