Holz, Kupfer und Dämmstoffe Materialmangel führt zu Baustopps und mehr Lagerhaltung

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Seit Monaten klagt die Baubranche über fehlendes Material. Es gibt kein Holz, kein Kupfer, keine Dämmstoffe. Und wer doch noch etwas ergattern kann, muss teilweise das Doppelte bis Dreifache des gewohnten Preises bezahlen. Nun zeigt der Baustoffmangel massive Auswirkungen auf den Baustellen in Mitteldeutschland: Projekte verzögern sich oder werden vorerst ganz gestoppt.

Baustoffen werden teurer, Thüringer Handwerker fürchten Liefer-Engpässe.
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Es ist eines der größten Sanierungsprojekte in Dessau: Ein Plattenbau unweit von Hauptbahnhof und Stadtpark. Rund achtzig Sozialwohnungen sollten hier modernisiert werden – neue Balkone, neue Fassadendämmung. Doch nun hat die Dessauer Wohnungsbaugesellschaft das Projekt gestoppt. Die Baukosten waren nicht mehr zu stemmen, sagt Prokurist Marco Schubert.

Bei dieser Maßnahme sei man auf Fördermittel angewiesen. Diese Fördermittel, in Höhe von knapp einer Million Euro, seien auch schon bewilligt gewesen, führt Schubert aus: "Und die reichen eben jetzt nicht mehr aus. Das gestiegene Investitionsvolumen, das beläuft sich auf zwei Millionen Euro, und die können wir nicht aus Eigenmitteln stemmen." Man sei auf zusätzliche Fördermittel angewiesen.

Stillstand auf der Baustelle, Bauzeit verzögert sich

Da die neuen Fördermittel erst bewilligt werden müssen, ruht die Baustelle bis Herbst nächsten Jahres. Und auf anderen Baustellen in Mitteldeutschland droht ähnliches. Der Bauindustrieverband Ost hat eine Umfrage gemacht, wie seine Mitglieder die Lage einschätzen. Die Ergebnisse, sagt Pressesprecherin Susann Stein, klängen dramatisch: "Neun von zehn Unternehmen sind aktuell von Lieferschwierigkeiten betroffen. Zwei Drittel berichten von Bauzeitverzögerungen. Das heißt, die Bauwerke werden nicht zum geplanten Zeitpunkt fertiggestellt werden können. Und ein Drittel berichtet von Baustopps." Baufirmen könnten aktuell nicht weiterbauen, weil Holz, Dämmmaterial oder Stahl fehle.

Viel Holz geht in den Export

Die USA und China kaufen die Märkte leer. Hinzu kommen Lieferverzögerungen als Spätfolge der Corona-Krise. Durch massiv gestiegene Einkaufspreise bekämen viele Handwerker ein Problem, sagt Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt. Denn im öffentlichen Bau würden vorab Festpreise vereinbart. Auf den gestiegenen Materialkosten blieben die Handwerker nun sitzen.

Malcherek appelliert deshalb an die Kulanz der Auftraggeber: Wenn eine Kommune glaube, einen Bauunternehmer zwingen zu können, zu für ihn schlechten Preisen zu bauen, werde vielleicht sogar seine Existenz gefährdet. Dann könnte der nächste Auftrag dazu führen, dass kein Bauunternehmer mehr seine Leistungen anböte oder Preise steigen würden.

"Holz auf Vorrat" verschärft Mangel

Die Kammern wünschen sich bei künftigen Projekten sogenannte Preisgleitklauseln. Dann könnten die Handwerker steigende Materialpreise weitergeben. Doch was sind das eigentlich für Handwerker, die in den vergangenen Wochen noch Material hatten? Es sind Dachdecker wie Andreas Schmuck aus Zella-Mehlis. Als er hörte, das Holz wird knapp, sorgte er vor: "Also wir haben relativ schnell den Hörer in die Hand genommen, haben unsere Lieferanten angerufen und haben uns alle gängigen Holzgrößen, die wir benötigen, um unsere Bauvorhaben abzuwickeln, auf den Hof gepackt." Man habe den ganzen Hof mit Holz vollstehen gehabt.

Andere haben ähnlich gehandelt. Das dürfte den Mangel verschärft haben. Andererseits gibt es in Zukunft womöglich deutlich mehr Lagerhaltung. Bislang, erzählt Schmuck, hätten viele Baufirmen "just in time" gearbeitet. Das Material kam, bevor die Baumaßnahme startete. Künftig dürften sich wohl einige Bauunternehmen ein bisschen mehr auf Halde legen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Juli 2021 | 08:55 Uhr

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