Veranstaltungsbranche Leipziger Messe erwartet weiteres schwieriges Geschäftsjahr

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Auf der Leipziger Messe müsste es Mitte März eigentlich rappelvoll werden. Denn jedes Jahr um diese Zeit beginnt die Buchmesse. Zigtausende strömen dann in die Stadt, treffen sich an Messeständen, in Cafés, belegen Hotels. Doch die Buchmesse wurde erst in den Mai verschoben und schließlich abgesagt. Auch andere Messen fallen reihenweise aus. Die Messebranche hat ein dramatisches Jahr hinter sich. Und für die nächsten Monate sieht es kaum besser aus.

Die Leipziger Buchmesse 2019: Auf der Manga-Comic-Con
Bilder wie dieses von der Leipziger Buchmesse 2019 wird es nun das zweite Jahr in Folge nicht geben. Bildrechte: MDR/Jeannine Völkel

Ein Blick in das Holzregal, das in der Werkstatt von Michael Jakubek hängt, zeigt, wie trostlos die Lage ist. Der Messestandbauer aus Leipzig hat darin immer seine Aufträge abgelegt. Doch das Regal ist fast leer. "Wir hatten ein gut funktionierendes Unternehmen und leben seit April letzten Jahres vom Staat." In einem normalen Jahr wäre er bei etwa zwanzig Veranstaltungen gewesen – mit Messeständen von zehn bis 2.000 Quadratmetern. "Und das ist alles komplett auf Null."

Leipziger Messe setzt auf das zweite Halbjahr

So wie Jakubek geht es allen im Messegeschäft, denn seit mittlerweile einem Jahr sind fast alle Großveranstaltungen abgesagt. Die Leipziger Buchmesse fällt schon das zweite Mal aus. Leipzigs Messe-Chef Martin Buhl-Wagner sagt, sein Haus habe vergangenes Jahr rund zwei Drittel des Geschäfts eingebüßt. "Das wird für das Jahr 2021 teilweise noch schwieriger werden, denn uns fehlt die Vorlaufzeit." Eine Messe, ein Kongress oder eine Veranstaltung benötigten Monate im Voraus für die Aufbauplanung, Kongressthemen, Ausstellergespräche und so weiter.

Trotzdem plane die Leipziger Messe für das zweite Halbjahr wieder mit Veranstaltungen, sagt Buhl-Wagner. Es gebe ein Hygienekonzept und die Überzeugung, dass Begegnungen im Internet reale Treffen nicht ersetzen könnten, selbst wenn diese in einem kleineren Rahmen stattfänden. "Messen werden vielleicht gerade in den Fachmessen etwas kleiner, etwas konzentrierter und vielleicht digital ergänzt. Und da sind wir als Leipziger Messe gut aufgestellt."

Taxi-Gewerbe leidet gemeinsam mit der Messe

Auf eine Rückkehr der Messen hofft auch das Taxi-Gewerbe. In Leipzigs Funktaxi-Zentrale 4884 sitzt oft nur noch eine Telefonistin. Funktaxi-Chef Thomas Voigt sagt, allein der Wegfall der Buchmesse reiße riesige Löcher. "Um das deutlich zu sagen, das ist eine Katastrophe für unser Gewerbe, für die ganze Stadt, für Veranstaltungen, Hotellerie, auch für das Image, das sich die Stadt aufgebaut hat." Die Messe gebe es urkundlich erwähnt seit 1632. Nur während der Kriegstage habe sie nicht stattgefunden. "Und jetzt schon das zweite Jahr. Das ist schon eine ganz heftige Sache." Voigt habe mehrere Fahrer in Kurzarbeit geschickt. Entlassen musste er noch keinen.

Das ist bei Messebauer Jakubek anders. Von einst 20 Mitarbeitern sind nur noch drei da. Jakubek bezweifelt, dass das Messegeschäft schnell zu alter Blüte zurückfinden werde. "Es wird Messebau geben, das ist nicht die Frage. Aber er wird nicht so laufen, wie es aufgehört hat." Dazu fehle einfach die Internationalität. Es müsse gereist und in Hotels übernachtet werden. "Das ganze Drum und Dran ist ja noch gar nicht geklärt, wie das mal alles laufen soll." Jakubek baue sich deshalb ein zweites Standbein auf. Der gelernte Tischler zimmere nun Möbel. Und er biete den behindertengerechten Umbau von Wohnungen an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. März 2021 | 06:11 Uhr

2 Kommentare

Wagner vor 19 Wochen

Zweites Halbjahr: das hängt ja vom Impfen und von der Menge ab. Da muss man skeptisch sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Momentan wird vom sächs. MP AfD Politik gemacht. Die stärksten AfD Gebiete werden bevorzugt,ist das normal? Die anderen bestraft.Normal ist hier nichts mehr.

Graf von Henneberg vor 19 Wochen

Was? der Herr Kretzschmar ist jetzt bei der AfD?

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