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Jörg Patzer betreibt das Fitnessstudio "FitnessHouse" in Leipzig. Er ist bisher einigermaßen gut durch die Pandemie gekommen und freut sich jetzt über die Rückkehr der Mitglieder ins Studio. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Nach sechs Monaten Lockdown

Fitnessstudios haben ein Viertel ihrer Mitglieder verloren

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Stand: 25. Mai 2021, 09:56 Uhr

Fitnessstudios erlebten jahrelang einen Boom. Bis die Corona-Krise kam. Von den Schließungen im Lockdown waren sie ebenso schwer betroffen wie die Gastronomie. Nun dürfen die ersten wieder öffnen. Doch es wird Sommer. Man kann auch draußen Sport treiben. Und dann haben sich viele Sportbegeisterte mit Online-Kursen angefreundet. Kann das alte Fitnessstudio-Geschäft wieder in Gang kommen?

Der Corona-Speck muss weg. Und so plagen sich an einem späten Vormittag zwei junge Menschen im "FitnessHouse" in Leipzig/Lindenthal. Das Studio betreibt Jörg Patzer. Nach sechseinhalb Monaten darf er nun wieder Mitglieder empfangen – vorausgesetzt, sie sind geimpft oder getestet. Die ersten drei Tage seien richtig super gewesen. Bei den Sportlern habe es viel Nachholbedarf gegeben.

Die Woche, die jetzt begonnen hat, ist ein bisschen verhaltener. Manche wollen die Geschichte mit den Tests noch vermeiden und haben darauf keine Lust, was für mich unverständlich ist. Viele sehnen sich nach aktivem Sport. Wegen des Tests nicht zum Training zu kommen, ist mir ein bisschen unerklärlich.

Jörg Patzer | Inhaber "FitnessHouse"

Verlust an Bestandsmitgliedern

Patzer testet seine Mitglieder, wenn sie wollen, auch selbst. Der Fitnessstudio-Chef hat extra einen Lehrgang besucht. Er weiß, dass er die Leute locken muss. Seit Beginn vergangenen Jahres haben die deutschen Fitnessstudios im Durchschnitt rund 25 Prozent ihrer Mitglieder eingebüßt. Millionen Verträge sind im Lockdown ausgelaufen oder wurden gekündigt. Das geht aus Zahlen des Arbeitgeberverbandes Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) hervor. Präsidentin Birgit Schwarze spricht von einer schwierigen Zeit. Bis die Verluste ausgeglichen seien, werde es Jahre dauern.

Die Monate Januar, Februar, März, April, Mai – in diesen fünf Monaten werben wir normalerweise 50 Prozent unserer neuen Kunden, um normale Mitgliederverluste auszugleichen. Das ist in diesem Jahr zusätzlich zum sowieso gesunkenen Bestand komplett weggefallen. Und das ist ein ganz großes Problem für die Branche geworden.

Birgit Schwarze | Präsidentin DSSV

Mitgliederschwund in deutschen FitnessstudiosLaut DSSV haben die Fitnessstudios in Deutschland zum Stichtag 31.12.2020 circa 11,6 Prozent der Mitglieder verloren. Man sei von 11,66 Millionen auf 10,31 Millionen Mitglieder gerutscht. In einer zweiten Untersuchung zum 31. März 2021 habe man festgestellt, dass aufgrund des ständigen Lockdowns seit Januar bereits 13 Prozent der Mitglieder verloren gegangen seien.

Weggebrochene Einnahmen, verändertes Sport-Verhalten

Wenn die Studios jetzt wieder öffnen, haben sie zwar noch Kosten wie vor der Pandemie, aber weniger Einnahmen. Hinzu kommt: Viele Menschen haben sich Alternativen gesucht. Radfahren, Joggen, Yoga im Online-Kurs. Stefan Ludwig ist für die Branche dennoch optimistisch. Er ist Unternehmensberater bei Deloitte.

Eine Studie von Deloitte aus Februar 2021 zeigt, dass sich die Verhaltensmuster wieder denen vor der Pandemie anpassen werden. Wir gehen davon aus, dass die Fitnessstudios, aber auch die Sportvereine, wieder zu den Anlaufpunkten werden, die sie in der Vergangenheit waren.

Stefan Ludwig | Deloitte

Vielleicht sogar noch mehr, so Ludwig, denn das Gesundheitsbewusstsein habe sich gesteigert. Auch Jörg Patzer vom "FitnessHouse" hält den Online-Kurs für keine ernsthafte Konkurrenz. Man könne vorm Bildschirm zwar eine Stunde Yoga machen. "Aber legen Sie sich mal unter eine Pseudo-100-Kilo-Hantel. Und machen Sie das vorm Video. Also das geht nicht." Er habe von vielen Sportlern erfahren, dass es das Flair ist, das fehle. Einige hätten sich bei ihm Geräte geliehen. Die Leute wollten sich wieder treffen und messen und nicht in ihren kleinen Kämmerlein vor sich hin trainieren.

Trotzdem sagt auch Patzer, ein halbes Jahr werde er mindestens benötigen, um wieder auf die Mitgliederzahlen zu kommen, die er mal hatte. Was ihm hilft: Während des Lockdowns hat er keine Beiträge abgebucht, stattdessen ganz auf die Staatshilfen gesetzt. Deswegen hielten sich die Kündigungen bei ihm in Grenzen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2021 | 08:06 Uhr

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