Corona-Pandemie Kurzarbeitergeld läuft für viele Betriebe im März aus

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Die Kurzarbeit hat Millionen Menschen in der Corona-Pandemie vor der Arbeitslosigkeit bewahrt und vergangenes Jahr sind die Zahlen wieder gesunken. Mit der vierten Welle müssen aber wieder mehr Menschen Kurzarbeit anmelden. Wie lange das noch möglich sein wird, ist unklar.

Ein Kugelschreiber auf einem Antrag auf Kurzarbeit
Im März könnte für einige Branchen Schluss sein mit Kurzarbeitergeld. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert

In Leipzigs höchstem Restaurant, dem Panorama-Tower, bereitet Christian Wohlschläger den Abend vor. Der Oberkellner deckt Tische und sortiert Speisekarten. Die Reservierungsliste für den Abend sei gut gefüllt. Er ist froh, hier und heute arbeiten zu dürfen, denn wegen der Corona-Pandemie sind Gäste schon seit zwei Jahren rar.

Wohlschläger ist auf 50 Prozent Kurzarbeit. Am Anfang der Pandemie habe er die Kurzarbeit noch weggelächelt: "Man dachte: Ach, so doll wird es einen nicht treffen. Aber du hast schon einige Einbußen. Man hat das zwischendurch mal ein bisschen aufgestockt. Das war hilfreich, aber es fehlt schon einiges an Geld. Vor allem das Trinkgeld, wovon wir Restaurant-Fachleute natürlich auch leben."

Vierte Corona-Welle wirkt sich auf Kurzarbeitergeld-Anträge aus

So wie Wohlschläger geht es vielen. Immer noch oder schon wieder. Anja Friedrich ist Geschäftsführerin beim Operativen Service der Arbeitsagentur Sachsen. Sie hat die Kurzarbeiter-Zahlen für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt und kennt die Hochs und Tiefs.

Über das Jahr 2021 sei die Kurzarbeitergeld-Zahlung rückläufig gewesen. Aber: "Wir hatten bis September letzten Jahres noch circa 74.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Bezug. Ab Oktober wurde allerdings nochmal durch die Betriebe für circa 100.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld beantragt. Die vierte Welle ist da und das spüren wir beim Kurzarbeitergeld sehr deutlich", erklärt Friedrich.

Friedrich nennt das Kurzarbeitergeld eine Brandmauer, die vor Arbeitslosigkeit schütze. Doch die Mauer könnte bröckeln, denn Kurzarbeitergeld kann pro Beschäftigten maximal 24 Monate gezahlt werden. Für Betriebe, die seit Beginn der Pandemie ununterbrochen darauf angewiesen sind, enden diese im März. In Gastronomie, Hotels und Veranstaltungsbranche könnten deshalb Jobs verloren gehen.

Kritik an Verlängerung des Kurzarbeitergelds

Die Regierung steht vor der Frage, ob sie die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes noch einmal verlängert. Der Ökonom Steffen Müller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle ist dagegen, denn das Kurzarbeitergeld sei für einen kurzfristigen Ausfall über zwei bis drei Monate gedacht: "Eine Verlängerung über zwei Jahre hinaus ist nichts, was im Rahmen des Kurzarbeitergeldes gemacht werden sollte. Ich plädiere dafür, das Corona-Kurzarbeitergeld nach Ende März auslaufen zu lassen und zur normalen Kurzarbeiterregelung zurückzukehren, wie wir sie auch ohne Corona immer schon hatten."

Müller glaubt nicht, dass die Arbeitslosenzahlen deswegen drastisch steigen. In vielen Branchen fehle Personal. Die Betroffenen könnten neue Jobs finden. Der Wissenschaftler erwartet zudem, dass die Pandemie im Frühjahr ihren Schrecken verliert und Beschränkungen fallen.

Dann hätten gesunde Betriebe auch wieder ausreichend Arbeit. Darauf setzt auch Oberkellner Wohlschläger: "Ich hoffe, dass das bald ein Ende hat und dass wir unseren Beruf wieder voll ausleben und voll arbeiten dürfen." Und dann gibts womöglich auch wieder mehr Trinkgeld.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2022 | 08:11 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

MDR um 11 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Deutschland