Geschlechtsbestimmung im Ei Hühnerzüchter wollen durch Technologie Kükentöten vermeiden

Ab dem 1. Januar darf in Deutschland kein männliches Eintagsküken mehr getötet werden. Das Gesetz dazu hat die Bundesregierung vergangenen Sommer beschlossen. Viele Jahre wurden Methoden gesucht, mit denen man das sogenannte Kükentöten überflüssig machen könnte. Doch für die Industrie hat sich vieles als unbrauchbar erwiesen. Wie wollen die Züchter nun die neue Regelung einhalten?

Ein gerade geschlüpftes Küken
Mit der frühzeitigen Geschlechtsbestimmung im Ei lässt sich das Kükentöten effektiv vermeiden – doch die Technologie ist noch nicht ausgereift. Bildrechte: imago images/SvetaVo

30 bis 40 Millionen Legehennenküken schlüpfen jährlich in Deutschland. Und etwa genauso viele Hahnenküken – die sind für den Markt allerdings überflüssig und damit ein Problem. Getötet werden dürfen sie jetzt nicht mehr. In den meisten Fällen werden die sogenannten Bruderhähne stattdessen aufgezogen. Immer noch besser, als sie am ersten Lebenstag zu töten, findet Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund: "Allerdings haben wir bei den Bruderhähnen wirklich das Problem, dass es aktuell keine Vorgaben gibt für die Haltung dieser Tiere und es gibt auch keine Vorgaben für die Schlachtung, und natürlich wird es auch mit den Kapazitäten eng, wenn jetzt auch noch die Hähne aufgezogen werden."

Zweinutzungshuhn bessere Alternative als Bruderhahnmast

Aus Sicht des Tierschutzbundes ist die beste Alternative aber das Zweinutzungshuhn. Das sind Rassen, bei denen sich die Henne zur Eierproduktion und die Hähne gleichzeitig zur Mast eignen. Für Züchterinnen und Züchter sei die Bruderhahnmast auch keine sinnvolle Lösung, sagt Henner Schönecke, Vorsitzender des Bundesverband Ei: "Es hat ja einen Grund gehabt, warum wir die Eintagsküken weltweit töten: Weil der männliche Mitschlüpfer eine sehr schlechte Futterverwertung hat, macht das nachhaltig eigentlich nicht so viel Sinn, den mit aufzuziehen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass wir da überlegen, wo wir hingehen können, und deshalb ist der technologische Weg der richtige."

Mit dem technologischen Weg meint er die Geschlechtsbestimmung im Ei. Die macht es möglich, die männlichen Bruteier auszusortieren. Sie werden dann zu Tierfutter verarbeitet. Ein Verfahren dazu wurde vom Unternehmen Respeggt entwickelt, bei dem Ludger Breloh Geschäftsführer ist. Noch sei die Kapazität nicht sehr groß, erklärt er. Bei etwa 20 Prozent der Eier ohne Kükentöten komme die Technologie aktuell zum Einsatz. "Wir werden aber im kommenden Jahr, also in 2022, unsere Kapazitäten erheblich ausbauen können und wollen, sodass man davon ausgehen kann, dass zukünftig die Geschlechtsbestimmungen der Bruteier das wesentliche Verfahren sein wird, um das Kükentöten zu eliminieren."

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Noch keine Technologie für frühzeitige Geschlechtsbestimmung

Henner Schönecke vom Bundesverband Ei bereite das neue Gesetz trotzdem Kopfzerbrechen, sagt er. Denn dort steht auch, dass die Geschlechtsbestimmung ab 2024 schon vor dem siebten Bruttag stattfinden muss. Dafür gebe es derzeit aber noch keine marktreife Technologie.

Hier müsse die Forschung vorangehen. "Verfahren, die sehr früh sind, am vierten Bruttag, die stecken zur Zeit in der Entwicklung fest. Die wollen gerne mehr Fördergelder haben und bekommen sie nicht, und da hoffe ich sehr auf unseren neuen Landwirtschaftsminister, der das mit sehr viel Engagement weiter betreibt und da Fördergelder vergibt." Außerdem müssten die Verfahren, die jetzt im Einsatz sind, auch über das Datum hinaus gültig bleiben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

1 Kommentar

kleinerfrontkaempfer vor 25 Wochen

Zweinutzungshuhn, toller Name der Industrie für den unbedarften Verbraucher.
Bisher hatte man es mit Hybridhühnern zu tun. Eigens kreierte Züchtungen:
Einmal für die Fleischproduktion. Nimmersatte Schöpfungen die in Rekordzeiten sich das angestrebte Körpergewicht anfressen. Selbst wenn sie sich nicht mehr auf den Beinen halten können.
Dann die Eierleger. Ebensolche Produktionsmaschinen. Nach der Ausmusterung fein säuberlich in Tiefkühlkost (Keule, Flügel, Innereien) verarbeitet und zu Hunderttausenden Tonnen nach Afrika verschifft. Dort als billiges und trotzdem profitables Nahrungsmittel an den Mann gebracht. Tolle und typische Entwicklungshilfe der Industrieländer. Denn bescheidene Anfänge einer Vor-Ort Produktion der Afrikaner haben da wenig Chancen sich zu behaupten.
Und der europäische Verbraucher zahlt trotz dieses profitablen Kreislaufes weiter "viel zu billig" produzierte Lebensmittel. Mit zunehmend Verbraucherpreisen.

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