Elektromobilität Millionen-Marke bei E-Autos deutlich verspätet erreicht

Vor mehr als zehn Jahren - 2009 - hatte die damalige schwarz-rote Bundesregierung einen Nationalen Entwicklungsplan zur Elektromobilät vorgelegt und erklärt, dass bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen fahren würden. Doch erst jetzt wurde das Ziel tatsächlich erreicht.

Ein Elektroauto wird geladen an einer Ladestation.
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Auf deutschen Straßen sind jetzt offiziell mehr als eine Million Elektro-Fahrzeuge unterwegs. Das teilten die Ministerien für Verkehr, Wirtschaft und Umwelt mit. Mehr als die Hälfte seien rein elektrische Fahrzeuge, die übrigen Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge. Dabei wurden aber nicht nur Pkw, sondern auch Nutzfahrzeuge und Busse mitgezählt.

Altmaier spricht von "Meilenstein"

Wirtschaftsminister Peter Altmaier sprach von einem "entscheidenden Meilenstein". Der Verkehr werde unumkehrbar auf erneuerbare Energien umgestellt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze warb für den Kauf und begründete, E-Autos verursachten weniger Lärm und schädliche Abgase und erhöhten so die Lebensqualität in den Städten. Langfristig sei das Stromladen billiger als das Tanken an der Zapfsäule, sagte Schulze.

Prämie soll Kauf von E-Auto ankurbeln

Die Bundesregierung zahlt beim Kauf von E-Autos einen sogenannten Innovationsbonus von bis zu 9.000 Euro. Die Prämie soll bis Ende 2025 verlängert werden. Ab der Erstzulassung ist der Käufer oder die Käuferin eines neuen Elektroautos zudem für zehn Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit.

Doch auch mit dem Erreichen der Millionen-Marke sind E-Autos auf deutschen Straßen deutlich in der Minderheit. Zum 1. April dieses Jahres waren in Deutschland 48,3 Millionen Pkw registriert, darunter gut 31 Millionen Benziner und 15 Millionen Diesel.

Scheuer bekräftigt Zielvorgabe für 2030

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erklärte am Montag erneut, damit Deutschland seine Klimavorgaben erfülle, müssten bis 2030 bis zu 14 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen fahren – ein Ziel, dass Wirtschaftsminister Altmaier bereits Mitte Juli ausgegeben hatte. Zugleich versprach Scheuer einen deutlichen Ausbau der Ladestationen. So solle bis Ende 2023 der nächste Schnellladepunkt überall im Land "in wenigen Minuten" erreichbar sein, erklärte Scheuer. Im vorigen Jahr hatten in Deutschland angebotene E-Autos eine durchschnittliche Reichweite von 350 Kilometern.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur gilt als zentrale Stellschraube, um mehr Elektroautos auf die Straßen zu bringen. Nach Angaben des Autoindustrieverbands VDA vom Mai gab es damals knapp 42.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte – weniger als von der EU empfohlen, die maximal zehn E-Pkw pro Ladepunkt anvisiert. Laut VDA kommen in Deutschland aktuell 17 E-Autos auf einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt.

Deutschland wird deutlich mehr Strom brauchen

Doch nicht nur ein deutlicher Zuwachs an Ladestationen ist nötig. Auch der Strombedarf wird mit der Zunahme der E-Autos deutlich steigen. Im Juli korrigierte Wirtschaftsminister Altmaier die Prognose für den wachsenden Stromverbrauch um zehn Prozent nach oben. Die Bundesregierung rechnet bis 2030 mit einem Stromverbrauch von bis zu 665 Terawattstunden. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rechnet sogar damit, dass der Stromverbrauch bis 2030 auf 700 Terawattstunden ansteigen wird.

Die Grafik zeigt den Stromverbrauch in Deutschland und eine Prognose für die Zukunft.
Die Grafik zeigt den aktuellen Stromverbrauch in Deutschland und eine Zukunftsprognose. Bildrechte: MDR

Wie ist die Umweltbilanz von E-Autos?

Der wachsende Anteil der E-Autos stößt allerdings auch auf Kritik. Deshalb haben die Forscher vom Fraunhofer ISI sich häufig gestellte Fragen herausgesucht und einem Faktencheck unterworfen. Die Antworten finden Sie im folgenden Beitrag:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. August 2021 | 14:06 Uhr

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