Unbesetzte Stellen BA-Chef: 1,2 Millionen Arbeitskräfte fehlen

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Scheele, schlägt Alarm angesichts der fehlenden Arbeitskräfte. Gerade in sozialen Bereichen blieben die Stellen unbesetzt. Auch die Wirtschaft klagt über großen Personalmangel.

Eine Frau traegt ein Tuch vor dem Mund zum Schutz gegen das neuartige Coronavirus, waehrend sie mit ihrem Fahrrad vor einem Plakat der Diakonie mit der Aufschrift "Danke! Ihr Alltagshelden. #zuhoeren.
Die Diakonie bedankt sich mit einem Plakat mit der Aufschrift "Danke! Ihr Alltagshelden" bei ihren Angestellten. Im sozialen Bereich fehlen viele Fachkräfte. Bildrechte: dpa

Deutschland leidet der Bundesagentur für Arbeit zufolge unter einem Personalmangel, insbesondere bei Fachkräften. Der Chef der Bundesagentur, Detlef Scheele, sagte der "Welt am Sonntag", insgesamt würden etwa 1,2 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Bei zwei Dritteln davon gehe es um Fachkräfte. In etwa 70 Berufen gebe es bereits Personalengpässe.

Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA)
Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele Bildrechte: dpa

IW: Größter Mangel in sozialen Bereichen

Nach Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werden vor allem Fachkräfte in sozialen Bereichen gesucht – Sozialpädagogen, Altenpfleger und Krankenpfleger. Doch fehlten auch Tausende Bau- und Heizungselektriker, bei Lkw-Fahrern seien rund 6.000 Stellen unbesetzt. Hier müssten Gegenmaßnahmen ergriffen werden, hieß es vom Institut, andernfalls drohten Zustände wie Großbritannien. Dort war es zuletzt wegen fehlender Fahrer von Tanklastern zu Treibstoffengpässen an Tankstellen gekommen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft berechnet seine Werte, indem es die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Jobs und Arbeitslosen mit passenden Qualifikationen in Relation setzt. Die Differenz wird als Fachkräftelücke ausgewiesen. Oft passen Ausschreibungen und potenzielle Interessenten jedoch nicht zusammen – etwa wegen räumlicher Distanzen oder anderer Hürden.

Mittelstand fordert "gezielte Einwanderung"

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) sieht dringenden Handlungsbedarf. Bundesgeschäftsführer Markus Jerger sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, der Mittelstand in Deutschland brauche "die gezielte Einwanderung von Fachkräften". Immer mehr Unternehmen aller Branchen fänden derzeit keine Fachkräfte. Sie müssten deshalb Aufträge ablehnen.

Bei den Auszubildenden sehe es nicht besser aus. Allein zum Start des Ausbildungsjahres 2020 seien fast 60.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt worden, sagte Jerger der Zeitung. Unter akuten Mangel leiden laut Verband vor allem die Branchen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik sowie die Bereiche Gesundheit und Pflege und das Handwerk.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Oktober 2021 | 11:30 Uhr

36 Kommentare

Hansi63 vor 5 Wochen

Ja die Wirtschaft schreit nach mehr Zuwanderung, logisch, Löhne und Gehälter können dadurch noch besser kontrolliert werden. Ich persönlich kenne ganz wenig Migranten die wirklich arbeiten, seit 2015 müssten die ersten ja nun mal integriert und ausgebildet sein, Arbeitskräfte dürften eigentlich gar nicht fehlen ! Aber wo sind sie ?????
Und ausländische Fachkräfte, diese würden in ihren armen Ländern dringender gebraucht als in D. Es ist ein Kreislauf, je schlechter es den Menschen auf Grund der fehlenden Fachkräfte dort geht um so mehr machen sich auf den Weg. Man kann auch neuer moderner Kolonialismus sagen.
Das schlimme daran ist eine sogenannte Arbeiterpartei und die Gewerkschaften spielen das Spiel voll mit, einfach nur traurig !

Ilse vor 5 Wochen

@part
"Vater Staat auch nicht viel tat, um außerbetriebliche Ausbildungen zu ermöglichen"
Marktferne Nichtfachkräfte aus Ämtern sollen wissen u. entscheiden, wo
die Arbeitsplätze von morgen sein sollen?
OK, also alles in die Pflege, Bau oder Leiharbeit. Andere Bereiche schrumpfen, wandern ab oder verlieren ihr Geschäftsmodell, jedenfalls zu oft oder suchen Niedriglöhner.

Alf09 vor 5 Wochen

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht, in ganz Südeuropa gibt es eine Jugendarbeitslosigkeit von 20%, die könnten sofort kommen, warum nicht? Weil die gesamte Diskussion missbraucht wird, die Wirtschaft will diese i.d.R. gut ausgebildete Fachkräfte ohne selbst auszubilden will und Links-Grüne Politiker nutzen diesen Mangel, um möglichst die „ganze Welt“ nach Deutschland zu holen!

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