Ökologische Landwirtschaft Mitteldeutsche Bauernvertreter loben Zukunftskommission

Die Bauernverbände in Mitteldeutschland wollen den ökologischen Umbau der Landwirtschaft mittragen. Der Hauptgeschäftsführer des sächsischen Bauernverbands, Uhlemann, sagte MDR AKTUELL, man habe nun die Einigung von Landwirten und Umweltverbänden in der Zukunftskommission. Daran müsse man sich auch halten. Das Schwarze-Peter-Spiel der Vergangenheit müsse endlich aufhören.

Noch 2019 waren sich die Landwirte, die Umweltschützer und die Politik gar nicht so grün. Gegen neue Auflagen für mehr Natur- und Tierschutz oder zum Schutz des Grundwassers vor Überdüngung hatten die Landwirte deutschlandweit protestiert. Insbesondere Familienbetriebe sahen ihre Existenz bedroht. Und jetzt?

Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

"Grundsätzlich denke ich, ist es wichtig, dass man sich geeinigt hat. Dieses Schwarze-Peter-Spiel der Vergangenheit muss endlich aufhören. Natürlich muss man sich dann auch an diese Einigung halten", sagt der Hauptgeschäftsführer des Sächsischen Landesbauernverbandes, Manfred Uhlemann – und meint damit den anstehenden Transformationsprozess der Landwirtschaft.

Dieser Transformationsprozess sei natürlich für die Landwirtschaft eine riesige Herausforderung und müsse auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen und umgesetzt werden. "Das heißt, wir sind als Gesellschaft, auch als Staat, in der Verantwortung für unsere Landwirtschaft, die am Ende auch die Kulturlandschaft in Sachsen so erhält, wie wir sie von unseren Vätern bekommen haben und an unsere Enkel übergeben wollen."

Bauern- und Umweltverbände wollen kooperieren

Und die Landwirtschaft muss tatsächlich einiges Schultern, sollte der Abschlussbericht der Zukunftskommission so umgesetzt werden. Subventionen an die Betriebe sollen künftig etwa an Klima- und Umweltschutz geknüpft werden, die Landwirtschaft soll einen aktiven Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten. Nutztiere sollen unter deutlich besseren Bedingungen gehalten werden – und dann soll der Tierbestand noch drastisch reduziert werden.

Verlangt man da nicht zu viel von den Landwirten? Nein, sagt der Vize-Präsident des Thüringer Bauernverbandes, Lars Fliege: "Man kann immer das Haar in der Suppe suchen. Da finden wir auch noch genug." Aber grundsätzlich gehe es erstmal darum, dass die Zukunftskommission jetzt eine Strategie erarbeitet habe, bei der man einen gesellschaftlichen Konsens zu grundsätzlichen Themen erzielt habe – nämlich: "Wie soll die Landwirtschaft in der Zukunft weiter aussehen?"

Und die solle künftig in Kooperation mit den Umweltverbänden entstehen, heißt es vom Bauernverband Sachsen-Anhalt – nicht mehr nur per Gesetz und Verordnung aus der Politik. Da sind sich die drei Landesverbände einig. Ebenso bei der nötigen finanziellen Förderung durch den Staat – und auch bei den Preisen für landwirtschaftliche Produkte, die für die Verbraucher künftig wohl steigen werden.

Allseitiger Optimismus für die Umsetzung des Berichts

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass die Vorschläge der Zukunftskommission von der nächsten Bundesregierung umgesetzt werden? Lars Fliege vom Thüringer Bauernverband sagt, er sei da guter Dinge: "Denn es ist ja von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung." Und wenn alle Akteure auf der politischen Bühne der Meinung seien, dass dies der Weg sei, den sie gehen wollen und gehen müssen – "Was soll denn dann dagegensprechen, das auch in Gesetze und Verordnungen zu gießen, dass es auch so umgesetzt wird?"

Das sieht die Bundeskanzlerin ganz ähnlich. Bei der Vorstellung des Abschlussberichts sagte Angela Merkel, ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin kämen an dem Bericht nicht mehr vorbei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Juli 2021 | 06:00 Uhr

23 Kommentare

Anni22 vor 50 Wochen

@ Saxe Ja kenn ich. Auch deshalb ist es eben auch keine Lösung, einfach nur Gemüse statt Fleisch zu essen. Aber was will man tun? Und wenn man dann noch bedenkt, dass wir Menschen ständig mehr werden, dann weiß man, dass das nicht gut gehen wird....

Dorfmensch vor 50 Wochen

Wie üblich wird nur über und nicht mit den Landwirten gesprochen. Leider ist es so, dass Agrarpolitik von der Stadtbevölkerung betrieben wird, deren Kenntnisse von Landwirtschaft überwiegend sehr gering sind. Hinzu kommt der Haß gegenüber den Landwirten. Wählerstimmen bekommt man halt in der Stadt, wenn man die Bauern weiter drangsaliert und die Wohlfühlgesellschaft im urbanen Raum nicht stört.
Steigende Hürden und Unkosten bei sinkenden Produktionsmengen und -erlösen trifft ja nur die deutschen Bauern. Der Wettbewerb auf dem Weltmarkt wird völlig ignoriert, die Nachteile haben ja nur die deutschen Bauern, nicht der Verbraucher. Viele Landwirte überlegen, ihre Betriebe aufzugeben. Jüngere Betriebsleiter haben im Ausland bessere Entwicklungsmöglichkeiten als hier und könnten uns dann die Lebensmittel liefern. Liebe Leute redet mal mit den Landwirten.

Anni22 vor 50 Wochen

@ Horst Ja liegt an einer gewissen Arbeitsteilung, andere liefern billige Tomaten, billige Kleidung oder Atomstrom. Man dürfte überhaupt keine nicht nachhaltigen Produkte mehr einführen. Das ist aber gar nicht machbar und auch nicht bezahlbar für die Masse der Bürger.

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