Corona-Maßnahmen Leipziger Kosmetikerin muss erneut Studio schließen

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

"Wellenbrecher" nennt die sächsische Regierung die Einschränkungen im öffentlichen Leben, die seit Montag in Sachsen gelten. Für einige Menschen fühlt es sich wieder wie ein Lockdown an. Auch für Kosmetikerinnen, die nur noch sehr eingeschränkt arbeiten dürfen. MDR AKTUELL begleitet eine Kosmetikerin seit Beginn der Pandemie durch die Krise.

Beate Hertes
"Viele haben mittlerweile extreme Existenzängste", sagt Beate Hertes. Bildrechte: Ralf Geissler

Die Tür lässt sich noch öffnen zum Kosmetiksalon Benissimo in Leipzig. Doch Kunden sind keine da. In der Teeküche bastelt Inhaberin Beate Hertes mit ihren Angestellten Weihnachtsdeko. Behandeln dürfen sie seit Montag nur noch medizinisch notwendige Fälle.

"Naja, es fallen jetzt ungefähr 75 Prozent des normalen Geschäfts weg. Gestern war ein völlig verrückter, bekloppter Tag, weil ich nur besorgte Kolleginnen aus der Innung trösten musste, weil ich Mut machen musste. Weil ganz viele Existenzängste haben, extreme Existenzängste mittlerweile."

Unverständnis gegenüber neuen Maßnahmen

Hertes sitzt auf einem Stuhl im großen Behandlungszimmer. Sie ist inzwischen Vize-Chefin der Leipziger Kosmetiker-Innung. Dort verstehe kaum jemand, warum die Corona-Welle ausgerechnet an den Kosmetiksalons gebrochen werden soll.

"Es gibt nicht einen Fall, der mir bekannt ist, dass in irgendeinem Kosmetiksalon eine Ansteckung passiert wäre. Wenn die Kollegen erkrankt waren, haben sie sich außerhalb angesteckt. Und mit den Maßnahmen jetzt glaube ich nicht, dass wir irgendetwas erreichen, außer, wie bei mir, die Frustration zu steigern."

Erneut Kurzarbeit

Ihre fünf Angestellten hat Hertes mal wieder in Kurzarbeit geschickt. Bis auf einen: Ramon Jäckel. Den hat sie erst im November eingestellt. Der 36-Jährige war auch mal selbständig, hatte vor der Pandemie seinen Salon vergrößert. Dann kamen die Lockdowns und er gab auf. Als Angestellter wollte er wieder durchstarten. Das geht nun nur begrenzt.

"Es ist erschreckend, weil ich neu angefangen habe. Trotzdem nutze ich natürlich die Chance, die ganzen Abläufe im Studio zu lernen, und die ganzen Produkte kennenzulernen."

Angesichts der Lage versprüht Jäckel verblüffend gute Laune. Eine Sache wurmt ihn aber doch: "Ich habe mich darüber geärgert, dass Haareschneiden wichtiger ist als eine gesunde Haut."

Friseursalons hingegen offen

Dass die Friseure weiterhin öffnen dürfen, die Kosmetiker aber nicht, war schon beim letzten Lockdown Thema. Beide würden doch eng am Menschen arbeiten, sagt Beate Hertes. Sie lehnt sich mit einem Seufzer zurück. Neben ihr steht das neue Gerät zur Hautanalyse, das nun erst einmal ausgeschaltet bleibt.

"Ich glaube, unser Beruf wird komplett verkannt. Wir werden ganz oft dargestellt als Schminktussis, die da so ein bisschen in die Creme-Töpfchen langen. Was wir alles wissen müssen über Hautzustände und dass wir überhaupt am größten Körperorgan des Menschen arbeiten und für dessen Gesunderhaltung sorgen, dass wird relativ häufig ignoriert, vor allem auch von der Politik."

Die nächsten Tage wird Hertes wieder Lockdown-Programm machen: Mit Kunden telefonieren. Sich über Hilfen informieren. Pflegeprodukte verkaufen – im Laden, der noch öffnen darf. Hoffnung, dass der Wellenbrecher Mitte Dezember vorüber sein wird, hat die Unternehmerin kaum. Die scheidende Bundesregierung habe ja schon die Hilfsgelder bis Ende März freigegeben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. November 2021 | 06:00 Uhr

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