5. Teil | Mitteldeutschland und die Kohle-Milliarden Die Kohle geht, kommt die Bahn?

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
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Deutschland verabschiedet sich von der Braunkohle. Und damit dieser Abschied nicht so schwer fällt, hat die Bundesregierung allen Ländern mit Kohlerevieren Milliarden versprochen. Ein großer Teil des Geldes soll in die Infrastruktur fließen, konkret ins Bahn-Netz. Doch was ist in Mitteldeutschland eigentlich geplant?

Über Elster-Bahnbrücke bei Zeitz rollt ein Güterzug
Ein Güterzug rollt über die Elster-Bahnbrücke bei Zeitz. Wenn alles nach Plan läuft, haben die Menschen in Zeitz bald eine bessere Bahnverbindung nach Gera und Leipzig - dank des Geldes, das für den Kohleausstieg fließt. Bildrechte: Bayerische Regionaleisenbahn

Die Stadt Colditz hat fast alles, was eine Kleinstadt braucht. 8.500 Einwohner, einen Markt, Schulen und einen Bahnhof. An dem allerdings hat mehr als 20 Jahre lang kein Zug mehr gehalten. Doch das könnte sich wieder ändern, sagt der Landrat vom Leipziger Land, Henry Graichen. Die Anbindung von Grimma bis nach Colditz werde gerade im Rahmen der "Verkehrsbestellung für das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz 2", in das Netz eingebaut.

Möglich könnte es der Kohleausstieg machen. Denn von den 40 Milliarden Euro an Ausstiegshilfen will die Bundesregierung hohe Summen ins Schienennetz stecken. Davon profitieren könnte ganz Mitteldeutschland.

Beim Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (Nasa GmbH) hat Geschäftsführer Peter Panitz schon diverse Projekte im Blick. Der Schwerpunkt liege auf der Verbesserung der bestehenden Infrastruktur. Es gebe viele Strecken, die nicht die notwendige Geschwindigkeit aufwiesen oder bei denen die Elektrifizierung fehle, wie etwa bei der Verbindung Gera-Zeitz-Leipzig.

Was eine wirklich neue Verbindung werden wird, wäre nach Fertigstellung der Verbindungskurve nach Großkorbetha die direkte S-Bahn-Verbindung zwischen Leipzig und Merseburg.

Peter Panitz Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt

Moderne Gleise, bessere Verbindung

Auch in der Lausitz sollen Gleise modernisiert werden. Von Dresden oder Zittau nach Görlitz könnten Züge künftig mit 160 km/h fahren. Die Elektrifizierung der Strecke Dresden-Hoyerwerda-Cottbus ist ebenso geplant wie eine ICE-Verbindung zwischen Berlin und Görlitz. Die Kohle geht, die Bahn kommt. Vorausgesetzt, es wird auch wirklich so entschieden.

Denn es gibt noch offene Fragen. Der Ausbau der Strecken ist ja nur die eine Seite. "Die Bezahlung des Verkehrs ist eine ganz wesentliche und wichtige Frage", so Nasa-Chef Panitz. "Das Investitionsgesetz für die Kohleregion sieht leider nur die Förderung der Investitionen vor." Wenn man neue Linien einrichte, brauche es auch mehr Mittel, um das finanzieren zu können. Die Erlöse aus den Fahrgeldern der Reisenden deckten nur einen kleinen Teil der Kosten.

Netz braucht auch Verkehr

Bis 2031 hat der Bund zur Förderung des Nahverkehrs feste Zusagen gegeben. Es fließen sogenannte Regionalisierungsmittel. Doch für die Zeit danach ist alles offen. Und Sachsen bräuchte eigentlich schon früher mehr Geld, wenn neue Strecken noch in diesem Jahrzehnt befahren werden sollen. Die Verhandlungen laufen.

Ein modernes Bahnnetz ohne besseren Bahnverkehr mache jedenfalls wenig Sinn, sagt Andreas Berkner vom Regionalen Planungsverband Westsachen. Und er zieht einen denkwürdigen Vergleich zu den Spaßbädern, die an vielen Stellen vor 20 Jahren entstanden seien - "teilweise mit 100 Prozent Förderungen - und heute zum Großteil nicht mehr betrieben würden. Das Geschenk der Förderung sei zunächst dankend angenommen worden, doch die Betriebskosten hätte man auf Dauer nicht stemmen können.

"Und das ist genau die Entwicklung, die wir im Strukturwandel verhindern müssen", betont Berkner.

Schwierig sind die Entscheidungen über das Bahnnetz noch aus einem anderen Grund. Mit der Corona-Pandemie sind die Fahrgastzahlen eingebrochen. Viele Zugpendler sitzen im Homeoffice. Und niemand kann sagen, ob das nicht auch nach der Pandemie so bleibt.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. April 2021 | 06:50 Uhr

16 Kommentare

Mediator vor 21 Wochen

Man sollte auch mal betrachten, wie lange die Gelder schon abrufbereit sind. Eine Reinigungsfirma zu beauftragen ist wohl einfacher als eine Straße durch alle Genehmigungsverfahren zu bringen und die Ausschreibung rechtskonform vorzunehmen.

Basisdemokrat vor 21 Wochen

Naja, es könnte ja auch andersherum sein. Besonders für junge Familien, die auf dem Land bauen, ist ein S-Bahnanschluß in der Nähe ein wichtiges Kriterium. Das zeigt sich im Leipziger Umland in zunehmendem Maße. Also sollten stillgelegte Bahnstrecken wieder aktiviert werden -- das kann zum Aufschwung in den Regionen beitragen.

AlexLeipzig vor 21 Wochen

Mit der Bahn kommen die Arbeitsplätze, zumindest potenziell, vor Ort muß man dann aber auch selbst was tun und nicht nur auf Tesla und Amazon warten. Auf jeden Fall ist es eine sinnvollere Infrastrukturförderung als Straßenbau. Woanders wird (zu Recht) gemeckert, weil man von der Bahn abgehängt wurde, siehe Chemnitz!

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