Landwirtschaft und Dürre Bauern in Sachsen-Anhalt erwägen künstliche Bewässerung der Felder

Der Mai bringt uns wieder ein bisschen Regen, aber: Die Dürre der vergangenen beiden Jahre ist mit den paar Tagen Niederschlag aber nicht erledigt. Das sagen Sachsen-Anhalts Bauern. Und auch der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt beispielsweise für große Teile Sachsen-Anhalts trotz des Regens feuerrot, was für außergewöhnliche Dürre steht. Eine Lösung könnte künstliche Beregnung sein.

Ein Mähdrescher erntet 2018 auf einem 40 Hektar großem Feld Winterweizen.
Sachsen-Anhalt, Leitzkau: Ein Mähdrescher erntet Winterweizen. Das anhaltende warme und trockene Wetter hat das Getreide früher reifen lassen. Bildrechte: dpa

Trockene Felder künstlich beregnen und damit die Ernte sichern – was in Südeuropa Normalität ist, wünscht sich auch der Bauernverband Sachsen-Anhalt gegen die Dürre. Olaf Feuerborn, der Präsident des Verbandes, sagt, das oberste Ziel der Bauern sei es, die Bevölkerung zu versorgen: In den letzten zwei Jahren habe man "enorme Probleme gehabt, unsere Erträge, die wir sonst üblicherweiese haben, überhaupt realisieren zu können." Das Wasser von oben habe gefehlt. Das betreffe auch die Niederschläge, die es sonst im Winter gebe und die sonst den Bodenvorrat auffüllten.

Künstliche Bewässerung lohnt sich nicht überall

Deswegen überlegten die Bauern immer mehr, wie künstliche Bewässerung die Erträge sichern könne, so Feuerborn:

Es ist nicht die Gesamtlösung und wir können auch nicht die gesamte Fläche in Sachsen-Anhalt mit Beregnung ausstatten. Das wird nicht überall funktionieren.

Olaf Feuerborn, Bauernverband Sachsen-Anhalt

Aber in Teilbereichen könne man schon dafür sorgen, dass mit der künstlichen Bewässerung Erträge und Qualitäten gesichert würden. Aus wirtschaftlicher Sicht komme das jedoch nur für Gemüse und Kartoffeln in Frage, erklärt Feuerborn. Getreide und Zuckerrüben brächten nicht genügend Gewinne ein. Eine künstliche Bewässerung lohnt sich da aktuell nicht. Zumal die Bewässerungsanlagen teuer sind.

Rechtliche Hürden

Auch Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert von den Grünen ist grundsätzlich offen für künstliche Bewässerung. Sachsen-Anhalt sei ein landwirtschaftlich geprägtes Land und damit müsse man umgehen. Dalbert zufolge müssen aber drei "Hausaufgaben" erfüllt werden: "Es muss geguckt werden, wo überhaupt Wasser da ist. Dann muss man die Wasserrechte regeln, sodass keiner benachteiligt wird, und dann muss man die Anlagen anschaffen oder Wasserrückhaltebecken bauen oder was eben in der jeweiligen Region für das jeweilige Bedürfnis angemessen ist." Das könne man dann auch fördern, ergänzt die Ministerin.

Die Wasserrechte sind in Sachsen-Anhalt zum Teil noch nicht besprochen. Nicht jeder Landwirt hat Zugang. Hier brauche es Absprache, sagt Ministerin Dalbert und guckt in Richtung der Landkreise: "Das heißt, wir brauchen auch Orte, wo über dieses Wasserrecht verhandelt wird. Also, wir brauchen Wasserverbände, Wasser- und Bodenverbände. Die müssen vor Ort gegründet werden in den Landkreisen, wo man sich austauschen kann und dann Regelungen trifft, die für alle gut sind, die am Wasser partizipieren müssen."

Man könne in Sachsen-Anhalt etwa die Unterhaltungsverbände aufweiten und denen eine zusätzliche Aufgabe geben, erklärt Dalbert. Erst wenn die Rechte geklärt seien, könne es jedenfalls eine Förderung geben. Diese Möglichkeiten habe das Land bisher nicht ergriffen, weil das nie Thema gewesen sei. Deshalb fehle bisher auch die notwendige Förderrichtlinie. Man könne eine solche Richtlinie aber natürlich ins Leben rufen, sagt die Ministerin. 20 Prozent könne das Land dann bei der Anschaffung von effizienten Bewässerungsanlagen übernehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Mai 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

elias vor 48 Wochen

Spannend. Am Ende der 11.Klasse 1986 haben wir ls Schüler 3 Wochen in der Produktion gearbeitet. Ich wurde einem Meliorationsbetrieb zugeteilt. Wir fuhren täglich auf die Felder, bauten Beregnung auf, bauten welche ab, setzten um. Nach dem Beitritt gabs das alles nicht mehr. Warum? Der Bauernverband sagt es: Es lohnt sich nicht immer und überall. Das ist genau die Denkweise, an der wir noch verhungern werden.

Arthur vor 48 Wochen

für CrizzleMyNizzle
Das Rückhaltebecken zur Beregnung am Schwarzbach bei Möseln wurde aufgegeben. Ein weiterer Speicher war am Zaschwitzbach bei Würschwitz. Dieser ist glaube ich vor 1990 funktionsunfähig geworden.
Die Bewässerungsanlagen um Schönbach bei Colditz werden sicherlich auch nicht mehr nutzbar sein. Noch genutzt wird die Anlage der Obstproduktion um Dürrweitzschen für Erdbeeren und Birnen.

CrizzleMyNizzle vor 48 Wochen

"Landauf, landab wurden nach dem Beitritt zur alten, gebrauchten BRD viele Stauseen und Wasserspeicher geschliffen."
Was wären Stichworte um sich dazu etwas mehr zu informieren? Höre ich zum ersten Mal.

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