Neue Corona-Schutzmaßnahmen Wucherpreise für Masken: Wie der Staat vorgehen kann

Die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern über neue Corona-Schutzmaßnahmen werden wohl auch dazu führen, dass die häufig selbstgenähten Alltagsmasken aus Stoff Stück für Stück aus dem Straßenbild verschwinden werden. Im ÖPNV und beim Einkaufen müssen künftig OP- oder FFP2-Masken getragen werden – daher decken sich die Leute jetzt damit ein. Vereinzelt nutzen Händler das offenbar aus, um Wucherpreise zu verlangen. Der Deutsche Hausärzteverband fordert bereits einen Festpreis.

Aufkleber «Masken - FFP2 - OP» im Schaufenster einer Apotheke
Die Preise für FFP2-Masken sind wegen der erhöhten Nachfrage zum Teil enorm gestiegen. Bildrechte: dpa

Medizinische Masken werden Pflicht beim Einkaufen, in Bussen und Bahnen. Das hätte Philipp Heymann wohl selbst dann mitbekommen, wenn er die Nachrichten in den vergangenen Tagen konsequent ignoriert hätte – denn die Nachfrage ist immens. Heymann ist Mitglied der Geschäftsführung der Lindencare GmbH und Fleece for Europe, ein deutscher Hersteller von OP- und FFP2-Masken. "Wir reagieren auch darauf, haben die Schichten noch weiter hochgefahren. Wir produzieren eigentlich 24/7."

Die Materialpreise seien zum Glück nicht gestiegen. Die Basis für die Masken, den Vlies, produziert der Hersteller selbst. Deswegen seien die Preise einigermaßen konstant. "Wir finden es natürlich auch nicht gut, wenn FFP2-Masken für fünf oder sechs Euro das Stück verkauft werden", sagt Heymann. "Das ist auch gar nicht nötig. Wir versuchen, den Händlern einen moderaten Preis unter 1,50 Euro zu geben, sodass auch noch eine Handelsmarge für den Händler da ist."

Grüne wollen Marge im Handel begrenzen

Steigende Preise für die medizinischen Masken sind genau das, was einigen gerade Sorgen bereitet – dem Vorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbandes zum Beispiel, der einen Festpreis für die Masken fordert, oder der gesundheitspolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion Maria Klein-Schmeink. Sie meint, wegen des besseren Schutzes einer FFP2-Maske müsse sichergestellt sein, dass alle auch den Zugang dazu haben können. Das sei auch schon zu normalen Marktpreisen zum Beispiel für eine Sozialhilfeempfängerin schwer möglich. "Deswegen ist es sehr wichtig, dafür zu sorgen, dass es auch für Einkommensschwache möglich ist, sich zu schützen."

Ihre Fraktion schlage daher ebenfalls vor, in den Markt einzugreifen. "Insgesamt stellt sich für uns die Frage, warum die Bundesregierung nicht ähnlich wie bei den Antigentests eine Regelung im Infektionsschutzgesetz vorgesehen hat, wonach nur ein Festzuschlag auf die tatsächlichen Abgabepreise der Hersteller möglich ist. Damit hätte man so etwas wie eine Preisbindung, zumindest für die Aufschläge des Handels." Das könnte beispielsweise heißen: 1,50 Euro Einkaufpreis für den Handel plus maximal 50 Cent Zuschlag – macht zwei Euro auf der Rechnung.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Sabine Dittmar bevorzugt andere Lösungen: "Nach meiner Kenntnis arbeitet die Bundesregierung auch schon an Lösungen, um Menschen, die finanziell weniger leistungsstark sind, beim Erwerb von FFP2-Masken zu unterstützen."

Eine Apothekerin zeigt eine FFP2 Maske 2 min
Bildrechte: imago images / Markus van Offern

Händler lehnen staatliche Eingriffe ab

Bis sich ein vernünftiger Preis eingependelt habe, sei der Verbraucher extrem gefordert. Da heißt es: Preise vergleichen! Und das sei heute leichter denn je, sagt Stefan Hertel, Sprecher des Deutschen Handelsverbandes. "Die Preistransparenz war schließlich noch nie so groß wie in Zeiten des Internets. Die Kunden vergleichen die Preise sehr intensiv, insofern werden sich da überhöhte Preise auf keinen Fall dauerhaft durchsetzen können."

Auch Reinhard Groß, Vize-Chef des Sächsischen Apothekerverbands, geht davon aus, dass sich der Markt selbst reguliere – auch ohne staatliche Eingriffe. "Es gibt ganz viele Anbieter, ganz viele Händler und insofern glaube ich nicht, dass das notwendig wäre." Groß, selbst Apotheker in Zwickau, habe noch FFP2-Masken auf Lager und die Zwei-Euro-Marke pro Stück sei noch nicht überschritten. Das könnte sich ändern, wenn er bald neu bestellen muss. Er rechne dann mit einer Preissteigerung – allerdings mit einer moderaten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2021 | 07:06 Uhr

70 Kommentare

JanoschausLE vor 45 Wochen

Udo, nach BGB ist die Preisangabe im Laden ein "Verhandlungsangebot". Sie können ja versuchen zu handeln. Dass die Preise tatsächlich teilweise Wucher sind, für mich alles über 3 €, ist nicht abzustreiten. Aber, wenn Apotheker hier zuschlagen wollen, so müssen Sie sich an manch Gier dort ablassen. Die hohen Preise hat kein Politiker angeordnet.

JanoschausLE vor 45 Wochen

Sonnenseite, das aerzteblatt schreibt dazu am 24.11.20
".. Bis Ende Oktober seien im Verhältnis zu 262 Lieferanten aus dem Open-House-Verfahren alle Vertragspflichten erfüllt worden. Im Verhältnis zu insgesamt 106 Lieferanten seien noch Vertragspflichten offen beziehungsweise zu klären – grundsätzlich seien aber nicht alle offenen Vertragspflichten mit einem Prozessrisiko gleichzusetzen.. "
Es kann erstmal jeder jeden verklagen. Egal, ob es tatsächlich zu einem Prozess kommt. Ob es nach Prüfung überhaupt gerechtfertigt ist. Sie stellen sich hier als Hobby-Jurist hin, und das nicht gerade mit Rechtskenntnis. Warten wir ab, was rauskommt.

Micky Maus vor 45 Wochen

"Gauland hatte da vorm BT Ende September schamlos gelogen, als er sagte, "dass täglich mehr Menschen bei Verkehrsunfällen sterben als durch corona""

Tja mein lieber,

so ist das in der Politik und vor den Wahlen wird das noch viel schlimmer ;-)

Das meinten sie doch auch!

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