Wirtschaftswissenschaftler Klimawandel bedroht das Wirtschaftswachstum

In der vergangenen Woche hat ein Investment-Banker der britischen Großbank HSBC Medienberichten zufolge seinen Job verloren, weil er öffentlich erklärte, der Klimawandel habe keinen Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaft. Die Bank erklärte, sie sei anderer Ansicht. Welchen Einfluss hat die Klimakrise tatsächlich auf die Wirtschaft?

Das Kraftwerk Niederaußem von der RWE Power.
Sinnbild für die Erderwärmung: Kohle-Kraftwerke. Welchen Einfluss hat aber der Klimawandel auf die Entwicklung er Wirtschaft? Bildrechte: actionpress/

Infolge der Klimaerwärmung wird die Wirtschaftskraft abnehmen. Das sagt der Klimaökonom Raimund Schwarze vom Umweltforschungszentrum in Leipzig. Gemessen werde die Wirtschaftskraft am weltweiten Wirtschaftswachstum. Und das könne im schlimmsten Fall um rund vier bis fünf Prozentpunkte zurückgehen. Der Wirtschaftsprofessor erklärt: "Der Klimawandel als Jahrhunderte langer Prozess wird dazu führen, dass wir über lange Strecken keine Zuwächse mehr haben, aber auf hohem Niveau weiter produzieren. Die Welt geht nicht unter, aber sie wird ärmer werden."

Die Welt geht nicht unter, aber sie wird ärmer werden.

Raimund Schwarze, Umweltforschungszentrum Leipzig

In jedem Fall werde es enorme Kosten verursachen, sich an das sich ändernde Klima anzupassen und etwa Küsten vor Überschwemmung zu schützen, sagt Schwarze. Doch je weniger Erwärmung, desto weniger Kosten.

Weimann: Wirtschaft wächst trotz Klimawandel weiter

Der Wirtschafts-Professor Joachim Weimann von der Universität Magdeburg meint, auch mit dem Klimawandel werde die Weltwirtschaft in Zukunft weiterwachsen. Allerdings werde es durchaus ökomische Verluste geben. Einer bestehe darin, "dass zukünftige Generationen weniger an Einkommen haben, als sie könnten, wenn wir den Klimawandel nicht hätten".

Wie hoch dieser Verlust sein wird, hänge davon ab, wie stark das Klima sich erwärmt. Wenn es gelinge, die Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, dann seien die Wachstumseinbußen zwar noch vorhanden, fielen aber relativ gering aus, so Weimann.

Regionale Unterschiede in den Auswirkungen

Weimann ergänzt: "Wobei man natürlich berücksichtigen muss, dass die sich nicht gleichmäßig über die Welt verteilen, sondern die werden in bestimmten Regionen deutlich stärker ausfallen, in anderen Regionen deutlich schwächer." Der Professor erklärt: "Bei uns werden die Klimafolgen nicht so radikal sein, dass wir mit erheblichen Kosten rechnen müssen, aber in der südlichen Hemisphäre sieht das unter Umständen schon ganz anders aus."

Aber auch bei uns müssen wir künftig Klimaschäden einpreisen, wie etwa die Folgen von Überflutungen wie der im Ahrtal, erläutert die Klima-Ökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Andererseits brächten Investitionen in klimafreundliche Technologien auch Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Diese Abwägung sei es, um die es bei der Frage nach den wirtschaftlichen Folgewirkungen der Klimakrise gehe.

Kemfert: Isolierter Blick auf Wachstum wenig sinnvoll

Allerdings hält Kemfert es für wenig sinnvoll, sich isoliert auf die Frage nach dem Wirtschaftswachstum zu konzentrieren: "Die Auswirkungen auf das Wachstum ist eben ein sehr reduzierter Blick auf die Dinge, wenn jetzt ganze Regionen unbewohnbar werden, wirkt das dann negativ auf bestimmte Bereiche, die jetzt vielleicht nicht so das große Bruttosozialprodukt haben. Und umgekehrt eben auch, wenn jetzt die Industriestaaten investieren beispielsweise in Klimaschutz, wirkt das dann wieder eher positiv für die Wirtschaft." Der Fokus allein auf das Wirtschaftswachstum sei also nicht aussagekräftig.

Der Blick auf globale Wachstumsszenarien sei auch eher etwas für die wissenschaftliche Diskussion, ergänzt Kemfert. Die Allgemeinheit dagegen müsse ins Handeln kommen. Denn Fakt sei, dass auf einem unbewohnbaren Planeten überhaupt keine Wirtschaft mehr funktionieren könne.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Mai 2022 | 08:54 Uhr

50 Kommentare

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Hallo Anni
Natürlich ist Papier geduldig und Ziele werden nicht immer umgesetzt. Das gilt nicht nur für andere Staaten. Das gilt natürlich auch für Deutschland. Und alle Staaten machen da Fehler. Auch Deutschland. Dafür gibt es die Weltklimakonferenz. Es ist jedenfalls nicht so das Deutschland den Vorreiter spielt und alle anderen tun nichts.

Anni22 vor 4 Wochen

@ Eule Sie müssen nur mal 2 Dinge verstehen. 1. Papier ist geduldig und Ziele werden nicht immer umgesetzt und 2. selbst Strom aus Erneuerbaren rettet nicht die Umwelt und das Klima. (sonstwäre Brasilien nämlich eigentlich ein Klimavorreiter, aber wie Sie wohl wissen, ist das Gegenteil der Fall. Trotz ca 80 % Strom aus Erneuerbaren (Wasserkraft in Brasilien), wird der Regenwald abgebrannt und weiter "fossile" Energie verkauft.

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Von welche Fakten sprechen sie? Ich sehe bei ihnen keine sachlich neutralen Fakten.
Und die Freitagshüpfer schweigen nicht. Schließlich gib t es auch in China FFF.
Weiter geht es hier um die C02 Bilanz seit der ersten industriellen Revolution und nicht um die alten Germanen.
Da sieht man doch gleich was für einen Stuss sie schreiben.

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