Investoren Kein Kapital für Start-ups: Innovative Unternehmen wandern ab

In Deutschland fehlt es an Kapital für Start-ups, die Folge: Innovative Unternehmen wandern in die USA ab. So geschehen auch beim Dresdner Start-up Gemeoab, das gerade an einem neuen Krebsmedikament forscht. Finanziert wird das Projekt von einem amerikanischen Investor, wodurch die Pharmafirma ihren Sitz künftig in den USA haben wird. Ein deutscher Investor war einfach nicht zu finden. Woran liegt das?

Pipette mit Proben
Das Dresdner Start-up Gemoab forscht an einem neuen Krebsmedikament. Bildrechte: colourbox

Es ist eine Idee, die Krebspatienten das Leben retten könnte: gentechnisch veränderte Immunzellen. Sie können Krebs erkennen und zerstören.

Dresdner Start-up forscht an neuer Krebstherapie

An solchen sogenannten CAR-T-Zell-Therapien arbeitet das Dresdner Start-up Gemoab. Viele Jahre hat Armin Ehninger dort geforscht und kann nun auf vielversprechende Studien verweisen: "Während Chemotherapie sehr ungezielt ist und alle sich teilenden Zellen im Körper abtötet, haben wir es hier mit sehr zielgerichteten Therapien zu tun. Das würde bedeuten, dass Patienten, die alle verfügbaren Therapien bereits erhalten haben, eine Chance auf eine deutliche Lebensverlängerung bekämen und möglicherweise auch eine Heilung."

Daran will Gemoab weiter forschen, die Therapie an Kliniken anbieten. Doch dafür benötigt das Unternehmen Geld, Risikokapital, das bei Erfolg große Gewinne verspricht, bei Misserfolg aber auch verloren sein kann. Doch die Suche danach war kompliziert, sagt Gemoab-Gründer Gerhard Ehninger: "Leider ist es so, wir haben über lange Zeit in Europa Kapital gesucht und nicht gefunden. Und in den USA war das Geschäft innerhalb von fünf Monaten abgeschlossen."

Amerikanische Inverstmentgesellschaft investiert 250 Millionen Dollar

Die amerikanische Investmtentgesellschaft Blackstone ist bei Gemoab eingestiegen. Sie gibt 250 Millionen Dollar, um ein Pharma-Unternehmen aufzubauen. Das wird dann allerdings nicht in Sachsen sitzen, sondern in den USA. Denn wer das Geld gibt, kann auch entscheiden. Nur die Forschung soll in Dresden bleiben. Gerhard Ehninger: "Es war das Ziel gewesen, der Traum, dass wir einen Börsengang aus Sachsen heraus, aus Dresden machen. Das ist uns jetzt versperrt. Das wird ein Börsengang in New York sein, aus Boston heraus. Und das mag auch als Modell dafür dienen: Wenn wir nicht mehr investieren, wird es nie eine Company geben, die ihren Börsengang aus Dresden heraus macht."

Deutsche Investoren weniger risikobereit

Tatsächlich beklagen viele Gründer, die Suche nach risikobereiten Investoren in Deutschland sei schwer. In den USA flossen vergangenes Jahr 148 Milliarden Dollar an Risikokapital in Gründungen, in Deutschland nur knapp acht Milliarden.

Eric Weber, der am SpinLab der Handelshochschule Leipzig Gründer betreut, überrascht das nicht: "Generell ist zu sagen, dass US-amerikanische Fonds einfach ein viel größeres Fondsvolumen in den letzten Jahrzehnten aufbauen konnten, sodass es für diese Fonds einfacher ist, größere Finanzierungsrunden zu stemmen. Das liegt insbesondere daran, dass die Wagniskapitalszene in den USA schon vor einigen Jahrzehnten entstanden ist und in Deutschland und Europa halt einige Jahre später."

Start-up-Szene hofft auf neue Bundesregierung

Dass es in Deutschland weniger Risikokapital gibt, mag auch an Risikoscheu liegen. Neun von zehn Start-ups gehen pleite, nur eins startet womöglich richtig durch. Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle sagt, auch Börsengänge seien für Start-ups in Deutschland nicht leicht. "Wer kauft denn solche Aktien von so einem Start-up, das gerade an die Börse gegangen ist? Pensionsfonds gibt es in Deutschland nicht. Universitätsstiftungen wie Harvard, Stanford und so weiter sind die größten Investoren in solche Start-ups. Gibt es in Deutschland auch nicht. Es gibt in Deutschland am Ende nur Versicherungen."

Doch die dürfen aufgrund gesetzlicher Vorgaben nur einen gewissen Teil ihres Kapitals in riskante Start-ups stecken. Die Gründer-Szene hofft deshalb auf die nächste Bundesregierung. Im Sondierungspapier haben SPD, Grüne und FDP vereinbart, die Möglichkeiten der Start-up-Finanzierung zu verbessern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Oktober 2021 | 08:53 Uhr

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