Vertrag geschlossen Katar liefert Flüssiggas nach Deutschland

Während im Golf-Emirat Katar die Fußball-Weltmeisterschaft läuft, hat der Energieminister des Landes den Abschluss eines mittelfristigen Vertrags über Flüssiggas-Lieferungen (LNG) nach Deutschland bekannt gegeben.

Ein Tanker für Flüssiggas liegt an einem Dock.
Katar hat ein Abkommen über Gaslieferungen nach Deutschland bekannt gegeben. Bildrechte: Ken Hodge / Flickr CC BY 2.0

Der Energie-Konzern Qatar Energy hat nach Angaben von Katars Energieminister Saad Scharida al-Kaabie ein Abkommen über Flüssiggas-Lieferungen nach Deutschland abgeschlossen. Das Gas solle an das US-Unternehmen Conoco Phillips verkauft werden, das es dann weiter nach Brunsbüttel bringe, sagte der Minister am Dienstag in der katarischen Hauptstadt Doha. Die Lieferung soll demnach 2026 beginnen und dann mindestens 15 Jahre jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen umfassen.

Qatar Energy sei mit Unternehmen über weitere Lieferungen im Gespräch, erklärte al-Kaabi: "Wir haben gute Beziehungen zu deutschen Unternehmen und zur deutschen Regierung." Im März hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eine Energiepartnerschaft mit Katar vereinbart, doch konkrete Ergebnisse ließen danach längere Zeit auf sich warten.

Deutschland versucht, ausbleibende Erdgasas-Lieferungen aus Russland unter anderem mit LNG-Lieferungen zu ersetzen, für die an Nord- und Ostsee mehrere Terminals gebaut werden.

Geschäft sorgt für Kritik

Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, sagte, Lieferungen ab 2026 hülfen nicht in der gegenwärtigen Krise. Zudem schaffe der Deal mit seiner Laufzeit über 15 Jahre eine neue langfristige Abhängigkeit.

Ähnlich argumentierte Linken-Vize Lorenz Gösta Beutin. Die Bundesregierung verbaue sich und nachfolgenden Regierungen gerade jede Chance, die Klimakrise noch rechtzeitig zu stoppen.

Dagegen nannte die Gaswirtschaft das Abkommen ein positives Signal. Der Vorstand des Branchenverbands, Timm Kehler, sagte, es werde eine gute Perspektive für landbasierte LNG-Terminals eröffnet. Sie seien für einen späteren Umstieg auf grüne Gase von elementarer Bedeutung.

Langfristige Bindung an China

Katar ist einer der größten Exporteure von Flüssiggas. Das Emirat verfügt nach Russland und dem Iran über die drittgrößten Gasreserven weltweit und teilt sich mit dem Iran im Persischen Golf das weltweit größte Gasfeld.

Robert Habeck (l, Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, und Saad Scharida al-Kaabi, Energieminister von Katar, treffen sich im Hotel Sheraton zu einem Gespräch.
Habeck bei seinem Treffen mit Katars Energieminister al-Kaabi im März Bildrechte: dpa

Bisher geht der größte Teil des Exports nach Asien, vor allem nach Japan, Südkorea und Indien, aber auch nach Australien, Malaysia und Nigeria. Zuletzt hatten Qatar Energy und der chinesische Konzern Sinopec ein Abkommen über 27 Jahre und insgesamt 108 Millionen Tonnen Flüssiggas unterzeichnet. Katar wünscht sich eher solche langfristigen Verträge.

Neue LNG-Terminals in Deutschland

Die ersten deutschen LNG-Terminals stehen kurz vor dem Start. Die deutschen Gasspeicher sind aktuell zwar nahezu voll. Verflüssigtes Erdgas soll jedoch einen zusätzlichen Beitrag leisten. Wirtschaftsminister Habeck sprach von einem "zentralen Baustein für die Sicherung unserer Energieversorgung im kommenden Winter". Bisher erhalten Deutschland und andere EU-Länder das vorwiegend vor den Küsten und in den Häfen der Niederlande, Belgien und Frankreich abgeladene LNG vor allem aus den USA.

mit dpa/AFP (ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. November 2022 | 09:30 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Blick aus einem Kleinflugzeug auf die mächtigen Wasserdampfsäulen, die aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG im brandenburgischen Jänschwalde (Spree-Neiߟe) in den Himmel aufsteigen 4 min
Bildrechte: dpa

Mehr aus Deutschland