Preisentwicklung bei Neuvermietung Mietsteigerungen in mittelgroßen Städten auf Großstadtniveau

Rotes Aushängeschild "Wohnung zu vermieten" vor einem Mietshaus.
Bildrechte: imago/CHROMORANGE

In einigen mittelgroßen Städten in Mitteldeutschland sind in den vergangenen 12 Monaten die Preise bei Neuvermietung stärker gestiegen als in Großstädten. Das ergab eine Auswertung des aktuellen Wohn-Index des Immobilieninstituts F+B GmbH durch die MDR-Wirtschaftsredaktion. In einigen mittelgroßen Städten (20.000 – 100.000 Einwohner) wie Wernigerode und Weimar hat das mittlerweile dazu geführt, dass Wohnungssuchende dort mit Mietpreisniveaus rechnen müssen wie in Großstädten (mehr als 100.000 Einwohner).

Viele mittelgroße Städte mit sehr hohen Miet-Anstiegen

Unter den zehn mitteldeutschen Kommunen mit den höchsten Mietsteigerungsraten binnen eines Jahres bei Neuvermietungen sind aktuell acht mittelgroße Städte.

Das Rathaus von Wernigerode
Wernigerode stiegen die Mieten am stärksten. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Das sind Wernigerode (6,3 Prozent), Weimar (4,3 Prozent), Freital 3,3 Prozent), Ilmenau (3,1 Prozent), Radebeul (2,7 Prozent), Wittenberg (2,4 Prozent), Naumburg (2,4 Prozent) und Merseburg (2 Prozent). Zudem sind in den Top 10 zwei der sieben mitteldeutschen Großstädte – Leipzig (3,2 Prozent) und Erfurt (2 Prozent).

Überschwappeffekt bringt hohe Preise ins Umland der Großstädte

Auffällig ist, dass mittelgroße Städte vor allem in der Nachbarschaft von teuren Großstädten bei Preisen für Neumietung anziehen und teurer geworden sind. Das sind beispielsweise Weimar zwischen Erfurt und Jena sowie Freital und Radebeul in der Nachbarschaft von Dresden.

Manfred Neuhöfer von der F + B GmbH
Immobilienexperte Manfred Neuhöfer von der F + B GmbH Bildrechte: F + B GmbH

Manfred Neuhöfer vom Immobilieninstitut F+B sagt: "Wir sehen hier einen leichten Überschwappeffekt, wie man das in der Immobilienwirtschaft nennt. Wenn Wohnraum in der Großstadt knapp und teuer wird, werden Alternativen in attraktiven Nachbarstädten gesucht. Wenn das Preisleistungsverhältnis stimmt – und besonders wenn es schnelles Internet gibt, nimmt man gegebenenfalls auch längere Wege in Kauf. Die erhöhte Nachfrage in den Nachbarstädten lässt dort dann auch die Mieten steigen."

Mittelgroße Städte unter den teuersten Orten

Der starke Neumietenanstieg in den mittelgroßen Städten Wernigerode, Weimar, Freital, Ilmenau und Radebeul hat dazu geführt, dass diese auch in den Top 10 der teuersten mitteldeutschen Städte zu finden sind.

Die Abendsonne scheint auf ein dreietagiges Haus mit einem roten Dach. Unter dem Haus befindet sich eine sehr hohe Mauer, links neben dem Haus führt eine Treppe durch Weinberge.
Auch attarktive Wohnhäuser haben die mittelgroße Stadt Radebeul zu einer der teuersten werden lassen. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Radebeul (7,20 Euro) und Weimar (7 Euro) belegen Platz zwei und drei hinter der Großstadt Jena (7,60 Euro). Auf Platz vier und fünf liegen die Großstädte Erfurt (6,80 Euro) und Dresden (6,70 Euro). Danach folgen wieder zwei mittelgroße Städte: Ilmenau (6,60 Euro) und Wernigerode (6,10 Euro). Mit durchschnittlich 5,80 Euro je Quadratmeter liegt das Niveau in Eisenach so hoch wie in Leipzig. Auf Platz zehn landet Freital (5,70 Euro).

Über diese Datenerhebung Basis der Auswertung sind Immobiliendaten, die die F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH nach eigenen Angaben seit 2002 quartalsweise erhebt. Die aktuellen Daten beziehen sich auf das zweite Quartal 2021 und wurden mit dem Vorjahresquartal verglichen. Der F+B-Wohn-Index bildet Durchschnittspreise für realisierte Mietangebote für eine Vergleichswohnung mit folgenden Eckwerten ab: zehn Jahre alt, 75 Quadratmeter und eine normale Ausstattung. Je nach Lage schwanken die Preise in der jeweiligen Stadt um bis zu 70 Prozent um den Durchschnittswert. Bei der Erhebung werden Städte mit mindestens 25.000 Einwohnern (31.12.2019) berücksichtigt. Für Thüringen sind das 12 Kommunen, für Sachsen 16 und Sachsen-Anhalt 18.

Quelle: MDR UMSCHAU

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 08. September 2021 | 07:00 Uhr

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