Branchen-Umfrage Touristisches Gastgewerbe mit Umsatz über Vorkrisen-Niveau

Der inländische Tourismus bescherte in den vergangen Wochen dem Gastgewerbe ein sehr gutes Geschäft. Im September war der Umsatz in vorwiegend touristisch geprägten Hotels und Gaststätten für den zweiten Monat in Folge besser als in den Vergleichsmonaten des Vorkrisenjahres 2019. Geschäfts- und Tagungshotels sowie Diskotheken beklagen weiterhin erhebliche Umsatzeinbußen.

Hotel-Schild an einer Hauswand
Tourismus-Hotels laufen besser als vor der Corona-Krise. Bildrechte: IMAGO / Horst Galuschka

Die Lage bei Hotels und Gaststätten konnte sich nach dem Lockdown in den vergangenen Wochen teilweise verbessern:

  • In Sachsen hat der Tourismus die Verluste beim Kongress-Geschäft ausgeglichen.
  • Die DEHOGA in Sachsen-Anhalt verzeichnet für die Branche im September ein sehr kleines Plus.
  • In Thüringen haben Erfurt und das Umland von der BUGA profitiert.

Hotels und Gaststätten, die ihr Geld vorwiegend mit Touristen verdienen, haben den zweiten Monat in Folge mehr Umsatz erwirtschaftet als im Vergleichszeitraum 2019 - also vor der Corona-Krise. Das geht aus der aktuellen Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) hervor. Nach einem Umsatzplus von drei Prozent im August folgten vier Prozent im September: "Der Trend zum Kurzurlaub und Urlaub in der Heimat hält an", erklärt Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA Bundesverbandes.

Sorgenkinder: Geschäfts- und Tagungshotels

Ein Umsatzminus bei nicht-touristisch geprägten Betrieben wie Geschäfts- und Tagungshotels, Clubs und Diskotheken führte dazu, dass das September-Geschäft der Gesamtbranche 5,3 Prozent schlechter war als im Vorkrisenjahr 2019. Der Trend ist aber positiv. Laut DEHOGA-Umfrage haben sich die Umsatzverluste etwas abgeschwächt. Im August-Vergleich betrug das Minus noch 5,7 Prozent. Bis die verheerenden Folgen der Krise mit monatelangem Lockdown überwunden seien, werde es noch eine Weile dauern, so Zöllick.

Sachsen: Tourismus gleicht Verluste beim Kongress-Geschäft aus

Die Lage in den mitteldeutschen Ländern sieht ähnlich aus, wie bundesweit. Der Hauptgeschäftsführer der DEHOGA Sachsen Axel Klein sagt: "Das Geschäft in den vergangenen Monaten war gut. Bei den Hotelübernachtungen hat der Tourismus die Lücke gefüllt, die fehlende Kongresse und Messen entstehen ließ." Die Werbekampagne der Landesregierung hätte Wirkung gezeigt, lobt Klein.

Axel Klein Dehoga Sachsen
Axel Klein, Hauptgeschäftsführer der DEHOGA Sachsen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus seiner Sicht ist das Problem nicht mehr die fehlende Nachfrage, sondern, das Angebot aufrecht zu erhalten. "Es gibt technische Probleme beim Hochfahren der Betriebe nach der monatelangen Pause. Es zeigen sich Defekte, die repariert werden müssen. Handwerkertermine und Materialmangel sind ein Problem", so der DEHOGA-Landeschef. Hoffnungsvoll schaut Klein auf die Weihnachtsmarkt-Saison, für die er ein gutes Geschäft erwartet .

Sachsen-Anhalt: sehr kleines Plus für September

Ein sehr kleines Plus für die Branche bilanziert der Präsident der DEHOGA in Sachsen-Anhalt, Michael Schmidt, den September. Nach seiner Auskunft gibt ein gemischtes Bild: "Es gibt Betriebe mit einem sehr starken Minus und welche mit einem hohen Plus."

Köchin arbeitet in Hotelküche am Herd
In den Hotelküchen wird wieder für Gäste gekocht. Bildrechte: dpa

Aus Schmidts Sicht ist für die kommenden Monate entscheidend, welche Corona-Schutz-Maßnahmen zur Öffnung der Betriebe beschlossen werden. "Wir sehen bis zum Jahresende durchwachsene Geschäfte", so der Landesverbandschef. Er plädiert für eine 3G-Regel überall dort, wo Abstände und Hygienekonzept umsetzbar sind und die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können. Für die Club-, Bar- und Veranstaltungsbranche ist er da skeptisch.

Thüringen: Erfurt profitiert von der BUGA

Der Hauptgeschäftsführer der DEHOGA Thüringen Dirk Ellinger sagt: "Die pandemiebedingten Einschränkungen gingen bis in den Juni. Für Juli, August und September ist die Masse unserer Betriebe zufrieden mit der Umsatzentwicklung. Vor allem Erfurt profitierte vom Sondereffekt der Bundesgartenschau."

Dirk Ellinger
Dirk Ellinger ist Hauptgeschäftsführer der DEHOGA Thüringen. Bildrechte: dpa

Für die nächsten Monate ist Ellinger guter Hoffnung. Dafür müssen jedoch vor allem drei Bedingungen erfüllt werden: gutes Reisewetter, keine neuen Einschränkungen wegen der Pandemie und die Beseitigung des Personalmangels .

Personalmangel als Riesenproblem

Das fehlende Personal in Hotels und Geststätten ist nicht nur in den drei mittteldeutschen Bundesländern ein Problem, sondern bundesweit. Wie aus der DEHOGA-Umfrage hervorgeht, stellt der Fachkräftemangel für fast 80 Prozent der Betriebe ein Problem dar.

Ein Kellner mit benutzten Tellern
Wer Gäste bedienen möchte, benötigt ausreichend Personal. Bildrechte: Colourbox.de

"Es ist eine Riesenherausforderung für die Betriebe, geeignete Mitarbeiter zu finden", sagt Guido Zöllick. Auf das fehlende Personal reagierten die Betriebe vor allem mit Anpassungen der Speisekarte, mit einer höheren Bezahlung, zusätzlichen Ruhetagen und der Einstellung von mehr un- und angelernter Mitarbeitern.

Quelle: MDR UMSCHAU

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 12. Oktober 2021 | 20:15 Uhr

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