Ifo-Umfrage Materialmangel auf Baustellen lässt nach

Während sich der Materialmangel auf dem Bau in Deutschland wohl etwas entspannt, nehmen die Auswirkungen von Lieferengpässen in vielen anderen Branchen noch zu. Opel stellt nun die Produktion in seinem Werk in Thüringen deswegen ein. Chinas Wirtschaft wird unterdessen auch durch Kohle-Mangel ausgebremst. Viele Preise steigen, die Inflation legt zu – auch in Deutschland.

Wärmedämmung an einem älteren Schulgebäude. Mit Styroporplatten wird die Aussenfassade beklebt und anschliessend verputzt.
Dämm-Material für Gebäude ist eine derzeit knappe Ware. Bildrechte: IMAGO

  • Opel schließt Werk in Thüringen
  • Kohle-Engpässe in China bremsen die Industrie
  • Inflation in Deutschland über vier Prozent

Der Materialmangel auf den Baustellen in Deutschland hat sich laut einer Umfrage des Ifo-Instituts im September etwas entspannt. Im Hochbau berichteten demnach 36,3 Prozent der Betriebe von Materialknappheit nach 42,2 Prozent im Vormonat. Im Tiefbau seien es 27,6 Prozent gewesen und damit 3,8 Prozentpunkte weniger als im August. Der Wohnungsbau war demnach am stärksten betroffen, hier meldeten laut Ifo-Institut 40 Prozent der Unternehmen eine Behinderung ihrer Bautätigkeit.

Lange Lieferzeiten und der starke Preisanstieg beim Material seien ein zentrales Thema am Bau, sagte Ifo-Forscher Felix Leiss. Es fehlten Dämmstoffe, Stahl, Holz und Kunststoffrohre. Zumindest der Holz-Großhandel rechne nun aber wieder mit sinkenden Preisen. Bei anderen Baustoffen könne es weitere Steigerungen geben.

Opel schließt Werk in Eisenach

Wegen Lieferengpässen bei Chips schließt nun Opel sein Werk in Eisenach in Thüringen, mindestens bis Jahresende. Ein konkretes Datum für einen Neustart nannte ein Opel-Sprecher am Donnerstag nicht. Die Autobranche befinde sich aufgrund des Mangels an Halbleitern im Moment in einer Ausnahmesituation, sagte er. Für die rund 1.300 Mitarbeiter sei Kurzarbeit vorgesehen.

Kohle-Engpässe setzen Chinas Wirtschaft zu

In China bringen Engpässe bei der Kohleversorgung und Stromausfälle die Unternehmen sowie Bürger zunehmend in Bedrängnis. Kleinere Firmen gehen mittlerweile dazu über, Dieselgeneratoren anzuwerfen. Auch die Schwerindustrie leidet unter den Stromausfällen. Kohle – in China die primäre Quelle für die Stromerzeugung – wird knapp. Der Verband der Kohleindustrie warnte mit Blick auf die Versorgungssicherheit im Winter, er sei "nicht optimistisch".

Bei dem Energie-Engpass in China, das inzwischen am Beginn vieler industrieller Lieferketten steht, spielen neben den knappen Kohlevorräten nun auch strengere Emissions-Normen ein Rolle. Manche Fabriken mussten bei Stromknappheit und höheren staatlichen Auflagen bei CO2-Emissionen vorerst schließen.

Hornbach meldet gute Zahlen

Knapp und teuer wurde zuletzt auch Holz für Heimwerker. Dank des dabei anhaltenden Heimwerker-Trends meldete der Baumarktkonzern Hornbach für die erste Jahreshälfte mit einem Umsatzsprung. Wie Hornbach mitteilte, stieg der Nettoumsatz im ersten Halbjahr bis Ende August um 5,1 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro verglichen mit der Zeit im Vorjahr. Der  bereinigte operative Gewinn sei auf 337 Millionen Euro gestiegen und habe den Rekordwert von 334,7 Millionen der Vorjahresperiode noch übertroffen.

Inflation in Deutschland über vier Prozent

Die Inflation in Deutschland überschritt unterdessen im September erstmals seit knapp 28 Jahren wieder die Vier-Prozent-Marke. Die Verbraucherpreise lagen um 4,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, meldete das Statistische Bundesamt anhand einer vorläufigen Berechnung. Eine Vier vor dem Komma bei der Teuerung gab es zuletzt im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent.

Quellen: dpa, AFP, reuters, MDR (ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. September 2021 | 09:30 Uhr

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