Energiewende Mibrag-Chef hält Kohleausstieg schon 2030 für unwahrscheinlich

Die Energiewende soll schneller gehen als geplant. Wie im neuen Koalitionsvertrag festgelegt, soll "idealerweise" schon 2030 Schluss sein mit Strom aus Braunkohle. Das würde insbesondere die Reviere in Mitteldeutschland treffen und damit auch die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft, kurz Mibrag. Sie hat knapp 2.000 Beschäftigte und betreibt zwei große Tagebaue in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

  • Bei einem früheren Kohleausstieg müssen auch Alternativen zur Energieversorgung früher bereit gestellt werden.
  • Dem Geschäftsführer der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft zufolge soll das Unternehmen nachhaltig umgebaut werden.
  • Auch nach einem Kohleausstieg müssen Kohleunternehmen in den Tagebauen arbeiten, etwa an der Rekultivierung.

Armin Eichholz ist wider Erwarten derzeit gut im Geschäft. Trotz aller Ausstiegspläne sei die Nachfrage nach Kohle enorm, sagt der Chef der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft. Wegen der hohen Gaspreise griffen Energieversorger gern auf den heimischen Energieträger zurück.

Wetterunabhängige Energieversorgung noch nicht absehbar

Eichholz hält es für unwahrscheinlich, dass der Kohleausstieg auf 2030 vorgezogen werden kann. Er sagt, im Koalitionsvertrag würden Bedingungen genannt, Alternativen müssten her, etwa mehr erneuerbare Energien, aber auch 40-Gigawatt-Gaskraftwerke für eine wetterunabhängige Versorgung.

Eichholz erklärt: "Und 40 Gigawatt Gaskraftwerke würde bedeuten, so über den Daumen 40 bis 45 Mal so ein Kraftwerk wie Schkopau. Und es ist völlig unklar, wer investiert in diese 40 bis 45 Gaskraftwerke. Wer errichtet die? Sie brauchen ja auch einen Anlagenbauer, der die Kapazität dafür hat. Und für mich auch unklar: Wo kommt das Erdgas her?"

Mibrag soll nachhaltig werden

Eichholz hat in Bochum Energie- und Verfahrenstechnik studiert. Seit vielen Jahren arbeitet er für Kohleunternehmen. Trotzdem sorge auch ihn der Klimawandel, sagt der Mibrag-Chef. Man müsse aber einen Weg finden, der "von der angestrebten Zeitskala her realistisch ist".

Und Eichholz will die Mibrag umbauen hin zu einen nachhaltigen Geschäft: "Wir haben heute schon Geschäftsfelder, die noch klein sind, in die wir aber hineinwachsen. Das sind Ingenieurdienstleistungen. Auch Dienstleistungen zum Beispiel bei der Spezialvermessung. Die benötigen wir heute, um unsere Böschungen zu beobachten. Das sind also satellitengestützte Vermessungssysteme, die wir auch in anderen Branchen anbieten. Wir sind tätig im Recycling und bei der Verwertung von Reststoffen."

Besonders wichtig aber, sagt Eichholz, seien Investitionen in Windräder und Solaranlagen. Die Mibrag wolle aus erneuerbarem Strom Wasserstoff und langfristig Bio-Kraftstoffe erzeugen.

Eine alte Dampflokomotive fährt in das Kohlekraftwerk Deuben ein. 1 min
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Das Braunkohlekraftwerk in Deuben geht endgültig vom Netz. Schon am Montag ist der letzte Waggon in das Kraftwerk eingefahren. Landrat Götz Ulrich sagte, damit würden "zahlreiche gut bezahlte Jobs verloren" gehen.

MDR S-ANHALT Mo 06.12.2021 19:00Uhr 00:59 min

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Rekultivierung bereits geplant

Auch nach dem Kohleausstieg dürfte das Unternehmen noch an den Tagebauen arbeiten. Denn sie müssen rekultiviert werden. Der Laie denkt: Wenn der Bergbau früher endet, mache das die Rekultivierung leichter. Doch diese Annahme sei falsch, widerspricht Eichholz.

Schon mit den Abbauplänen habe man ja die spätere Gestaltung vorgezeichnet: "Wenn Sie da jetzt eingreifen und sagen, wir steigen vorher aus der Kohle aus, dann stehen die Böschungen anders, der Restsee wird irgendwann mal woanders sein. Das heißt, sie müssen nach Beendigung des operativen Betriebs in die Herstellung der Endkultur viel stärker eingreifen als das bei dem normalen Betrieb auf Basis der Rahmenbetriebspläne der Fall gewesen wäre. Das heißt, die Kosten steigen mutmaßlich an."

Für Pödelwitz hat Eichholz noch keine konkreten Pläne, ist nach seinen Worten aber im Gespräch mit allen Beteiligten. Das sächsische Dorf sollte ursprünglich der Kohle weichen, die Mibrag hatte bereits Häuser und Höfe erworben. Nun kann es bleiben. Auf die Frage, ob der Tagebau unmittelbar daneben auch bis 2035 noch aktiv sein wird, bleibt Eichholz vage und sagt, den Kohleausstieg bis 2030 halte er zwar für unrealistisch. Er schließe aber nicht aus, dass ein paar Jahre eher Schluss sein wird, als bislang vereinbart.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Dezember 2021 | 08:06 Uhr

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