Online-Shopping Gibt es bald keine kostenlosen Retouren mehr?

Raja Kraus, Autorin, Reporterin
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Mit wenigen Klicks bestellen, zuhause anprobieren und was nicht sitzt oder gefällt einfach wieder zurückschicken – umsonst. Das ist bisher bei den meisten Modeversandhändlern gängige Praxis. Doch das könnte sich ändern: Zara und Uniqlo haben ihre Gratis-Retouren in Deutschland bereits gestrichen und der Bundesverband des Versandhandels rechnet damit, dass damit das Ende der kostenlosen Retouren im Modeversand bevorsteht.

Das Wort 'Retoure' steht auf dem Retourenaufkleber eines in Folie verpackten Päckchens.
Immer mehr Versandhändler verzichten auf kostenlose Retouren. Bildrechte: dpa

Der Modeversand Zalando hat lange mit dem Slogan "Schrei vor Glück oder schick es zurück" geworben. Kostenlose Retouren gehören im Mode-Online-Handel eigentlich zum Standard, sagt Marco Atzberger. Er ist am Kölner Handelsforschungsinstitut EHI Mitglied der Geschäftsleitung. "Der Kunde möchte eigentlich die Ware ausprobieren, er möchte sie sich wirklich anschauen und dann sendet er sie zurück. Die Entscheidung zum Kauf findet eigentlich erst im Wohnzimmer statt und nicht, wenn man auf den Kauf-Button beim Shop klickt." Gerade in Deutschland sei die Zahl der Retouren hoch. Auch weil hier im Vergleich zu anderen Ländern besonders viel auf Rechnung gekauft werde. Das Geld ist also noch nicht weg, wenn das Paket zuhause ankommt.

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Hohe Preise beim Zurückschicken einer Ware

Der reale Preis einer Retoure liege bei 15 bis 20 Euro, sagt Atzberger. 2,95 Euro kostet die Retoure bei Uniqlo, 1,95 Euro bei Zara. "Die jetzt eingeführten Retouren sind nur ein Bruchteil der Kosten, die tatsächlich entstehen. Das ist ja nicht nur der Paketversand, das ist auch die Wiederaufbereitung der Ware oder teilweise kann die Ware gar nicht wiederaufbereitet werden, weil sie eben schon gebraucht wurde. Insofern ist das jetzt ein Herantasten an ein Thema, das bisher zu heiß schien für den Handel." Man probiere jetzt vorsichtig aus, wie die Kundschaft reagiere. Atzberger glaubt: Wenn es funktioniert, zieht die gesamte Modebranche nach.

Retouren nur gegen eine Gebühr

Davon könnte dann auch der stationäre Handel profitieren, hofft René Glaser, Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Sachsen: "Wenn man jetzt im Online-Handel aufgrund der gestiegenen Preise flächendeckend für die Retouren Gebühren verlangt, dann kann es durchaus sein, dass sich der ein oder andere Kunde mehr für den Kauf im stationären Handel entscheidet."

Axel Augustin, Sprecher des Handelsverbands Textil, Schuhe, Lederwaren sagt: Dem Onlinehandel geht es darum, die teuren Retouren einzudämmen. "Je höher die Retouren sind, je eher gehe ich ins Minus, was meine Erträge anbelangt. Diese 1,95 Euro haben vielleicht einen Anreiz für den Kunden, sich mehr Gedanken zu machen, ob er sich wirklich dieses oder jenes Teil bestellt." Augustin wundert es nicht, dass jetzt zunächst Eigenmarken diesen Schritt gehen. Sie hätten weniger Konkurrenz als sogenannte "Multilabler", wie Zalando, die alle möglichen Marken verkaufen. Ob die nachziehen werden, bleibe abzuwarten.

Wettbewerbsvorteile im Online-Handel

Erik Maier vom Lehrstuhl für Marketing und Handel an der Handelshochschule Leipzig glaubt nicht daran. Amazon, Otto, Zalando setzten die Industriestandards: "Da ist es wahrscheinlich, wenn die das nicht machen, dass auch die breite Masse es dann nicht machen wird. Und die Großen werden es vermutlich nicht machen, weil sie hoffen, zusätzliche Kunden von den Kleinen zu gewinnen, die sich die Retouren einfach nicht mehr leisten können und dann Kosten einführen müssen." Am Ende gehe es dann um Wettbewerbsvorteile: Wo gibt es noch Gratis-Retouren und wo nicht?

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 28. Mai 2022 | 08:07 Uhr

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