Leipzig Kosmetikerin im zweiten Lockdown: Angst um Existenz

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Deutschland im zweiten Lockdown: Die meisten Geschäfte sind geschlossen, Feiern nur eingeschränkt möglich und Kulturveranstaltungen finden gar nicht mehr statt. So haben sich wohl die wenigsten die Vorweihnachtszeit vorgestellt. MDR AKTUELL begleitet schon seit März die Leipziger Unternehmerin Beate Hertes durch die Krise. Wie kommt sie nun mit den verschärften Maßnahmen klar?

Kosmetikerin Beate Hertes
Kosmetikerin Beate Hertes versucht trotz des zweiten Lockdowns optimistisch zu bleiben. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Es ist Mitte Dezember. Beate Hertes sitzt allein in ihrem Kosmetiksalon Bennissimo. Ihre sechs Mitarbeiterinnen, die sie noch im November in der Hoffnung auf schnelle Staatshilfe weiter bezahlt hatte, sind wieder in Kurzarbeit.

Warten auf die staatliche Novemberhilfe

Hertes prüft mehrfach täglich ihren Kontostand. Noch immer wartet sie auf die staatliche Novemberhilfe.

Ich habe nicht einen Cent erhalten.

Beate Hertes Kosmetikerin

Außer der Bestätigung von der Sächsischen Aufbaubank, dass der Antrag eingegangen sei, habe sie nichts weiter gehört. "Und das ist natürlich jetzt, wenn der Dezemberlohn beziehungsweise das Kurzarbeitergeld vorgestreckt werden muss, sehr kritisch. Also im Moment kann ich kein Kurzarbeitergeld zahlen, ich muss mir dazu irgendwo Geld borgen."

Angst um die Existenz

Hertes Optimismus ist verflogen. Die 58-Jährige, die bislang bei jeder Krisennachricht sagte, wir packen das schon, wirkt geknickt. Sie seufzt, dass ja selbst die Politik nicht wisse, wann sie wieder öffnen dürfe.

Und sie bezweifelt den Sinn der massiven Einschränkungen: "Also ich bin überzeugt, dass weder die kleinen Händler noch wir die Hotspots sind. Es hat jeder auf Abstandsregeln geachtet, auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen insgesamt. Und ich habe Angst, dass man jetzt den kleinen lokalen Handel kaputt macht. Und dass wir am Ende des nächsten Jahres durch leere Straßen mit verschlossenen Schaufenstern laufen."

Kritik an der Politik

Um die Laune zu heben, kommt ihre Kollegin Birgit Pfundt-Hering vorbei. Auf einen Schwatz. Auch sie betreibt einen Kosmetiksalon. Die beiden Frauen plaudern über die in der Pandemie rasant gestiegenen Preise für Latex-Handschuhe, die sie als Kosmetikerinnen benötigen. Normalerweise kostet das Päckchen sieben Euro. Inzwischen zahle man für ein Hunderterpack aber mindestens 12 Euro, erzählt Pfundt-Hering. "Aber das Problem ist", ergänzt Hertes, "und das ist wieder: Wo kommen die Handschuhe her? Einmal darf man raten. Immer noch aus China."

Die beiden Frauen sind sich einig: Die Politik habe es im Sommer versäumt, das Land auf die zweite Corona-Welle vorzubereiten. Und es fehle ihr an kreativen Ideen: "Warum ist das eigentlich so, wenn die sagen: Die Gesundheitsämter sind so überlastet. Ich weiß nicht, wie viele Kosmetikerinnen zu Hause sitzen und froh wären, wenn sie angesprochen würden, dass sie vielleicht im Gesundheitsamt helfen könnten."

Hertes denkt dabei vor allem an ihre Angestellten. Sie selbst hat noch genug zu tun. Sie liefert Kosmetik frei Haus, hat sich gerade zur Vize-Obermeisterin ihrer Innung wählen lassen. Als sie das erzählt, wirkt sie doch wieder unternehmungslustig.

Mit Zweckoptimismus in die Weihnachtsferien

Hertes sagt, sie verbiete sich jetzt, negativ zu denken. "Wenn wir nur noch denken würden, wir machen eh bis März nicht auf. Dann strahle ich das für mich selber aus. Das bremst mich, dann habe ich ja gar keine Lust mehr irgendwas zu machen. Und dann muss ich auch meine Mitarbeiter motivieren. Die hängen durch. Ich habe ja auch eine Verantwortung als Unternehmerin für meine Mitarbeiter."

Hertes geht mit Zweckoptimismus in die Weihnachtsferien. Sie schaut noch einmal auf ihr Konto. Die Novemberhilfe ist immer noch nicht da.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Dezember 2020 | 05:52 Uhr

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