Industrie warnt Warum Plastik plötzlich knapp wird

In den meisten Berichten über Plastik geht es darum, dass zu viel davon im Umlauf ist. Erwähnt werden oft gigantische Plastikteppiche im Meer und Mikroplastik im menschlichen Körper. Umso überraschender ist es, wenn die Industrie nun vor einem Plastikmangel warnt. Was steckt dahinter?

So wie hier in Bernburg wird Plastik weltweit recycelt. Mischkunststoffe eignen sich aber nicht für jedes Produkt. Bildrechte: dpa

Es gibt Bereiche, in denen gibt es derzeit einfach keine besseren Alternativen zu Kunststoff. Dazu gehören Verpackungen bestimmter Lebensmittel oder Labor- und Medizintechnik. Auch die Einzelteile der Corona-Tests bestehen aus Kunststoff.

Diese stellt unter anderem das Unternehmen "Maier Partner Kunsttechnik" her. Doch gerade komme die Produktion ins Stocken, erzählt Walther Schullerus. Er ist im Unternehmen für Marketing und Vertrieb verantwortlich.

Mangel an Rohmaterial

Nach Angaben von Schullerus gibt es einen Engpass: "Es ist weniger der Kunststoff, als vielmehr das Rohmaterial, das auf dem Markt extrem knapp ist." Dadurch entstünden teilweise Lieferzeiten von 14 bis 16 Wochen.

Das Unternehmen ist nicht allein mit diesem Problem. Anfang März berichtete die Industrievereinigung Kunststoffverpackung (IK) über eine Umfrage unter ihren Mitgliedern. Auch hier hatten viele Unternehmen gemeldet, dass es an Kunststoff fehle. IK-Sprecherin Mara Hancker zufolge hätte mehr als 80 Prozent der Teilnehmer mitgeteilt, dass sie mittlerweile Lieferschwierigkeiten haben würden: "Fast vier Fünftel gehen davon aus, dass sich das in den nächsten Wochen noch verschlechtern wird."

Schwierigkeiten beim Recycling

Besonders an Kunststoffen, die sich für die Verpackung von sauren oder fettigen Lebensmitteln eignen, fehle es. Einen Mangel gebe es auch in der Medizin- und Labortechnik.

In diesen Bereichen würden Kunststoffe eingesetzt, die sich nicht so einfach aus recyceltem Plastik herstellen ließen, sagt Dominik Klepper von der Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt. Beim Recycling kämen zu verschiedene und unterschiedlich verschmutzte Kunststoffe zum Einsatz: "Die Sauberkeit von Mischkunststoffen ist oft nicht hundertprozentig nachweisbar." Deshalb würden die europäischen Behörden diese Recyclingmaterialien nicht für den direkten Lebensmittelkontakt zulassen.

Hohe Nachfrage aus Asien 

Doch wie kann es überhaupt von einem allgegenwärtigen Material wie Plastik auf einmal zu wenig geben? Das hat nach Angaben der IK-Sprecherin Hancker verschiedene Ursachen: "Wir haben eine riesige Nachfrage aus Asien. Da brummt die Wirtschaft. Rohstoffe werden quasi aufgesaugt." Hinzu komme eine extreme Nachfrage aus dem Automobilbereich. "Gleichzeitig werden im Moment Anlagen technisch gewartet. Anders als zu Hause ist das bei so einer Großanlage nicht nur eine Frage von Stunden und Tagen, sondern eher von Wochen", erklärt Hancker.

Zukunft liegt im Recycling

Außerdem sollen nach den Worten von Hancker aus ganz Europa mehre Fälle von "Force Majeur" gemeldet worden sein. Das seien Produktionsausfälle durch höhere Gewalt. Am Ende sei es aber nicht vollständig nachvollziehbar, warum die Produktion nicht laufe.

Wissenschaft und Industrie sehen den Lieferengpass nun als Motivation, künftig mehr Forschung in recycelbare Kunststoffe zu stecken.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: 21. März 2021 | 06:00 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland