Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen Kaufpreise in mittelgroßen Städten steigen stärker als in Großstädten

Provisionsfreie Wohnungen zu verkaufen - auch als Kapitalanlage - gesehen am 25.12.2013 in Hannover am Kronsberg
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Mit stark steigenden Preisen bei Eigentumswohnungen müssen mittlerweile nicht nur Kaufinteressierte in mitteldeutschen Großstädten rechnen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das durchschnittliche Kaufpreisniveau in vielen mittelgroßen Städten stärker gestiegen als in den meisten Metropolen. Das ergab eine Auswertung des aktuellen Wohn-Index, erstellt vom Immobilieninstitut F+B GmbH, durch die MDR-Wirtschaftsredaktion. Trotz der höchsten Zuwachsraten bei den mittelgroßen Städten (20.000 – 100.000 Einwohner) dominieren Großstädte (mehr als 100.000 Einwohner) das teuerste Preisdrittel bei den Eigentumswohnungen in mitteldeutschen Kommunen.

Trotz hoher Preisanstiege immernoch günstig

Zweistellige und damit die höchsten Preisaufschläge gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in Görlitz (18,6 Prozent), Halberstadt (16,4 Prozent), Dessau-Roßlau (14,8 Prozent), Eisenach (14,8 Prozent), Sangerhausen (14,4 Prozent), Weißenfels (14,1 Prozent), Köthen (13,5 Prozent), Ilmenau (11,9 Prozent), Meißen (11,3 Prozent) und Mühlhausen (10,7 Prozent).

Die deutsch-polnische Grenze in Görlitz
In Görlitz verteuerten sich Eigentumswohnungen in den vergangenen 12 Monaten am stärksten in Mitteldeutschland. Bildrechte: IMAGO

Trotz dieses Preisanstiegs gehören sieben dieser Orte immer noch zum günstigsten Preis-Drittel (1.000 bis 1.499 Euro je Quadratmeter). Das sind Köthen (1.150 Euro), Weißenfels (1.200 Euro), Sangerhausen (1.220 Euro), Görlitz (1.240 Euro), Dessau-Roßlau (1.290 Euro), Halberstadt (1.310 Euro) und Mühlhausen (1.360 Euro). Drei finden sich im mittleren Preisdrittel (1.500 bis 1.999 Euro je Quadratmeter): Eisenach (1.510 Euro), Ilmenau (1.750 Euro) und Meißen (1.750 Euro).

Experte: Niedrige Bau-Zinsen lassen Nachfrage in der "Provinz" steigen

Die größten Preissteigerungen im vergangenen Jahr verteilen sich breit über Mitteldeutschland. Für Manfred Neuhöfer vom Immobilieninstitut F+B gibt dafür zwei Erklärungsversuche.

Manfred Neuhöfer von der F + B GmbH
Immobilienexperte Manfred Neuhöfer von der F + B GmbH Bildrechte: F + B GmbH

Er sagt: "Es gibt dort nach Jahren des Rückbaus und der Stagnation mutige Bauträger, die bei sehr niedrigen Grundstückspreisen auch mal neue Wohnungen und Häuser im Eigentumssegment bauen und auf den Markt bringen. Oder Altbauten werden grundlegend saniert und dann zu höheren Preisen weiterverkauft." Zudem führt er an, dass angesichts weiterhin extrem niedriger Zinsen, Wohneigentum auch bei mittleren Einkommen, wenn beide Partner in Paarbeziehungen berufstätig sind, leistbar und erschwinglich sei. "Offenbar setzen dies zunehmend Menschen dort in der 'Provinz' auch um, was sich preislich bemerkbar macht", so Neuhöfer.

Großstädte weiterhin mit höchsten Preisen

In den sieben mitteldeutschen Großstädten blieben die durchschnittlichen Steigerungen des Kaufpreisniveaus im Vorjahresvergleich einstellig. Bis auf Erfurt (9,1 Prozent) und Chemnitz (6,9 Prozent) lagen sie sogar unter fünf Prozent: Magdeburg (3,6 Prozent), Halle/Saale (2,5 Prozent), Jena (2,3 Prozent), Dresden (2,1 Prozent) und Leipzig (1 Prozent).

Menschenleerer Neumarkt in Dresden
Dresden hat das höchste Preisniveau bei Eigentumswohnungen in Mitteldeutschland. Bildrechte: imago images/Andreas Weihs

Auch wenn die Zuwächse bei den Großstädten vergleichsweise gering sind, dominieren die in Sachsen und Thüringen das teuerste Kaufpreis-Drittel (mehr als 2.000 Euro je Quadratmeter): Dresden (2.470 Euro), Jena (2.420 Euro), Erfurt (2.310 Euro) und Leipzig (2.020 Euro). In dieser Preisliga spielen auch die mittelgroßen Städte Radebeul (2.550 Euro), Weimar (2.180 Euro) und annähernd auch Pirna (1.990 Euro). Die drei liegen in unmittelbarer Nachbarschaft von Großstädten.

Über diese Datenerhebung Basis der Auswertung sind Immobiliendaten, die die F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH nach eigenen Angaben seit 2002 quartalsweise erhebt. Die aktuellen Daten beziehen sich auf das zweite Quartal 2021 und wurden mit dem Vorjahresquartal verglichen. Der F+B-Wohn-Index bildet Durchschnittspreise für realisierte Verkaufsangebote für eine Vergleichswohnung mit folgenden Eckwerten ab: zehn Jahre alt, 75 Quadratmeter und eine normale Ausstattung. Je nach Lage schwanken die Preise in der jeweiligen Stadt um bis zu 70 Prozent um den Durchschnittswert. Bei der Erhebung werden Städte mit mindestens 25.000 Einwohnern (31.12.2019) berücksichtigt. Für Thüringen sind das 12 Kommunen, für Sachsen 16 und Sachsen-Anhalt 18.

Quelle: MDR UMSCHAU

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 09. September 2021 | 21:45 Uhr

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