Leuchtstoffwerk Breitungen Kleine Firmen und ihr Problem mit dem Lieferkettengesetz

Nach dem neuen Lieferkettengesetz müssen deutsche Firmen bei ihren internationalen Zulieferern auf die Einhaltung von Menschenrechten achten, etwa dass es dort keine Kinderarbeit gibt. Bei Verstößen drohen deutschen Abnehmern Strafen. Das Gesetz gilt zwar vor allem für große Unternehmen, trifft aber am Ende auch die Kleinen, wie das Beispiel des Thüringer Leuchtstoffwerks Breitungen zeigt.

Container gestapelt im Containerhafen,von Tokio
Das Lieferkettengesetz regelt die Verantwortung deutscher Unternehmen im Ausland. Sie müssen künftig garantieren, dass sich auch ausländische Geschäftspartner an Menschenrechte halten. Bildrechte: imago images/Sven Simon

Manchmal kommt es Wolfgang Eisenberg so vor, als solle er jetzt auch noch ein bisschen die Welt retten. Menschenrechte – ein großes Wort. Und plötzlich ist es in seinem Unternehmen ein Thema. Eisenberg leitet das Leuchtstoffwerk Breitungen. Es stellt Pigmente her, die Licht reflektieren, die fluoreszieren, die im Dunkeln zart schimmern.

Eisenberg: Wie soll ich alle Zulieferer kontrollieren?

Das Werk Breitungen sei das einzige verbliebene vollwertige Leuchtstoffwerk in Europa, erläutert Eisenberg. Sonst sei das alles nach Asien gewandert: "Wir stellen LED-Leuchtstoffe her, Sicherheitspigmente. Und ganz wichtig: Leuchtstoffe für Besonnungslampen. Das ist eine Spezialität. Stellt kein anderes Unternehmen in der Welt her. Also wenn Sie sich mal ins Solarium legen: unsere Leuchtstoffe, an uns denken."

Wolfgang Eisenberg, Leuchtstoffwerk Breitungen
Wolfgang Eisenberg Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für seine Produktion benötigt die Breitunger Fabrik diverse Chemikalien. Und von denen kauft Eisenberg ein paar wenige auch in Entwicklungsländern ein, wie in Peru.

Doch durch das Lieferkettengesetz, befürchtet er, werde das schwieriger. Eisenberg sagt: "Wir müssten unsere ganze Lieferkette durchleuchten, ob nicht in diesen Ketten Materialien hergestellt werden, in Ländern, wo man vermuten kann, dass die Arbeitsbedingungen nicht so sind wie in Europa. Ich müsste mich im Grunde genommen dann in dieses Entwicklungsland begeben oder müsste einen Mitarbeiter von mir dahin schicken."

Wie soll das gehen, fragt Eisenberg. Er habe ja nur knapp 100 Leute. Seine Lieferverträge handle er in Telefonaten aus oder auf Messen. Die Bedingungen vor Ort kenne er in der Regel nicht.

Kleine Firmen indirekt betroffen

Doch muss Eisenberg seine Zulieferer überhaupt bis ins Detail kennen? Denn zunächst gilt das Lieferkettengesetz für Firmen ab 3.000 Mitarbeitern. Trotzdem empören sich vor allem kleine Unternehmer darüber.

Den Verband der Thüringer Wirtschaft verwundert das nicht. Präsident Hartmut Koch erklärt, die Kleinen seien ja die Zulieferer der Großen. Und die Großen gäben die Verantwortung aus dem Lieferkettengesetz womöglich einfach an die Kleinen weiter. Die Bedenken einer ganzen Reihe kleinerer Unternehmen seien berechtigt.

Koch sagt: "Dass sie sagen, wenn wir nicht eine gewisse Rechtssicherheit erlangen, ist die Gefahr für uns zu groß, dass wir im Nachgang zur Verantwortung gezogen werden. Denn die Großen werden sich bestätigen lassen, dass alles in Ordnung ist. Und wenn jetzt der Kleine derjenige ist, der der letzte Zulieferer war, dann hat er die Probleme und dann steht er dafür gerade."

Unternehmen sehen Politik in der Pflicht

Koch findet, die Politik mute der Wirtschaft Aufgaben zu, die sie selbst lösen müsste. Dass Kinderarbeit bestraft, Korruption bekämpft und Umweltverschmutzung unterbunden werden müsse, sei unstrittig. Doch das seien Aufgaben für Polizei und Gerichte vor Ort. Die deutsche Politik könne das über Entwicklungshilfe unterstützen.

So sieht das auch Unternehmer Eisenberg: "Die Politik soll, bevor sie so ein Gesetz beschließt, mit gutem Beispiel vorangehen und erst einmal selber Entwicklungshilfe an genau die Bedingungen knüpfen. Und dann kann man in einem zweiten Schritt die Lieferbeziehungen entsprechend gestalten."

Eisenberg denkt darüber nach, seine Geschäfte in Entwicklungsländern zu beenden. Für die Firmen dort sei das sicher traurig, sagt er. Aber Prüfaufwand und rechtliches Risiko seien ihm einfach zu hoch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juli 2021 | 08:12 Uhr

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