Studie zum Konjunkturpaket Kinderbonus effizienter als Senkung der Mehrwertsteuer

In der Corona-Krise hat sich der Kinderbonus als effizientere Maßnahme zur Unterstützung des privaten Konsums erwiesen als die temporäre Mehrwertsteuersenkung. Das zeigt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Außerdem habe der Bonus sozial ausgewogener gewirkt.

Ein Kunde steht in einem Supermarkt vor einem Regal, und trägt dabei einen Mundschutz.
Viele Verbraucher haben von der gesenkten Mehrwertsteuer nur wenig gemerkt. Bildrechte: dpa

Der im Herbst 2020 einmalig ausgezahlte Kinderbonus hat den Konsum privater Haushalte während der Corona-Pandemie effektiv angekurbelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Das Verhältnis zwischen den vom Bund investierten Kosten und dem Nutzen für die Konjunktur war demnach besser als bei der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung.

Schnuller auf Geld
Pro Kind gab es einen Bonus von 300 Euro Bildrechte: imago images / Panthermedia

Bei einer Umfrage im November 2020 gaben 37 Prozent der Befragten an, den Kinderbonus bereits komplett ausgegeben zu haben. Weitere 27 Prozent hatten die Einmalzahlung demnach zumindest teilweise ausgegeben. Im Durchschnitt aller Haushalte mit Kinderbonus waren zu dem Zeitpunkt 51 Prozent der ausgezahlten Mittel in den privaten Konsum geflossen. Der restliche Betrag wurde gespart oder zur Tilgung von Schulden verwendet.

Bei rund 18 Millionen Kindern, für die ein Anspruch auf Kindergeld besteht, sind damit seit der Auszahlung des Bonus 2,8 Milliarden Euro in den Konsum der privaten Haushalte geflossen, wie Berechnungen des IMK zeigen. Da der Bund insgesamt circa 4,3 Milliarden Euro in den Kinderbonus investiert habe, habe sich diese Maßnahme als sehr effizient erwiesen.

Mehrwertsteuersenkung war kostspieliger

Eine zweite Konjunkturmaßnahme, die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer, hat den Bund deutlich mehr gekostet: 20 Milliarden Euro nach Angaben des Finanzministeriums. Bei der IMK-Umfrage gab die Mehrheit der Befragten allerdings an, dass die Mehrwertsteuerreduktion in ihrer Wahrnehmung nur teilweise an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben worden sei. Knapp 30 Prozent hingegen waren der Ansicht, die Steuersenkung sei überwiegend weitergereicht worden.

Dennoch hatte die Mehrwertsteuersenkung laut 79 Prozent der Befragten keine merklichen Auswirkungen auf das Konsumverhalten. Lediglich 16 Prozent nutzten demnach die Steuersenkung, um geplante Anschaffungen vorzuziehen, 4,5 Prozent um zusätzliche Anschaffungen zu tätigen.

Wie viel Geld die Befragten für zusätzliche oder vorgezogene Anschaffungen ausgegeben haben, wurde in der Studie nicht erfasst. Das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung rechnet mit einem durchschnittlichen Konsumeffekt von etwa 152 Euro pro Haushalt. Daraus würden sich Mehrausgaben in Höhe von rund 6,3 Milliarden Euro ergeben. Das entspricht etwa einem Drittel der Kosten für die Steuersenkung.

Unsere Analyse liefert starke Indizien dafür, dass der Kinderbonus im Verhältnis zum eingesetzten Steuergeld weitaus mehr Wumms gebracht hat als die zeitweilige Senkung der Mehrwertsteuer.

Sebastian Dullien, Hans-Böckler-Stiftung

Das IMK folgert aus den Daten auch, dass vor allem Haushalte mit höheren Einkommen die Mehrwertsteuersenkung für zusätzliche Käufe genutzt haben. Der Kinderbonus habe hingegen zielgerichtet Haushalte mit Kindern und niedrigen bis mittleren Einkommen erreicht, die im Zuge der Pandemie besonders häufig mit zusätzlichen Ausgaben konfrontiert waren.

Auch Kinderlose würden Einmalzahlung größtenteils ausgeben

In der Innenstadt überqueren Passanten mit Einkaufstüten eine Straße.
Der stationäre Handel leidet in der Pandemie. Bildrechte: dpa

Da im Gegensatz zur Steuersenkung nicht alle Menschen vom Kinderbonus profitiert haben, hat das IMK auch Haushalte ohne Kinder dazu befragt, wie sie eine hypothetische Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro verwenden würden. Aus den Antworten geht hervor, dass die Befragten im Schnitt rund 41 Prozent eines solchen zusätzlichen Einkommens ausgeben würden.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der konsumsteigernde Effekt des Kinderbonus gemessen an den überschaubaren Kosten für den Bund beträchtlich sein dürfte – und geht davon aus, dass eine breiter angelegte Einmalzahlung an Privathaushalte, vergleichbar mit der Direkthilfe in den USA, einen ähnlichen Effekt haben könnte.

Zur Studie Für die Studie hat die Hans-Böckler-Stiftung 6.100 Erwerbstätige und Arbeitsuchende zweimal befragt: einmal im Frühjahr 2020 und ein weiteres Mal im November nach der Auszahlung des Kinderbonus. So konnten Trends im Laufe der Zeit ermittelt werden. Unter den Befragten waren 1.509 Haushalte, die den Kinderbonus erhalten haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Februar 2021 | 07:00 Uhr

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