Strompreisbremse Biogasbranche fürchtet Abschöpfung ihrer Erlöse

Ralf Geißler - MDR-Wirtschaftsredakteur
Ralf Geißler - MDR-Wirtschaftsredakteur Bildrechte: mdr

Am ersten Januar kommt die Strompreisbremse. Das Geld, um die Maßnahme bezahlen zu können, will der Staat von Stromanbietern abschöpfen, die besonders hohe Einnahmen machen. Doch die Biogasbranche ist davon gar nicht begeistert, weil einige Betreiber dann nicht mehr kostendeckend arbeiten könnten.

Gär-Rest der Gülle liegt vor einer Biogasanlage.
Auch in der Biogasbranche sind die Produktionskosten stark gestiegen. Bildrechte: MDR: Andreas Dreißel

Man denkt ja, in so eine Biogasanlage kommt vor allem Abfall: Gülle, Mist, Stroh, vielleicht noch ein bisschen Mais. Das kann nicht viel kosten. Doch das sei falsch, sagt Thomas Balling. Er betreibt Biogasanlagen in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Für alles, was er darin vergäre, seien Preise und Transportkosten zuletzt gestiegen, erzählt Balling.

Doch der Strom, den er dann aus dem Biogas mache, solle künftig nur 27 Cent je Kilowattstunde bringen. Erlöse darüber hinaus wolle der Staat abschöpfen. Das Problem ist laut Balling, dass er durch die gestiegenen Produktionskosten dann fast nicht mehr kostendeckend arbeiten kann: "Wir würden ganz gezielt im Bereich von Verlust abgeschöpft werden. Es ist sicherlich richtig, dass der Staat etwas macht, um sogenannte Übergewinne abzuschöpfen, damit jeder seinen Beitrag leistet. Aber es kann doch nicht sein, dass man Energie produziert und dafür am Ende bestraft wird."

Anspannung bei Anlagen-Betreibern

Die gesamte Biogasbranche ist deswegen in Aufruhr. Auch Thomas Fritsch hofft, dass die Regierung den Gesetzentwurf zur Strompreisbremse nachbessert. Er leitet die Balance Erneuerbare Energien GmbH, eine Tochter des Erdgashändlers VNG. Das Unternehmen betreibt in Ostdeutschland fast 40 Biogasanlagen. Sie sind flexibel, können Ökostrom erzeugen, wenn Wind und Sonne gerade nicht liefern – was dann meist auch hohe Erlöse bringt.

Doch wenn diese Erlöse weitgehend abgeschöpft würden, sagt Fritsch, gebe es keinen Grund mehr, die Produktion an den Bedarf anzupassen. Wenn die Erlösabschöpfung in dem jetzt geplanten Rahmen komme, lohne es sich nicht mehr, flexibel mit den Anlagen zu arbeiten: "Ich habe vorn die erhöhten Aufwendungen und bekomme hinten die Erlöse weggeschnitten. Ich habe keine Rentabilität der Anlage mehr und fahre die Anlage nicht mehr, wie es der Markt bräuchte oder honorieren würde", erklärt Fritsch.

Netzstabilität könnte gefährdet werden

Dass Stromerzeugung und Bedarf weiter auseinanderfallen, befürchten auch noch andere. Christoph Günther betreibt im Chemiepark Leuna ein modernes Gaskraftwerk. Bislang profitierte es davon, dass der Staat Flexibilität belohnt. Für zügiges Hochfahren, um in einem regionalen Engpass die Stromnetze zu entlasten, gab es eine Extra-Prämie, die sogenannte dezentrale Einspeisevergütung. Doch auch diese soll für den Strompreisdeckel gestrichen werden.

Günther kann das nicht nachvollziehen: "Wir betreiben die Anlagen sehr flexibel und das wird auch durch die dezentrale Einspeisevergütung honoriert. Wenn diese künftig nicht mehr gezahlt wird, dann fällt die Anreizwirkung weg. Und das wird dazu führen, dass unsere Anlagen und auch die Anlagen von diversen anderen Einspeisern dann in einer Situation, wenn die Last besonders hoch ist, nicht zur Verfügung stehen." Das könne die Netzstabilität gefährden.

Nun ist es nicht überraschend, dass Unternehmer sich beschweren, wenn der Staat ihnen Geld wegnehmen will. Doch die Beschwerden sind offenbar nicht ganz unbegründet, sie finden in der Politik Gehör. Bei der ersten Lesung des Gesetzes zur Strompreisbremse beteuerten vergangene Woche selbst Vertreter der Regierungsparteien, man müsse da nochmal ran – zumindest bei den Erlösen für Biogasanlagen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichrtenradio | 05. Dezember 2022 | 06:00 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland