Baustoffpreise Warum Holz zurzeit teure Mangelware ist

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Wer gerade bauen oder sanieren will, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus: Egal ob Holz, Metall, Dämmmaterial oder Plastikrohre – alles, wirklich alles, ist binnen weniger Monate deutlich teurer geworden. Manche Produkte sind gar nicht lieferbar. Der Mangel, sagen Handwerker, sei seit der Wiedervereinigung noch nie so groß gewesen. Doch woran liegt das? Und was bedeutet das für die Bauunternehmen?

Baumstämme
Für Holz weisen Holzhändler aktuell nur Tagespreise aus. Bildrechte: IMAGO / Countrypixel

Thorsten Schmidt fehlt Holz. Der Obermeister der Leipziger Zimmererinnung steht im Hof seiner Firma. Hinter ihm stapeln sich ein paar Balken. Doch der Vorrat sei gar nichts und Nachschub schwer zu beschaffen, sagt Schmidt. Die Preise für Bauholz hätten sich binnen sechs Monaten verdoppelt. "Unsere Holzhändler bieten derzeit nur Tagespreise für Holz an. Und diese tun sich von Woche zu Woche stetig erhöhen."

Mann mit grauen Haaren vor Holzplatten
Zimmermeister Thorsten Schmidt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es sei auch niemand in der Lage, eine Aussage zu treffen, ob die Preise wieder sinken, beibehalten oder in Zukunft noch steigen werden.

Manche Bestellung wird derzeit erst nach Monaten geliefert. Handwerker geraten in Schwierigkeiten, weil sie in ihren Angeboten feste Holzpreise zugesagt haben. Auf den Mehrkosten bleiben nun viele sitzen.

Und nicht nur Holz werde immer teurer, sagt Susann Stein vom Bauindustrieverband Ost: "Mittlerweile müssen wir in fast allen Bereichen über Baustoffmangel oder steigende Baustoffpreise klagen." Das betreffe einerseits Baustahl, aber ebenso Kupfer, Bitumen oder auch Dämmstoffe.

Deutsches Holz geht nach China und in die USA

Doch woran liegt das? Beim Holz gehen große Mengen derzeit nach China und in die USA. In beiden Ländern boomt der Bau und die USA erhalten wegen eines Handelsstreits aus Kanada weniger Holz. Da ist deutsche Ware umso gefragter. Bei anderen Baustoffen spiele auch Corona eine Rolle, sagt Stein: "Im vorigen Jahr wurden Produktionskapazitäten reduziert und gedrosselt." Gleichzeitig habe im zweiten Halbjahr 2020 wieder der wirtschaftliche Aufstieg in China begonnen und seit Anfang 2021 auch in Amerika. "Das heißt, die Nachfrage nach Baustoffen ist rasant gestiegen, während die Produktionskapazitäten noch nicht wieder voll angelaufen sind", erklärt Stein.

Preisspekulation sorgt für Unsicherheit bei Aufträgen

Wegen des Mangels sind Bauprojekte kaum noch kalkulierbar. Volker Walter leitet das Straßen- und Tiefbauunternehmen LSTW in Freiberg. Er sagt, bei Ausschreibungen von Bauprojekten müsse er nun sehr genau nachdenken, ob er sich bewerbe: "Also wir halten uns zum Teil zurück. Aber natürlich sind wir ja auch auf die öffentliche Hand oder die Ausschreibung angewiesen." Im Bereich der aktuell bearbeiteten Projekte und in der Angebotsbearbeitung sei es für seine Firma "ein Spiel auf Messers Schneide, in dem spekuliert wird, dass die Preise auch wieder runtergehen und so ein Mischpreisangebot gemacht wird".

Walter wünscht sich vom Staat mehr Verträge mit Anpassungsklauseln. Dann könnte er Mehrkosten beim Material in der Abschlussrechnung draufschlagen. Susann Stein hofft auf viel Geduld: "Hier appellieren wir sehr stark an alle Auftraggeber, kulant zu agieren und relativ großzügig über eine Bauzeitverlängerung zu sprechen. Man kann ja nichts dafür, wenn jetzt die Lieferung Rohre einen Monat später kommt." Das sei mit den Engpässen zu begründen.

Wie lange diese Engpässe anhalten, kann keiner sagen. Wer jetzt mit dem Bauen beginnt, braucht jedenfalls Geldreserven – und starke Nerven.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Mai 2021 | 06:00 Uhr

34 Kommentare

AlexLeipzig vor 6 Wochen

Freies Moria (wie immer Sie auf diesen Namen kommen...), Also daß nun an Holz- und Baustoffknappheit auch noch Migranten und Corona-Pandemie schuld sind, ist ja nicht nur weit hergeholt, sondern einfach falsch. Lesen Sie doch erstmal den Artikel, bevor Sie Ihre Vorurteile zum Besten geben. Von fehlender Luftfrachtkapazität kann ja wohl auch keine Rede sein, wenn Sie sich mal das Luftfracht-Geschäft am Leipziger und Frankfurter Flughafen anschauen...

Euphemismus vor 6 Wochen

@MDR Redaktion, sieh berichten doch seit Jahren vom besten Wirtschaftsraum von allen der EU die sie immer mit Europa verwechseln.
Ebenso vom Niedergang der britischen Wirtschaft.
Mann haben sich ihre Glaskugelgucker mal wieder geirrt.
Kann es sein das ihre Komplette Berichterstattung sich an ihrer "überlegenen" Haltung ausrichtet und nicht an der Realität.
Ganz sicher werden sie für ihre stramme Haltung irgendwann den gerechten Lohn erhalten.

part vor 6 Wochen

Ich sehe in diesem Fall, das in anderen Ländern ein riesiges Investitionsprogramm aufgelegt wurde oder doch nur die eine von vielen Blasen weiter aufgebläht wurde oder der Lebensstandard enorm steigt, denn die Nachfrage regelt den Preis. Für die hiesige Holzverarbeitungsindustrie rechnet sich nur Nassholz, da leichter zu verarbeiten. Das im Wald getrocknete Holz ist für sie nicht mehr interessant, Lärchenholz vielleicht ausgenommen. Wie sich das >>hochwertige Bauholz<< dann im Baumarkt verbiegt, wenn es senkrecht trocknet, kann jeder selbst beobachten.

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